Der Name ist schon fast zur Bürde geworden. Denn einen Mini im Sinne des Wortes, also ein wendiges Kleinstfahrzeug, ist heutzutage nicht mehr nach dem Geschmack der grossen Masse.

Der Kunde will Platz, Komfort, Hightech – und im Zeitalter des SUV-Booms natürlich auch eine erhöhte Sitzposition und eine gute Portion Abenteuerlust.

Das führt dann bei Mini zum «Countryman», dem rauen Burschen im Programm, dem Crossover mit Allradantrieb, viel Platz und Offraoad-Ambitionen. Gepaart mit den immer strengeren Emissionsvorgaben führt das schliesslich zum jüngsten Spross in der Mini -Welt: dem Countryman mit Plug-in-Hybrid-Antrieb. Cooper S E Countryman ALL4 nennt sich der mit vollem Namen.

Er kombiniert einen Dreizylinder-Turbobenziner mit 1,5 Litern Hubraum mit einem E-Motor an der Hinterachse. Aus 136 Benzin-PS und deren 88 aus der E-Maschine mobilisiert er total 224 Pferde und trägt damit das «S» im Namen zu Recht, rückt gar dem Topmodell «John Cooper Works» mit 231 PS ziemlich nahe auf.

Dank der grossen Batterie mit 7,6 kWh Speicherkapazität sollen zudem bis zu 42 Kilometer rein elektrische Fahrt möglich sein, wenn die Batterie voll geladen wird. Das drückt den genormten Verbrauch laut NEFZ-Zyklus auf 2,1 l/100 km. Die Papierwerte klingen schon mal vielversprechend.

Strom voraus

Für die ersten Testfahrten steht der Teilzeit-Stromer in Mailand bereit, von wo aus es in Richtung Como geht. In der Stadt stromert der grosse Mini souverän durch das Verkehrsgetümmel. Der E-Motor hat mit 165 Nm Drehmoment genügend Kraft parat, um den Stadtverkehr zu meistern, und wirkt absolut ausreichend. Bei der Fahrt auf die Autobahn wechselt das System, sofern es laut der im Navi einprogrammierten Route Sinn macht, automatisch auf den Verbrenner. Geschieht dies nicht, sollte man dies per Knopfdruck manuell tun. Zwar erlaubt der E-Motor rein elektrisches Fahren bis 125 km/h, doch bei Autobahngeschwindigkeit leert sich die Batterie rasant. Den Strom hebt man sich besser für später auf und lässt auf der Autobahn den Benziner arbeiten. Der Dreizylinder wirkt laufruhig – und bei höheren Drehzahlen vor allem beim Klang durchaus sportlich. Lange Autobahnetappen sind also dank des kombinierten Antriebs problemlos möglich. Die einzige Einbusse, die man in Kauf nehmen muss: Der Tank fasst beim Plug-in-Hybrid lediglich 36 Liter. Zudem fällt der Countryman mit hohen Abrollgeräuschen auf. Vor allem auf schlechtem Belag wird es innen bisweilen etwas laut. Doch: Für lange Autobahnetappen wurde der Plug-in-Hybrid ohnehin nicht gebaut. Er soll in der Stadt und auf dem Weg in die Stadt überzeugen. Und trotzdem den typischen Fahrspass, den sich Mini auf die Fahnen schreibt, nicht missen lassen.

Mit Technik beladen

Keine leichte Aufgabe, im wahrsten Sinne des Wortes, dem Hybrid-Countryman ein leichtfüssiges Fahrverhalten zu verpassen. Denn der 4,30 Meter lange und 1,82 Meter breite Crossover bringt stattliche 1,7 Tonnen auf die Waage; der E-Motor und die unter dem Kofferraumboden untergebrachte Batterie sorgen für 150 kg zusätzlichen Ballast. Trotzdem kann der grosse Mini durchaus Laune machen. Allerdings dürfen die Kurven nicht zu eng und der Belag nicht zu schlecht sein. Im Sport-Modus werden die Fahrwerksdämpfer nämlich deutlich straffer und stemmen sich erfolgreich gegen die Seitenneigung des hochbauenden Minis ; allerdings leidet der Federungskomfort merklich. Auf kurzen Unebenheiten und Schlaglöchern kann es im Sportmodus holprig werden.

In engen Kehren ist es dann die hohe Masse, die den Crossover etwas schwerfällig wirken lässt. Halb so wild, denn wer es wirklich sportlich mag, findet bei Mini und der Muttermarke BMW genügend Alternativen. Und zum Verkehrshindernis mutiert man auch im schwersten aller Minis nicht, schon nur, weil der Plug-in-Hybrid mit guter Gasannahme und maximal 385 Nm Drehmoment zügig aus den Kurven beschleunigt und das Automatikgetriebe immer den passenden Gang bereithält.

Die Kombination machts aus

Der Mini Cooper S E Countryman ALL4 kann vieles – wie es seine lange Modellbezeichnung schon vermuten lässt. Konzeptbedingt bringt er aber auch einige Nachteile mit sich.

Mit dem elektrisch realisierten Allradantrieb und der erhöhten Bodenfreiheit ist er auch dem Winter in den Bergen locker gewachsen. Hinzu kommt, dass der Gepäckraum trotz der hinten verbauten Batterie geräumig bleibt. Mit 405 bis 1275 Liter verliert er nur 45 bis 115 Liter (bei umgeklappter Rückbank) gegenüber den Versionen mit reinem Benzin- oder Dieselantrieb. So taugt auch der Hybrid durchaus für den Sommer- und Winterurlaub. Wer oft in der Stadt und auf kurzen Strecken unterwegs ist, wird viele Fahrten rein elektrisch zurücklegen können, da der E-Motor dafür ausreichend Kraft bietet und auch Autobahntempo schafft.

Negativ fällt, wie bei so manchem Plug-in-Hybrid, das höhere Gewicht auf. Es lässt den Wagen schwerfälliger wirken und sorgt obendrein auch für höheren Verbrauch, wenn die Batterie erschöpft ist.

Zu guter Letzt macht sich der technische Aufwand für den Antrieb natürlich auch beim Preis bemerkbar. Mindestens 43700 Franken kostet der ab sofort erhältliche Plug-in-Hybrid. Der Cooper S All4 mit 192 PS ist mit 38400 Franken deutlich günstiger, das Topmodell John Cooper Works mit 231 PS kostet mit 44700 Franken nochmals mehr – ist aber auch deutlich mehr auf Fahrspass getrimmt. Für Kurzstrecken-Pendler, die auch gelegentliche Urlaubs-Trips in Betracht ziehen, ist der Hybrid aber genau richtig. Erst recht, wenn man die britische Marke unter deutscher Führung vor allem für Lifestyle, die netten Detaillösungen und das verspielte Design schätzt und den Namen nicht nur mit kompakten Abmessungen und bedingungslosem Sportsgeist verbindet.