Das Thema Wasserstoff beschäftigt die Autowelt schon eine ganze Weile; schon in den 1990ern entstanden die ersten Prototypen. Man sah Wasserstoff als Treibstoff der Zukunft - und da s zurecht: Zwar war die Herstellung noch deutlich aufwendiger als heute, doch der Gedanke, dass beim Auto lediglich noch Wasserdampf aus dem Auspuff wabert, hatte durchaus seinen Reiz. Und das ist auch heute noch so, auch wenn der Brennstoffzellenantrieb oft vergessen wird.
Man zweifelt an der Zukunft des Verbrennungsmotors und sucht eifrig nach einer Alternative. Diese wird schliesslich oft im elektrischen Antrieb gesehen. Dass dieser aber nicht zwingend aus einer grossen und schweren Batterie gespeist werden muss, findet derzeit wenig Beachtung. Doch das Konzept der Brennstoffzelle im Auto ist durchaus verlockend.

Auffällig unauffällig
Der Clarity Fuelcell ist schon das zweite Serienauto der Japaner, welches mit Wasserstoff betrieben wird; bereits 2008 bot Honda den FCX Clarity an. Damit war Honda der erste Hersteller überhaupt, der ein Wasserstoff-Auto zum Kauf anbot.
Die Produktion des FCX Clarity lief 2014 aus. Nun kommt der Nachfolger, der optisch deutlich futuristischer daherkommt. Die Front mit grossen LED-Tagfahrlichtbändern und zugunsten der Aerodynamik verkleidete Radläufe lassen den Clarity wie ein Auto aus der Zukunft wirken. Dazu passt, dass der Clarity praktisch lautlos vom Hof rollt. Konzeptbedingt ist das Fahrgefühl in einem Auto mit Brennstoffzelle kaum von dem in einem batterieelektrischen Auto zu unterscheiden.
Dominierend sind vor allem der praktisch geräuschlose Vortrieb und der Ansatzlose Schub, den die E-Maschine liefern kann. Beim Clarity Fuel Cell sind es bis zu 300 Nm, die ab der ersten Umdrehung ansatzlos zur Verfügung stehen. Entsprechend souverän und ruhig rollt man mit der fünfplätzigen Limousine im Verkehr mit. Dazu passt, dass Honda den Clarity ganz auf Komfort ausgelegt hat. Die gute Geräuschdämmung und das sehr sanft abgestimmte Fahrwerk verstärken das erhabene Gefühl vom Gleiten.
Was die Bedienung angeht, gibt sich der Honda im Cockpit sehr konventionell. Auffallend sind nur die Tasten zur Gangwahl anstelle eines Wählhebels. Ansonsten gibt es ein simples Touchscreen-Navigationssystem und digitale Instrumente. Ziereinlagen aus offenporigem Holz sorgen darüber hinaus für modernes Ambiente.

Tanken mit Hochdruck
Mit einer Länge von 4,92 Metern, geräumigem Kofferraum und guter Beinfreiheit auch auf der Rückbank, taugt die Limousine also durchaus als Reisewagen. Doch dafür spielt natürlich auch die Reichweite eine entscheidende Rolle. Bis zu 650 Kilometer sollen mit einer Tankfüllung möglich sein. Der Tank fass 141 Liter; mittels Hochdruckbetankung mit 700 bar wird er mit fünf Kilo Wasserstoff befüllt. Damit kostet eine Tankfüllung knapp 50 Franken; günstiger als Benzin also.
Das Problem liegt aber derzeit noch im Tankstellennetz. Gerademal zwei Tankstellen für Wasserstoff sind derzeit in der Schweiz im Betrieb: Eine in Dübendorf bei Zürich und eine im aargauischen Hunzenschwil.
Die Herstellung des Treibstoffes ist zwar aufwendig, bietet aber auch viele Vorteile. In der Elektrolyse wird Wasser mit elektrischer Energie in Wasserstoff und Sauerstoff gespalten. Dafür wird zwar viel Strom benötigt, doch dafür kann die Energie in Form von Wasserstoff problemlos gespeichert und transportiert werden, was mit Strom an sich nicht möglich ist.
Trotzdem wird es noch Jahre dauern, bis der Wasserstoffantrieb eine Chance haben könnte. Das Tankstellennetz entwickelt sich zwar, doch eben eher langsam. Daher sind auch die Automobilhersteller noch zögerlich; der Clarity Fuel Cell wird derzeit in den USA angeboten, nicht aber in Europa. Bereit dafür wäre er jedoch.