Es ist immer wieder das gleiche Spiel: Da gehen ein paar Investoren einher, verkünden grossspurig die Wiedergeburt eines bekannten Namens aus der Auto-Geschichte, basteln vielleicht sogar ein Stück, klatschen sich selber Beifall. Und dann ist auch meist schon wieder: alles vorbei. Allein in England dürften schon ein Dutzend Marken wiederbelebt und sogleich wieder verstorben sein. Nicht der erste Versuch TVR, gegründet 1946 von Trevor Wilkinson im englischen Blackpool, kennt dieses Spiel zur Genüge, die englische Sportwagen-Schmiede hat schon manch einen Sturm hinter sich. Der letzte war fatal: Der russische Unternehmer Nikolai Smolensky hatte TVR 2004 für geschätzte 15 Millionen Pfund von Peter Wheeler gekauft. Der russische Jung-Millionär verkündete immer wieder grossartige Pläne, scheiterte damit aber immer so hässlich wie kläglich. 2013 verkaufte Smolensky – endlich – die «Blackpool Engineering», welche die Rechte am Namen TVR und sonst noch so einigen Assets besass, an ein Konsortium um den englischen Unternehmer Les Edgar. Der zuerst einmal die Ersatzversorgung neu organisierte und die besten TVR-Spezialisten zu einem Network zusammenfasste.

Und jetzt will Les Edgar wieder ein Auto bauen. Damit könnte man diese Geschichte auch gleich wieder beenden, denn, eben, man hat es – gerade in Grossbritannien – zu oft gehört und sehr selten umgesetzt gesehen. Doch bei Les Edgar lohnt sich – vielleicht, hoffentlich? – ein genauerer Blick. Denn hinter dem neuen Fahrzeug, das für 2017 angekündigt ist und von dem bisher noch nicht einmal Zeichnungen existieren, stehen neben den TVR-Investoren zwei grosse Namen: Gordon Murray und seine GMD (Gordon Murray Design) sowie der berühmte Motoren-Konstrukteur Cosworth. Beide Namen bürgen für Seriosität, beide Firmen engagieren sich wohl nur, weil sie dem TVR-Projekt, das bis 2027 drei weitere Fahrzeuge gebären will, eine Zukunft geben. Viel lässt sich Edgar noch nicht entlocken zum neuen Produkt. Als Antrieb, lässt er immerhin durchblicken, dürfte ein klassischer V8 zum Einsatz kommen, kein Turbo, wahrscheinlich amerikanisch, eher von General Motors als von Ford. Es wird auch keine elektronischen Hilfsmittel geben, also wie immer bei TVR: Manuelles Getriebe, Heckantrieb. Wahrscheinlich ist auch ein Gitterrohrrahmen, wie das bei TVR immer üblich war – und ein von GMD entwickeltes Chassis.

Edgar sagt aber noch etwas, was im Zusammenhang mit TVR sehr wichtig ist: Das neue Fahrzeug soll nicht gegen Ferrari und Porsche antreten, weder in Sachen Leistung und auch nicht beim Preis. Und es soll auch keiner dieser modernen, hyperteuren Supercars werden, sondern das beinhalten, was die TVR schon immer ausgemacht hat: Soul. Da hat jemand etwas begriffen – und das stimmt zuversichtlich. Denn TVR, das war immer englisches Sportwagen-Handwerk vom Feinsten: klein, leicht, stark. Einzig dem Fahrvergnügen verpflichtet.