Die italienische Sportwagenmarke blickt auf eine lange, bewegte Tradition zurück und geniesst bis heute rumreichen Glanz.
Bewegt ist auch die Geschichte des Modellnamens «Ghibli», der erstmals 1966 auftauchte und sich auf einen heissen Wüstenwind der Sahara bezieht. Der Ghibli war 1966 ein starkes Sportcoupé mit Achtzylindermotor und wurde bis 1973 gebaut. Erst 1992 nahmen die Italiener wieder einen Ghibli in ihr Angebot. Ein 2+2-sitziges Coupé mit V6-Biturbo-Motor und bis zu 334 PS. 1997 folgte erneut ein vorläufiges Ende für den Ghibli.
2013 kehrte der Wüstenwind wieder zurück: Seither ist der Ghibli eine viertürige Limousine in der oberen Mittelklasse, die sich gegen starke Konkurrenten wie den Audi A6 oder den 5er von BMW behaupten will. Daher fiel auch der Entscheid, den Ghibli als erstes Modell der Marke mit Dieselmotor anzubieten.
Zum Test tritt der Italiener, der für das aktuelle Modelljahr einem Facelifting unterzogen wurde, aber mit einem V6-Benziner an. Der leistet im Ghibli S Q4 dank doppelter Turboaufladung 430 PS und satte 580 Nm Drehmoment. Die Kraft gelangt über eine Automatik mit acht Gangstufen an alle vier Räder. Wobei: Im normalen Fahrbetrieb ist die Limousine mit reinem Hinterradantrieb unterwegs. Nur wenn es die Fahrsituation erfordert, schickt die Elektronik Motorleistung an die Vorderachse.
Im Alltag gefällt der Antrieb in der gut 1,8 Tonnen schweren Limousine mit souveräner Kraftentfaltung und sonorem, aber nicht aufdringlichem Klang. Das passt gut zum eleganten Auftritt des fast fünf Meter langen Italieners.
Das Fahrwerk ist sehr komfortabel und weich ausgelegt, was den Ghibli zum guten Langstrecken-Begleiter macht. Auf Knopfdruck werden die Dämpfer straffer, doch der sanfte Grundcharakter – und damit auch deutliche Wank- und Nickbewegungen bleiben aber erhalten. Auch die eher leichtgängige Lenkung und das weiche Bremspedalgefühl lassen darauf schliessen, dass der Ghibli mehr ein erwachsener Gleiter als eine scharfe Sportlimousine sein soll; eine Entscheidung, die durchaus sinnvoll ist, um Maserati von den neuen Alfa-Romeo-Modellen deutlich abzugrenzen.
Innen gibt es italienische Designermode, wie man sie von einem Maserati erwarten darf. Viel Alcantara, fein vernähtes Leder, hochwertige Karbon-Einlagen und hervorragend verarbeitete, grosse Schaltwippen an der Lenksäule. Dass hier und da auch weniger hochwertige Plastikteile verbaut wurden, darf man dem Ghibli angesichts der gelungenen Gestaltung aber verzeihen.

Einige Abstriche
Ein grosser Knackpunkt für einen vergleichsweise kleinen Hersteller wie Maserati ist die rasante Entwicklung in Sachen Infotainment und Fahrerassistenz. Das merkt man dem Ghibli deutlich an. Das Infotainmentsystem verfügt zwar über einen grossen Touchscreen, der sich im Allgemeinen leicht bedienen lässt, doch ist die Menüführung in gewissen Punkten etwas verwirrend und die Darstellung wirkt nicht so modern, wie bei den deutschen Konkurrenten. Neu bietet der Italiener Radartempomat und Spurhalteassistent. Letzterer wirkt aber teilweise etwas zögerlich, bevor er eher ruppig eingreift, was auf langen Autobahnetappen nicht die gewünschte Entlastung bringt.
Aber: Ein Maserati will schliesslich ein Fahrerauto sein. Die Rolle als klassische Sportlimousine mit italienischem Charme spielt der Ghibli gut – auch wenn er sich mit einem Testverbrauch von 10,8 l/100 km nicht ganz an die Werksvorgabe von 9,6 l/100 km halten kann. Der Maserati Ghibli kostet ab 79 800 Franken (V6 Diesel, 275 PS, Hinterradantrieb). Der getestete S Q4, die einzige Variante mit Allradantrieb, kostet ab 102 550 Franken.