Es kann natürlich Zufall sein, dass Tesla gerade jetzt mit ersten Informationen zum Model X an die Öffentlichkeit geht. Dass die technischen Angaben nicht sehr aussagekräftig sind, muss nicht unbedingt daran liegen, dass es vielleicht etwas schnell gehen musste, denn dürftige Infos ist man sich von den Amerikanern gewohnt. Auch dass die ersten Bilder nicht so hübsch sind, dass man gleich sofort zum Händler rennen will, ist bei Tesla irgendwie Programm. Trotzdem – ein Schelm, wer nicht an Abgase denkt. Das Timing ist also – einmal mehr – perfekt, dafür hat man bei Tesla ein Händchen. Doch man soll es ihnen nicht verdenken, den Amerikanern, sie müssen pekuniär endlich einmal einen Fuss auf den Boden bringen, bisher schreiben sie nur dunkelrote Zahlen. Und da ist neben der Limousine Model S sicher ein SUV eine gute Option.


Man weiss auch nach der Lektüre der Unterlagen nicht besonders viel mehr, keine Länge, keine Breite, keine Höhe, kein Kofferraumvolumen, um einmal ein paar elementare Dinge zu nennen. Wir wissen aber, dass es den X als Sechs- oder Siebensitzer geben wird, dass sein Luftwiderstandsbeiwert nur 0,24 beträgt, dass er das sicherste SUV ever sein will (ob für die Insassen oder die Fussgänger auch noch, wissen wir nicht). Doch eine interessante Zahl steht da: 2,3 Tonnen will er ziehen können, der X, das ist ein ausgezeichneter und vor allem bisher unerreichter Wert bei einem Elektroauto. Als Antrieb dienen die Elektromotoren aus dem S-Modell mit Allradantrieb. Umgerechnet 259 PS auf die Vorderachse, 503 PS hinten, gibt zusammen etwa 700 PS. Maximales Drehmoment: Knapp unter 1000 Nm, wie gewohnt ab null Umdrehungen. So aufgerüstet, will der X als «Ludicrous P 90D» in 3,2 Sekunden von 0 auf 96 km/h beschleunigen und 250 km/h schnell sein. Nicht schlecht für einen allradgetriebenen 2½-Tonner, dessen Reichweite als gewöhnlicher P 90D mit der 90-kWh-Batterie satte 400 Kilometer betragen soll.


Das Laden an den mittlerweile nicht nur in den USA sehr erfreulich weit verbreiteten Supercharger-Stationen funktioniert bestens, das müssen die zukünftigen Konkurrenten von Audi und Porsche zuerst einmal auf die Reihe bekommen (was sowohl Dauer als auch Infrastruktur angeht). Zudem ist das Laden an diesen Säulen für Tesla -Besitzer vorerst kostenlos. Übrigens, es gibt auch einen Verbrauch, 89 «Miles per gallon gasoline equivalent», umgerechnet ein Wert von 2,64 Liter auf 100 Kilometer. Vom Innenraum gibt es noch keine Bilder, aber es ist anzunehmen, dass es in etwa gleich aussehen wird wie im Model S (ausser dass wohl die Mercedes-Bedienteile wegfallen, weil die Stuttgarter ja nichts mehr mit Tesla zu tun haben wollen). Interessant ist auf jeden Fall das Tür-Konzept: Vorn ganz brav und normal, wie gewohnt, hinten sind es allerdings Flügeltüren, die beim Öffnen nur 30 Zentimeter über die Fahrzeugbreite hochschwenken. Das soll auch in engen Parklücken kein Problem sein, obwohl es die in den USA eigentlich gar nicht gibt ... Sieht gut aus; Sinn und Zweck erschliesst sich nicht auf Anhieb, aber anders als alle anderen ist doch immer ein schlagendes Argument. Einen Preis nennt Tesla noch nicht, reservieren kann man ab sofort mit einer Anzahlung von 5000 Dollar übers Internet (geht auch per PayPal ...). Wann genau die ersten Fahrzeuge ausgeliefert werden, ist anscheinend nicht so klar, zweite Hälfte 2016 steht auf der Website des Herstellers.