Wenn es um reine Verkaufszahlen geht, ist die S-Klasse bei Mercedes eigentlich nur ein Nischenmodell. Für hohe Stückzahlen sorgen vor allem die kompakteren Modelle und die SUVs. Dennoch schenkt man der Luxuslimousine bei der Marke mit Stern höchste Aufmerksamkeit. Denn kein anderes Modell trifft den Kerngedanken der Marke so perfekt wie die S-Klasse. Luxus, Komfort und Sicherheit. Die drei Eckpfeiler verkörpert das Topmodell aus Stuttgart seit je. Ein perfektes Aushängeschild also, das schon immer zeigen wollte, was bei Mercedes technisch möglich ist. Damit das auch weiter so bleibt, wurde der grosse Stern nun gründlich aufpoliert; nachdem die aktuelle Generation 2013 eingeführt wurde, gibt es nun ein
umfangreiches Technik-Update.
Äusserlich fiel die Überarbeitung allerdings dezent aus. Ein neuer Kühlergrill und neue Tagfahrleuchten an der Front sind die markantesten Änderungen. Augenfälliger wird die Auffrischung im Innenraum, wo das neue Lenkrad mit neuer Bedienlogik ins Auge fällt. Berührungsempfindliche Schaltflächen statt Tasten auf dem Lenker sollen den Weg in die Zukunft weisen. Ausserdem ist nun, erstmals bei einem Mercedes, die Steuerung für den Tempomaten ebenfalls ins Lenkrad integriert, der zusätzliche Lenkstockhebel entfällt damit. Ein kleines Detail, das aber auf eine der wesentlichen Änderungen in der verjüngten S-Klasse hindeutet: Die Fahrassistenzsysteme haben nämlich nochmals eine ganze Menge dazugelernt. So kann der Tempomat neu die Geschwindigkeit nicht mehr nur aufgrund der Radarsensoren im Verhältnis zum Vordermann anpassen: Tempolimits werden mittels Schildererkennung und Kartenmaterial automatisch übernommen. Aus der Navi-Karte weiss die S-Klasse neu auch, wie anstehende Kurven, Kreuzungen oder Kreisel aussehen – und kann die Geschwindigkeit entsprechend anpassen. Hinzu kommt ein weiter verbesserter Spurführungsassistent, der auf geeigneten Strecken die Lenkung praktisch komplett übernehmen kann; das funktioniert allerdings nur, solange der Fahrer seine Hände am Lenkrad behält. Dann sind aber sogar Spurwechsel automatisiert möglich. Abgerundet wird das Paket durch eine ganze Armada an Sicherheitssystemen, die die S-Klasse im Notfall automatisch sicher zum Stehen bringen können. Zum Beispiel, wenn der Fahrer zu lange nicht die Lenkung übernimmt, wenn Fussgänger die Strecke queren, ein Unfall mit Querverkehr droht oder man auf ein stehendes Stauende zufährt. Bei Geschwindigkeiten bis zu 130 km/h kann die S-Klasse einen Stau erkennen und mittels einer Notbremsung die Geschwindigkeit um bis zu 100 km/h verringern – und damit einen Aufprall vermeiden, zumindest aber stark abschwächen.

Still oder stürmisch
Gründlich überarbeitet hat Mercedes auch das Motorenangebot für die S-Klasse. Die grösste Änderung erfahren die Basismodelle. Anstelle von V6-Motoren sind nun Reihen-Sechszylinder im Programm. Diese bieten Vorteile bei der Laufruhe und sind nebenbei auch weniger komplex: Im Gegensatz zum V-Motor kommt der Reihenmotor mit nur einem Zylinderkopf aus und eignet sich zudem auch besser für einen modularen Baukasten mit mehreren Varianten. Wichtig für S-Klasse-Kunden dürfte aber vor allem die Laufruhe sein. Hier kann auch der Diesel vollends überzeugen. Der 3-Liter-Selbstzünder mit doppelter Turboaufladung ist in zwei Leistungsstufen mit 286 PS und 600 Nm sowie 340 PS und 700 Nm erhältlich. Der stärkere S400d gefällt mit sehr starkem und gleichmässigem Durchzug und gibt sich während der Fahrt auch akustisch nicht als Diesel zu erkennen. Er soll schon auf den neuen, realitätsnahen WLTP-Messzyklus ausgelegt sein und laut NEFZ-Norm mit 5,2 l/100 km auskommen. Auch der Einstiegsbenziner im S450 mit 367 PS setzt neu auf sechs Zylinder in Reihe. Die komplett neu konstruierten Motoren verfügen zudem über einen elektrischen Zusatzverdichter und einen integrierten Starter-Generator. Der Verdichter sorgt für Ladedruck, schon bevor der Turbolader Druck aufbaut. Der Starter-Generator sorgt für eine leichte Hybrid-Unterstützung und kann verzögerungsfrei bis zu 250 Nm Drehmoment beisteuern. Mit 367 PS (S450) oder gar 435 PS (S500) bietet der Sechszylinder damit Leistungswerte auf Niveau des bisherigen V8-Motors, verbraucht aber mit 6,6 l/100 km laut Norm deutlich weniger. Trotzdem gibt es natürlich auch weiterhin Acht- und Zwölfzylindermotoren in der S-Klasse. Der neue 4-Liter V8-Biturbo im S560 leistet 469 PS und 700 Nm Drehmoment. Dank Zylinderabschaltung soll er mit 8,5 l/100 km auskommen. Im S600 kommt nach wie vor ein mächtiger 12-Zylinder mit sechs Litern Hubraum und 530 PS zum Einsatz; im edlen Mercedes-Maybach S650 leistet er gar 630 PS und 1000 Nm Drehmoment.
Für eine sportliche Note in der edlen S-Klasse sorgt schliesslich die Sportabteilung AMG. Mit etwas geschärfter Optik und verbesserter Fahrdynamik, ohne dabei den sensationellen Fahrkomfort der Limousine zu beeinträchtigen, schafft der AMG S63 einen guten Kompromiss mit 612 PS aus einem 4-Liter-V8. Allradantrieb ist hier serienmässig an Bord, während der AMG S65 mit 630 PS-Zwölfzylinder auf reinen Heckantrieb vertraut. Alle anderen S-Klasse Varianten ausser S500 und S600 sind optional mit Allrad zu haben. Die Preise für das Aushängeschild von Mercedes starten bei 107 600 Franken für den S350d.