Das ausklingende Jahr hatte viele freudige Momente auf vier Rädern zu bieten. Sieben Fahrten mit sieben sündhaft guten Autos bleiben in besonderer Erinnerung.

Die zwei Unerreichbaren

Was hat man nicht alles gelesen über den Porsche 911 R. Das puristische Sondermodell des Sportwagenklassikers, das die betuchten Sammler den Stuttgartern regelrecht aus den Händen rissen. Es gab fast nur Lob und Begeisterung für den 500-PS-Boliden.

Entsprechend gross war die Vorfreude, bis der 911 R im Oktober in Stuttgart für eine kurze Probefahrt auf den Landstrassen der Schwäbischen Alp bereitstand. Es war da aber auch diese Angst, durch die geschürten Erwartungen einfach nur enttäuscht zu werden. Unbegründet: Der 911 R ist ein echter Wahnsinn auf Rädern. Ist der 911 an sich ein gut gereifter Wein, ist der R der Grappa – die Essenz des Klassikers. 1370 kg leicht, 500 PS stark, ausbalanciert und nur aufs Fahrerlebnis konzentriert. Ein drehfreudiger Motor mit einem Klang zum Niederknien, eine knackige Handschaltung und eine fabelhaft direkte Lenkung. Ein Traum in Weiss, der für immer ein Traum bleiben wird; denn die 991 Exemplare sind längst ausverkauft und werden – wenn überhaupt – zu einem Vielfachen des Neupreises von 223 000 Franken gehandelt.

Porsche 911 R

Porsche 911 R

Das gilt auch für den zweiten streng limitierten Traum, der 2016 zum Test bereitstand: Den Jaguar F-Type Project7. Auf 250 Stück limitiert – davon nur 60 mit Linkslenkung – treibt der Project7 die Idee des F-Type-Roadsters auf die Spitze. Mit von Hand zu mon tierendem Stoffmützchen, gekürztem Scheibenrahmen und klassischem Rennwagen-Höcker am Heck. Dank überarbeitetem Fahrwerk, angepasster Aerodynamik und starker Keramikbremse hält der ursprünglich als Einzel stück gedachte Brite auch fahr dynamisch, was die Optik verspricht; nicht zuletzt dank 575 PS und 700 Nm aus dem 5-Liter-V8, die nur an die Hinter achse abgegeben werden – und dabei ein brachial lautes Konzert veranstalten.

Es war an einem herbstlichen Sonntagmorgen im Oktober. Das Mittelland wurde vom Regen beherrscht, doch für den Furkapass prophezeite die Wetter-App etwas Sonne. In Andermatt kann das Stoffdach runter, dafür gibt es Jacke, Mütze und Schal. Die kühle Luft weht um den Kopf, der V8 brüllt hemmungslos am Heck – und die noch feuchten Strassen fordern die Sinne am Steuer. Mehr klassisches, britisches Roadster-Feeling kann man in einem modernen Auto kaum erleben. Doch auch dieser Traum ist leider unerreichbar; der Neupreis lag bei 186 000 Franken – doch der Project7 ist ohnehin ausverkauft.

Jaguar F-Type Project7

Jaguar F-Type Project7

Die zwei Erreichbaren

Zum Glück gab es 2016 auch Fahrspass-Könige, die nicht in einer nur für den Wenigsten zugänglichen Liga spielen. Den Ford Focus RS zum Beispiel. Es gibt ihn noch zu kaufen – ab 48 900 Franken. Ein fairer Preis, denn bei einem Ausflug auf die Rennstrecke von Anneau du Rhin (F) bewies der Kompaktsportler, dass er dank Allradantrieb und 350 PS auch deutlich teureren Autos auf den Pelz rücken kann. Denn durch das fein abgestimmte Fahrwerk und den elektronisch geregelten Allradantrieb baut er ungeheuerlich viel Grip auf, sofern man den nicht mutwillig im Spass fördernden Drift-Modus an den Hinterrädern verrauchen lässt.

Ford Focus RS

Ford Focus RS

Elektronisch geregelter Allradantrieb? Darauf verzichtet der zweite Kompaktsportler, der 2016 das Herz erwärmte, bewusst. Der BMW M2 kommt mit klassischem Hinterradantrieb und turbogeladenem Reihensechszylinder. Es sind nicht die 370 PS oder deren feiner Klang, die den M2 zum Erlebnis machen. Es ist sein fein ausbalanciertes Fahrwerk. Die Kehren hoch zum Grimsel-Stausee nimmt der bayrische Sportler mit den breit ausgestellten Radhäusern einzigartig spielerisch, präzis und flink. Dabei bleibt er immer gutmütig; er schüchtert nicht ein, sondern lädt zum Spielen ein. Ganz grosser Fahrspass – der einem aber mindestens 69 900 Franken wert sein muss.

BMW M2

BMW M2

Die zwei Viertürer

Eine Limousine gilt gemeinhin nicht als Krönung der Fahrfreude. Zwei Vertreter dieser Art schaffen es dennoch in diesen Rückblick: Die mit Spannung erwartete Alfa Romeo Giulia Quadrifoglio und der bärenstarke Mercedes-AMG E63S. Zwei Sportlimousinen, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten. Die Italienerin überzeugte nicht nur mit 510 Pferden unter der Haube, sonder auch mit viel Sound und Emotion durch ein atemberaubendes Design, sondern vor allem auch mit viel Freude; nicht nur beim Fahrer, sondern auch bei den Mitmenschen. Besonders, wenn man mit der sportlichen Italienerin in ihrem Heimatland unterwegs ist. Man bekommt das Gefühl, überall Freunde zu haben, erntet hochgereckte Daumen und bewundernde Worte. Bella Italia ab 87 000 Franken.

Alfa Romeo Giulia QV

Alfa Romeo Giulia QV

Die sportlichste E-Klasse gibt sich dagegen als klassisches Beispiel deutscher Perfektion. Satte 612 Pferde pressen die Schwaben aus dem 4-Liter-V8. Den Spurt auf 100 km/h absolviert der Stern in 3,4 Sekunden. Der Allradantrieb verteilt seine Kraft perfekt auf die Räder, das 9-Gang-Automatikgetriebe wechselt die Gänge in kühlster Präzision, und das Fahrwerk hält die grosse Limousine strikt auf Kurs, sogar auf der Rennstrecke in Portimão (Portugal) macht der grosse Gleiter eine gute Figur und bietet enormen Fahrspass; auf Wunsch auch im Drift-Modus mit reinem Hinterradantrieb und immer mit einem sonoren V8-Klang, wie es sich für einen AMG gehört – und Mercedes-würdigem Fahrkomfort. Der E63 kommt im März 2017 zum Händler.

Mercedes-AMG E63 S

Mercedes-AMG E63 S

Der mit Vernunft

Ein unscheinbarer Volvo-Kombi. Auf den ersten Blick. Doch der V60 Polestar hat es faustdick unter dem Blech. Sein 2-Liter-Motor kommt dank Turbo und Kompressor auf 367 PS, was auf der deutschen Autobahn für verdutzte Sportwagenfahrer-Gesichter sorgte – und für viel Spass im soliden Schwedenkombi mit Allradantrieb, starker Bremse und einstellbarem Sportfahrwerk. Ab 87 000 Franken holt sich der sportliche Schwede die Vernunftskrone unter den Fahrspasskönigen von 2016.

Volvo V60 Polestar

Volvo V60 Polestar