Bereit für ein grosses Abenteuer, das waren sie wohl, die drei gestandenen Jungs, die im Dezember 2000 die Destillerie «Bruichladdich 1888» wieder eröffneten. Mark Reynier, im Weingeschäft gross geworden, Simon Coughlin und Gordon Wright nutzten die Gunst der Stunde und wagten sich ans Whiskybrennen. Als Brennmeister konnten sie Jim McEwan, die Whisky-Legende schlechthin und bislang für Bowmore tätig, für ihre Idee gewinnen. Das schöne, stimmige Anwesen, perfekt gelegen am Ostufer von The Rinns, wurde umfassend, aber sanft renoviert, die viktorianische Ausstattung blieb mehrheitlich erhalten.

Noch heute findet man keinen Computer, der den Destillerievorgang überwacht. Man setzt auf Gefühl und Erfahrung. Bruichladdich, Freunde sagen einfach «Laddie», produziert heute als einzige der noch aktiven acht Destillerien auf Islay rein biologisch. Das Malz für die Produktion wird aus Bio-Gerste hergestellt, die grösstenteils auf Islay wächst. Sämtliche Elektrizität, die Bruichladdich benötigt, wird aus Destillerieabfällen gewonnen. Diese Abfälle generieren Biogase, die wiederum zum Antrieb von Generatoren genutzt werden. Als Tüpfelchen auf dem i hält sich die Brennerei einen elektrischen Nissan Leaf als Firmenwagen.


Beim beschaulichen Islay-Airport dürfen wir den Leaf in Empfang nehmen. Die Instruktion ist kurz, Elektroauto fahren ist keine Hexerei: Eine Mischung aus Computer hochfahren und Automatikgetriebe bedienen. Das Erkunden der kleinen, nur spärlich besiedelten, grünen Insel ist mit dem leisen Fahrzeug die reine Freude. Wir gehen es sehr gemächlich an. Das muss man auch, denn die unzähligen Schafe bleiben gerne auch mal mitten auf der Strasse stehen. Zäune gibt es keine und die blökenden Wollknäuel zeigen sich von unserem lautlosen Auto gänzlich unbeeindruckt. Aber wie uns Mark Reynier von Bruichladdich später erklären wird: «You are on Islay time now, slow down. This is all about the simple things.» Die Insel ist zauberhaft. Das Licht. Der Himmel. Das Wasser. Reizende kleine Weiler säumen unseren Weg von einer Destillerie zur nächsten. Wir sind hingerissen von dieser einsamen Hebrideninsel, von der man sagt, dass es an etwa 300 Tagen pro Jahr regnen soll. An diesem Tag tut es das nicht, höchstens ein klein wenig. Das Autoradio bleibt ausgeschaltet. Es geht ganz leicht, slow down. Der «Leaf» ist ein angenehmer Reisebegleiter. Es ist ein freudiges Sichfortbewegen mit dem Elektromobil, selbst auf diesen nicht gerade luxuriösen Strassen. 2011 zum Auto des Jahres gewählt, zeigt er, dass Elektroautos heute äusserst wirtschaftlich betrieben werden können, sicher sind und die Reichweite pro Batterieladung ausreicht, um den Grossteil der alltäglichen Fahrten problemlos zu absolvieren. Ein Leaf fährt mit einer Batterieladung bis zu 175 Kilometer weit. Eine komplette Aufladung der Lithium-Ionen-Batterie am Heimladegerät dauert sechs bis acht Stunden. Mit einer Schnell-Ladestation ist sie bereits nach 30 Minuten bis zu 80 Prozent geladen. Das Elektroauto ist 4,45 Meter lang und bietet genügend Platz für fünf Passagiere und etwas Gepäck. Es kostet 49 950 Franken, Basispreis. Die Ausstattung ist umfassend: ABS, ESP, Airbags, Klimaautomatik, Multimedia-System, Navi, Rückfahrkamera und noch einiges mehr ist dabei. Er wird von 109 PS angeschoben, das Drehmoment von 280 Nm lässt den Frontantriebler sehr flott davonziehen, trotz seiner 1,6 Tonnen Gewicht. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei zirka 145 km/h, bergab, mit Heimweh und Rückenwind kommt da wohl noch mehr, aber das reicht ja eigentlich längst. Ganz adrett ist er auch, eigentlich wie ein normaler, zeitgemässer Kleinwagen. Unaufgeregt irgendwie, und das ist ganz in Ordnung so.


Selbstverständlich Sprechen wir mit Mark Reynier an diesem Tag auch noch über Whisky. Und trinken auch – am Abend nach den Testfahrten. Wunderbare Destillate, solche mit herbem Torfgeschmack, und andere, lieblichere, die nach Wiese, Vanille und Honig schmecken. Die trinkt man dann genüsslich mit geschlossenen Augen. Mark ist ein wunderbarer Geschichtenerzähler, seine Hingabe und Leidenschaft für die Insel und den Whisky sind spürbar und ansteckend. Nur einige wenige Tage nach unserer Rückkehr von Islay erreicht uns die Nachricht, dass Bruichladdich, bis anhin die letzte unabhängige Destillerie auf Islay, an den Giganten Rémy Cointreau verkauft worden ist. Bruichladdich versichert, dass alles bleibt, wie es immer war.