Der Kia Soul ist ein gutes Auto in der Kompaktklasse. Klar sieht er etwas speziell aus, er polarisiert mit seiner Aussenhaut. Aber das Fahrzeug als solches ist sehr okay. Er kann alles, was ein moderner Kompaktwagen heute können muss – und sieht nicht aus wie einer aus der grossen Einheitsdesign-Maschine. Nun gibt es den Kia auch als Elektrofahrzeug. Der nennt sich dann Soul EV und fährt – wie jedes andere Elektrofahrzeug (mit Ausnahme von Tesla). Will heissen: leise, eher zurückhaltend und ohne lokale CO 2 -Emissionen. Maximal gibt es 81,4 kW (entspricht 111 PS) und 285 Nm auf die Vorderräder. Als Stromspeicher werden Lithium-Ionen-Polymerzellen genutzt, welche über eine Speicherkapazität von 27 kWh verfügen. Als durchschnittlicher Verbrauch an elektrischer Energie sind 14,7 kWh pro 100 Kilometer angegeben, was einer Reichweite von knapp 200 km entsprechen würde. Im Labor – wo die Werte für die Reichweite «gemessen» werden – erreicht der Kia gar 212 km. Aber eben, nur im Labor.

Der direkte Konkurrent des Koreaners ist natürlich der VW e-Golf. Der hat zwar ein paar PS mehr, muss aber auch rund 1700 kg mit sich rumschleppen. Der Kia wiegt «nur» 1565 kg. Also, der Golf ist schwerer, stärker – verbraucht laut Werkangabe aber nur 12,7 kWh? Auch hier: in der Theorie. In der Praxis sieht das so aus: Der Kia, im Winter gefahren, schafft an die 140 Kilometer (15,5 kWh pro 100 km); Heizung und die tiefen Temperaturen verhinderten in unserem Test grössere Reichweiten. Der Golf schaffte bei kühlen, aber nicht winterlichen Temperaturen 150 Kilometer. Alles in allem: Gleichstand. Das gilt auch für den Preis – in der Theorie. Unser komplett ausgestatteter Soul EV kostet 40’800 Franken, den e-Golf gibts ab 40’550 Franken. Unser VW-Testwagen stand damals allerdings mit fast 48’000 Franken in der Preisliste. Punkt für den Kia also.

Ist also alles nur eine Frage des Geschmacks, der Optik, für welches der beiden Elektromobile man sich entscheidet? Natürlich nicht. Der Kia hat sogar ein paar Pluspunkte gegenüber dem Wolfsburger. So fühlt er sich im täglichen Betrieb einfach leichtfüssiger an. Die Lenkung ist leichtgängig, aber noch gerade präzis genug; ein sehr komfortables Fahrwerk kann man dem Koreaner ausserdem attestieren. Gerade beim Langsamfahrkomfort in der City scheint uns der Kia dem e-Golf sogar überlegen. Für die gut 40  000 Franken hat der Soul EV schon fast alles an Bord, was man sich in Sachen Komfort wünschen kann. Beheizte und belüftete Sitze, ein wirklich gutes Navigationssystem, Radio mit DAB+, einen Tempomat und einen Speedlimiter. Und das Bedienkonzept ist sehr einfach, da brauchts keine Betriebsanleitung.

Natürlich kann man bei Kia auch die Lade- und Klimatisierungszeiten vorwählen. Aber nur im Auto direkt. Eine nahezu perfekte App fürs Smartphone oder Tablet, welche VW gegen Aufpreis anbietet, ist bei Kia nicht erhältlich. Klarer Pluspunkt für VW. Beim Nutzwert herrscht in unseren Augen Gleichstand. Der Kia ist etwas kleiner, bietet im Innenraum aber anständig Platz. Unschön ist die Kante im Laderaum, wenn man die Fondsitze abklappt. Vorne liegt der Kia beim Heizen. Die Wärmepumpentechnologie des Soul EV ist effizienter als das rein elektrische System des VW Golf. Die Reichweite verringert sich weniger als beim VW. Und es wird sehr schnell wohlig warm an Bord des Soul EV.

Beim Laden der Akkus ist kaum ein Unterschied festzustellen. Wer sich ein Elektroauto kauft, sollte unbedingt eine Wallbox mit ordentlich Power zu Hause installieren lassen. An der konventionellen Steckdose dauert das Aufladen der Akkus, egal ob bei VW oder Kia, einfach zu lange. Der Koreaner braucht sich also vor dem VW nicht wirklich zu verstecken. Und trotzdem wird er ein Exot bleiben. Und das könnte auch gleichzeitig der grösste Kaufanreiz für den Soul EV sein: Man wird ihn nicht an jeder Ecke sehen.