Natürlich können Sie mit dem SUV ihre Kinder in die Schule chauffieren oder einfach schnell die oft zitierten Brötchen holen. Aber dafür ist das Fahrzeug schon deshalb nicht optimal geeignet, weil es für solche Einsätze klar überqualifiziert ist.
Jedenfalls wenn es so ausgestattet ist wie der Seat Tarraco, der kommende Woche zu den Händlern kommt. Als typisches SUV, nämlich als Sports Utility Vehicle im ursprünglichen Sinn, weist der Tarraco eine grosse Bodenfreiheit auf, ist kräftig motorisiert sowie mit Allradantrieb und mehreren Fahrmodi ausgestattet. Damit hebt er sich schon in der Grundausstattung von den vielen kleineren Modellen ab, die oft nur mit Vorderradantrieb ausgestattet sind und sich deshalb für den Einsatz abseits befestigter Strassen kaum eignen.

Mit Schwung über die Dünen
Vom Tarraco, dem grossen Bruder der Modelle Arona und Ateca, darf man
also erwarten, dass er einen im Winter sicher über verschneite Strassen und steile Strecken bergwärts befördert oder mit Pferdeanhänger oder Boot im Schlepptau keine Schwächen zeigt.
Intensiver Winterdienst und Fahrverbote beschränken allerdings in der Schweiz die Gebiete, wo solches getestet werden könnte, auf ein Minimum. Dass aber Schnee und schlechte Strassen nicht die einzigen Gelegenheiten sind, um die Qualitäten des neuen Seat-SUV aufzuzeigen, hat die Spanier dazu veranlasst, Offroad-Tauglichkeit einmal in der Wüste Marokkos zu demonstrieren. Gründe dafür gibt es gleich mehrere: Einmal sind die Maghrebstaaten eine Region, wo Seat seine Marktanteile noch wesentlich steigern will – und deshalb auch schon mehrere Modelle in Algerien fertigt.
Zum andern trifft man im Atlasgebirge im Süden Marokkos Gebiete, wo Steinwüsten, hügeliges Gelände und riesige Dünen spektakuläre Einsätze versprechen. Schliesslich führte 2006 die Rallye Dakar durch dieses Gebiet – an den Städten Errachidia und Erfoud vorbei weiter in Richtung Süden.
Fahren auf Sand sei etwas ganz Besonderes, erklärte Jordi Gene, ehemaliger Formel-1-Testfahrer und heute Fahrin-struktor bei Seat: «Motor auf Drehzahl halten, keine zu grossen Lenkeinschläge und anhalten nur auf ebener Strecke oder beim Hinunterfahren.» Ausserdem wird für den Einsatz im Wüstensand der Reifenfülldruck auf etwa 1,2 bar abgesenkt, um den Pneus auf der instabilen Unterlage mehr Grip zu verleihen. Und, falls man doch einmal stecken geblieben ist, darf nicht noch mehr Gas gegeben werden, denn damit setzt der Fahrzeugboden schon bald auf und ein Fortkommen ist nicht mehr möglich.


Auf der Hochebene nahe der algerischen Grenze kann es auch passieren, dass Kamele – oft mit Touristen besetzt – den Offroad-Fahrzeugen ihre Spielwiese streitig machen. Die Tiere haben natürlich Vortritt – schliesslich haben sie beim Transport durch die Wüste
ältere Rechte als die maschinengetriebenen Blechmobile.
Technisch ist der Tarraco ein Bruder des VW Tiguan. Das Design und die markenspezifische Entwicklung erfolgten im Seat-Werk Martorell bei Barcelona, gefertigt wird das Fahrzeug aber in Wolfsburg.

Optionale Assistenzpakete
Die zwei Varianten mit 1,5- und 2-l-Benzinmotor leisten 150 und 190 PS und lassen sich mit 6-Gang-Handschalter oder 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe kombinieren – wobei das manuelle Getriebe stets nur mit Vorderradantrieb verbunden ist. 150 und 190 PS liefern auch die beiden 2-l-Dieselversionen, die ebenfalls mit Front- oder als Allradantrieb – bei Seat 4Drive genannt – erhältlich sind. Eine Plug-in-Hybridversion kommt etwas später noch ins Programm.
Das neue Seat-SUV gibt es in den Ausstattungsvarianten Style und Xcellence sowie als 5- oder 7-Sitzer. Preislich bewegt sich das neue Modell zwischen 36 250 und 47 550 Franken. In diesen Preisen sind die wesentlichen Fahrerassistenzsysteme enthalten.
Zwei optionale Assistenzpakete steigern die Sicherheit zusätzlich. Sie enthalten unter anderem den Stauassistenten respektive eine Distanzregelung und den neuen Rollover Assist, der bei einem Überschlag die Rückhaltesysteme aktiviert, den Motor ausschaltet und einen Notruf tätigt – für den Fall, dass die Dünen doch zu steil waren.