Wer in den USA als Autohersteller überleben will, der braucht ein SUV. Noch besser: Ein grosses SUV. Das hat Mazda mit dem CX-9 seit 2007 im Angebot. Der Siebensitzer mit V6-Benziner wurde vor allem in Amerika verkauft; offiziell importierte Mazda nur 150 Stück in die Schweiz.
Nun haben die Japaner die zweite Generation des CX-9 lanciert. Vorerst für die USA, ob er in die Schweiz kommt, ist noch ungewiss. Stellt sich die Frage: Würde der grosse Japaner überhaupt zur Schweiz passen?

Willkommen in der Familie
Optisch tut der CX-9 auf jeden Fall viel, um Freunde zu finden. Mazda hat mit dem „Kodo“-Design eine eigene, stimmige Formensprache gefunden, die die ganze Modellpallette zu einer Familie werden lässt. Grosser Kühlergrill, angriffslustiger Blick und viel Schwung an den Flanken. Dieses Rezept hat man auch auf den neuen CX-9 übertragen. Und: Es steht ihm ausgezeichnet. Der amerikanisierte Japaner wirkt gut proportioniert und deutlich schlanker, als es 5,07 Meter Länge und 1,97 Meter Breite vermuten liessen. Mit 1950 kg Leergewicht bleibt der Grosse immerhin unter der 2-Tonnen-Marke, was in dieser Grössenklasse ebenfalls als schlank gewertet werden darf. Deshalb hat man bei Mazda auch kein Problem, dem CX-9 seinen 3,7-Liter-V6 streitig zu machen. In der Neuauflage arbeitet nun ein Vierzylinder Benziner mit 2,5 Litern Hubraum und Turbolader. Diese einzige Motorisierung kommt auf 250 PS und 420 Newtonmeter Drehmoment bei 2000 Umdrehungen. An Dieselmotoren denkt man gar nicht erst. Wahlweise ist der CX-9 in den USA mit Front- oder Allradantrieb zu haben. Für einen Import in die Schweiz kommt allerdings nur der Allrad in Frage, sollte es denn frühestens 2017 soweit kommen.  

Von der Stadt auf den Highway
Für eine erste Ausfahrt stand das neue SUV in San Francisco bereit. Natürlich machen es die breiten amerikanischen Strassen einfacher, doch der CX-9 fühlt sich trotz seiner Grösse nicht unhandlich an. Dank schmaler A- und B-Säulen fällt zudem die Übersicht gut aus. So dürfte man sich auch in der Schweiz ohne Angstschweiss durch die Städte bewegen können. Oder: Man geniesst einen wunderbaren Ausblick über die imposante Golden-Gate-Brücke, über die man San Francisco verlässt. Die Route führt in Richtung Norden auf dem kurvenreichen Highway 1. Falls der CX-9 nach Europa oder in die Schweiz kommt, würde Mazda nach eigenen Angaben die Fahrwerksabstimmung auf Europäische Bedürfnisse anpassen. Viel Handlungsbedarf besteht allerdings nicht – der grosse Allradler vermittelt auf der Kurvenstrecke eine sehr satte Strassenlage, neigt sich nicht allzu stark in Kurven und tendiert nie zum Schaukeln. Das fühlt sich schon sehr europäisch an. Lediglich die Lenkung dürfte etwas mehr Widerstand leisten und mehr Rückmeldung von der Strasse bieten, was es gerade auf schmaleren Strassen einfacher machen würde, dieses breite Auto genau zu positionieren. Aber: Das könnte ja noch werden.

Gediegen cruisen
Auf dem Highway fühlt sich der Mazda jedenfalls pudelwohl. Vor allem der geringe Geräuschpegel im Innenraum fällt positiv auf. So lässt sich das hübsch gestaltete Cockpit viel Platz, simpler Bedienung und edlem Leder perfekt geniessen – zumal man auch an ein tolles Surround-Soundsystem gedacht hat. Lediglich die Sitzposition ist für grossgewachsene nicht ganz optimal. Der Verstellbereich des Lenkrades ist etwas klein, die Schenkelauflage der Sitze etwas zu kurz. Zudem ist die Neigung des Gestühls nicht einstellbar. Dafür ist die Neigung der Lehne auch in der zweiten Reihe verstellbar und auch der Einstieg nach hinten ist durchaus zumutbar.
Geschaltet wird, typisch amerikanisch, ausschliesslich über eine 6-Gang-Automatik, was gut zum gediegenen Cruiser passt. Der 6-Stufen-Wandler schaltet fein und verschliffen und lässt den drehmomentstarken Motor gut zur Geltung kommen. Nur volle Beschleunigung scheint der Antrieb nicht sonderlich zu mögen, er wirkt dann etwas zäh. Doch diese Wohlfühloase für die ganze Familie ist auch nicht für den sportlichen Einsatz gedacht.

Viel Leistung – zu welchem Preis
Eine offizielle Angabe zum Verbrauch für Europa gibt es freilich noch nicht. Bei der ersten Ausfahrt mit viel Landstrassen-Anteil und Stadtverkehr genehmigte sich der CX-9 rund 11 Liter – immerhin bietet er dafür auch einen grossen Kofferraum, viel Variabilität und gehobene Ausstattung.
In den USA wird er ab sofort zu Preisen ab 31 250 US-Dollar verkauft. In der Basisversion mit Frontantrieb. Falls es zu einem Import in die Schweiz kommt, will man aber nur das Allradgetriebene Topmodell mit Vollausstattung anbieten, schliesslich soll der CX-9 das Flaggschiff der Marke sein. Mehr als 100 bis 200 Stück würden es ohnehin nicht werden.  Mit Blick auf die Konkurrenz und angesichts des bürokratischen Aufwandes für einen Import, angefangen von den Zertifizierungen, bis hin zur Gewährleistung der Ersatzteilversorgung, müsste der CX-9 bei uns knapp 55 000 Franken kosten. Immerhin: Die Konkurrenz unter den 7-Sitzigen SUV ist überschaubar, insofern hätte der CX-9 durchaus eine Daseinsberechtigung in der Schweiz, zumal er garantiert viel Auto fürs Geld bieten würde. Vorerst endet die Testfahrt mit dem grossen Japaner aber auf einem Hügel vor San Francisco bei bestem Ausblick auf die Golden Gate-Brücke.