«Wenn Sie nur noch ein Auto fahren dürf- ten, welches wäre es?» In meinem Falle fiele die Wahl vermutlich auf einen sportlichen Kombi. Ausreichend Platz, guter Reisekomfort und trotzdem eine ordentliche Portion Fahrspass, auch in Geschwindigkeitsbereichen, die sich nicht nur auf der Rennpiste ausloten lassen. Die Auswahl an sportlichen Kombis ist schliesslich doch überraschend übersichtlich. BMW baut seine sportlichen M-Modelle aus Prinzip nicht mit Kombi-Heck, und bei nicht deutschen Herstellern scheint das Konzept vom leistungsstarken Sportkombi nur wenig Anklang zu finden. In der unteren Mittelklasse bleiben also der RS4 von Audi und der Mercedes-AMG C63. Letzterer bietet für ein ausgewiesenes Sportmodell eine einzigartige Vielfalt. Er ist nämlich gleich in vier Karosserievarianten zu haben: als Coupé mit noch sportlicheren Fahreigenschaften; als Cabriolet für vierplätzigen Frischluftgenuss; als klassische Limousine; oder eben als Kombi mit 460 bis 1480 Litern Ladevolumen.

Auch die AMG-Modelle profitieren von der dezenten Überarbeitung, die Mercedes der C-Klasse, die in der aktuell vierten Auflage seit 2014 gebaut wird, verpasst hat. Äusserlich fällt der Feinschliff dezent aus. An der Front fallen vor allem die neuen LED-Leuchten auf. Sie verfügen über Matrix-Licht zum zielgenauen Ausblenden des Gegenverkehrs und leuchten bis zu 650 Me- ter weit. Hinzu kommen die überarbeiteten Assistenzsysteme, wie beispielsweise der adaptive Tempomat, der nun auch das Kartenmaterial des Navigationssystems berücksichtigt. Somit kann die C-Klasse vor engen Kurven oder Kreuzungen automatisch das Tempo verringern. Hinzu kommt der verbesserte Notbremsassistent, der Fussgänger und Radfahrer besser erkennen soll. Innen fällt vor allem die neue, digitale Instrumenteneinheit auf. Zwar bekommt die C-Klasse nicht dasselbe, aus zwei Breitbild-Monitoren bestehende System wie die A- und E-Klasse, doch wirkt das Cockpit dank grösserem Monitor und neu gestaltetem Lenkrad nun sichtlich moderner.
Was vor allem auffällt am Lenkrad, sind die zwei neuen Bedienelemente in den Topmodellen: ein Drehschalter auf der linken Seite, mit dem man sich durch die ins- gesamt neun Fahrmodi wählen kann, und zwei frei belegbare Tasten mit kleinem Display, über die man einzelne Funktionen, wie zum Beispiel den Klappenauspuff oder die Stabilitätskontrolle regeln kann. Ein Indiz dafür, dass die Sportabteilung aus Affalterbach weiter an der Fahrdynamik gefeilt hat.

Vom Kombi zum Renner

Weiterhin ist die starke C-Klasse in zwei Leistungsstufen zu haben. Als C63 mit 476 PS/650 Nm und als C63 S mit 510 PS/700 Nm. An den reinen Leistungsdaten hat sich mit der Überarbeitung nichts geändert; das war auch nicht nötig. Mit dem bekannten 4-Liter-V8 hat AMG weiterhin als einziger Hersteller einen V8 in der unteren Mittelklasse im Angebot, der nicht nur mit sei- nem herben Klang, sondern auch mit seinem bulligen Drehmoment überzeugt.
Neu verfügen alle C63-Modelle serienmässig über ein elektronisch geregeltes Sperrdifferenzial an der Hinterachse, das je nach Situation und Fahrmodus die Kräfte passend verteilt. Die Kraft des Achtzylinders wird weiterhin nur über die Hinterachse übertragen, dafür gibt es aber ein neues 9-Gang-Automatikgetriebe, das bei den ersten Testfahrten in Norddeutschland vor allem mit seiner Vielseitigkeit beeindruckte: Vom sanften, nicht spürbaren Gangwechsel beim gemütlichen Dahinrollen bis hin zum sportlich knackigen Schalten inklusive passgenauer Zwischengas- Stösse beim Herunterschalten bei sportlicher Fahrweise ist alles möglich.

Fahrspass-Potenzial

Genauso vielseitig gibt sich das Fahrwerk des Kombis. Die adaptiven Dämpfer sind in drei Stufen verstellbar und lassen sich so sehr gut anpassen. So kann der C63 praktisch ohne Komforteinbussen im Alltag bewegt werden; nur die Abrollgeräusche fallen im Vergleich zur «normalen» C-Klasse etwas höher aus, was vor allem an der sportlicheren Bereifung liegen dürfte. Dafür bietet der AMG ein unglaubliches Fahrspass-Potenzial, was durch die neuen elektronischen Helfer perfekt unterstützt wird.
Besonderes Highlight ist die neue Traktionskontrolle im C63; sie lässt sich über den Drehknopf am Lenkrad in neun Stufen individuell einstellen. Was sich zunächst wie eine übertriebene Spielerei anhört, entpuppt sich bei den Testrunden auf der anspruchsvollen Rennstrecke am Bilster Berg als durchaus sinnvolle Erweiterung. In der Basiseinstellung gibt sich der C63 S sehr gutmütig und regelt die Leistung früh weg, sodass die Hinterachse brav in der Spur bleibt. Das ist vor allem auch bei nasser Fahrbahn hilfreich.
Mit jeder Stufe, die den elektronischen Zügel lockert, kommt mehr Bewegung ins Auto. Die Hinterachse wird aktiver und macht mehr und mehr klar, dass der reine Hinterradantrieb nach wie vor seine Berechtigung hat – auch wenn ein Allradantrieb an ein paar schneereichen Tagen eine sinnvolle Ergänzung für den vielseitig begabten Kombi sein könnte. Wer die neue C-Klasse mit Allradantrieb fahren möchte, sollte sich den AMG C43 als Alternative ansehen. Er bietet viel sportliches AMG-Flair und hat mit 390 PS aus einem Turbo-V6 ebenfalls genügend Leistungsreserven. Er kostet ab 78 400 Franken. Wer allerdings das einmalige Vergnügen eines klang- und drehmoment- starken V8 im verhältnismässig kompakten Kombi erleben möchte, ist mit dem C63 mehr als nur gut bedient. Allerdings verlangt Mercedes dafür gut 20 000 Franken mehr. Im Vergleich zu den direkten Konkurrenten ist dieser Preis aber angemessen. Nach der Überarbeitung erst recht.