VW Golf, Renault Clio, Ford Focus: In der Liga der Kompaktwagen ist die Konkurrenz gross. Und die heimischen Hersteller haben den umkämpften Markt fest im Griff. Wer hier Chancen haben will, muss anders sein als die anderen, ist man bei Mazda der festen Überzeugung. «Mazda ist ein bisschen anders als die anderen», sagt Entwicklungschef Christian Schultze bei der Präsentation des neuen Mazda 3 selbstbewusst. Und es gibt tatsächlich gute Gründe, das zu glauben. Denn der neue Kompakte aus Japan hebt sich von seiner Konkurrenz ab – zuallererst natürlich beim Design: Mit schmalen LED-Leuchten blickt er entschlossen auf den Weg, der vor ihm liegt. Untermauert wird das durch den tief nach unten gezogenen, grossflächigen Kühlergrill, der in der unteren Hälfte durch eine markentypische Spange eingefasst wird. Am rundlichen Heck dominieren ein Doppelauspuff und vier runde Heckleuchten, darüber eine flach ansteigende Heckscheibe. Mazda hat damit nicht etwa die hohe Schule des italienischen Designs kopiert, aber durchaus eine elegante Linienführung geschaffen, der man durchaus italienische Wurzeln attestieren möchte.
In der Seitenansicht fällt die breite C-Säule auf, welche den Übergang vom Dach ins Heck bildet. Üblicherweise wird sie durch ein kleines Dreiecksfenster aufgelockert. Mazda hat dieses kleine Fenster buchstäblich nach vorne geschoben und in die hintere Seitentür integriert. So nimmt man zwar in Kauf, dass die Rundumsicht für den Fahrer nach schräg hinten etwas eingeschränkt wird und dass Passagiere im Fond etwas weniger Licht bekommen. Doch dafür wirkt der Mazda 3 in der Seitenansicht deutlich dynamischer. Er wird optisch regelrecht nach vorne geschoben. Eine Dynamik, die der Japaner auch auf der Strasse verkörpern möchte. Und auch das etwas anders als viele andere. «Wir möchten nicht das ultimative Auto bauen, das alle Rekorde bricht. Wir möchten, dass der Fahrer die Technik geniessen kann, anstatt sie bändigen zu müssen», so Schultze.
Auf den kurvigen Landstrassen rund um Lissabon soll der neue Mazda3 diese Versprechen bei den ersten Testfahrten einlösen. Hier fällt zunächst auf, was Mazda bei den Motoren anders macht als die Konkurrenz.

Linear statt aufgepumpt
Gerade in der Kompaktklasse ist Down-sizing ein grosses Thema. Kleinvolumige Motoren mit lediglich 1,0 bis 1,5 Litern Hubraum werden mittels Turbolader zu wahren Höchstleistungen aufgepumpt. Nicht so bei Mazda. Die Japaner gönnen dem Neuen weiterhin 2 Liter Hubraum, verteilt auf vier Zylinder. Der Motor wird durch einen Starter-Generator sanft elektrisch unterstützt. Auf einen Turbolader wird beim Mildhybrid aber verzichtet. So fühlt er sich tatsächlich anders an. Er nimmt das Gas sehr direkt an und liefert seine Kraft sehr gleichmässig ab, während die kleinen Turbotriebwerke erst einmal durchatmen müssen, bevor sie ihre Leistung umso heftiger preisgeben. Das ist ungewohnt und fühlt sich zunächst kraftloser an als bei manchem Konkurrenten – bis man die Vorzüge dieser eleganten Kraftentfaltung zu schätzen weiss. Mit 122 PS und 213 Nm Drehmoment ist der 1349 kg leichte Mazda 3 aber ausreichend motorisiert, sei es mit sanfter 6-Stufen-Automatik oder mit präziser und knackiger 6-Gang-Handschaltung.
Wer es sportlicher wünscht, bekommt ab Sommer den neuen SkyactivX-Motor, den ersten Serien-Benzinmotor, der in gewissen Situationen mit Kompressionszündung, also wie ein Diesel, arbeitet. So will er die Vorzüge von Benziner und Diesel vereinen. Diese Variante mit 181 PS wird Mazda auch mit Allradantrieb anbieten.

Souveräner Gesamteinduck
Etwas mehr Leistung kann das gut abgestimmte Fahrwerk des Neulings auf jeden Fall wegstecken. Der Mazda 3 wirkt auf kurvigen Strecken sehr agil und dennoch spurstabil. Zudem ist auch der Kompromiss zwischen Fahrspass und Alltagstauglichkeit geglückt. Der Kompakte federt sauber und gleichmässig und lässt sich auch auf groben Wellen nicht aus der Ruhe bringen. Untermalt wird der souveräne Gesamteindruck durch die wirkungsvolle Geräuschdämmung. Weder Vibrationen und Störgeräusche vom Motor noch ein Poltern aus dem Fahrwerk sind im Innenraum zu vernehmen.
Das Interieur wurde schlicht, aber elegant gestaltet. Positiv fällt auf, dass man sich bei Mazda offensichtlich Mühe gegeben hat, nur da billig wirkendes Hartplastik zu verbauen, wo man es nicht ständig anfassen muss. Alles, was man spürt, sind bequeme, weichgeschäumte Partien sowie Schaltknauf und Lenkrad in wertigem Leder. Hinzu kommen bequeme und weitläufig verstellbare Sitze für eine optimale Sitzposition und ein weit oben auf dem Armaturenbrett aufgesetzter Bildschirm für Navigation und Infotainment. Der überzeugt mit einfacher Bedienung über einen Drehknopf und Smartphone-Kompatibilität. Das integrierte Navi dürfte aber etwas schneller und moderner wirken.
Was den Mazda 3 ausserdem anders und interessant macht: sein Preis. Die Basisversion kostet ab 27 990 Franken, die hochwertige Revolution-Ausstattung 5000 Franken mehr. Annehmlichkeiten wie ein Radar-Tempomat, das Head-up-Display oder der Spurhalteassistent sind immer mit dabei.