«Ritmo. Punto. Tipo.» Wenn Luca Napolitano die Namen erfolgreicher Fiat Modelle aufzählt, klingt das wie ein feurig vorgetragenes Liebesgedicht. Ein Feuer, das durchaus zu Fiat passt. Denn im Gegensatz zu vielen anderen Marken gibt Fiat am Salon Vollgas und zeigt gleich zwei Neuheiten. Zwei, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Den neuen, vernünftigen Kompaktwagen Tipo, den es bis Ende Jahr als Fünftürer, Stufenheck und als Kombi auch in der Schweiz geben wird – wohl schon für deutlich unter 20 000 Franken. «Er soll nicht nur beim Anschaffungspreis, sondern auch bei den Betriebskosten Klassenbester sein. Das war unser Ziel.» Am anderen Ende des Fiat-Standes steht der neue 124 Spider. Der kleine Roadster ist eine Partnerentwicklung mit Mazda. Er teilt sich die Technik mit dem MX-5, wird rund 28 000 Franken kosten und rollt noch vor dem Sommer auf unsere Strassen. Mit 100 Prozent Fahrspass und wenig Sinn fürs Praktische. Passen die zwei Extreme unter das Dach einer Marke? «Unbedingt. Das ist, was wir bei Fiat schon immer gemacht haben», so Napolitano. Vernünftige und erschwingliche Alltagsautos auf der einen Seite und emotionale Freudenspender auf der anderen. «Wenn man sich die Trends in der Industrie der letzten drei bis vier Jahre anschaut, dann stellt man fest, dass es zwei grosse Gewinner gibt: Premium-Marken und Marken, die ein sehr gutes Preis-Leistungs-Verhältnis bieten.» Mit den beiden neuen Modellen will Fiat beides bieten. «Wir müssen die Marke dafür nicht aufteilen», meint Napolitano, auf das Beispiel Dacia-Renault angesprochen.

Es war für Fiat wichtig, endlich wieder einmal mit echten Neuheiten punkten zu können. Zwar ist der knuffige 500 auch nach über 10 Jahren noch ganz vorne in der Verkaufsstatistik, doch ansonsten fehlten schlichtweg die Modelle. «Der 500er wurde kürzlich rundum erneuert, gut 40 Prozent der Teile sind neu.» Warum nicht gleich ein neuer 500? «Wir wollten es nicht zu sehr verändern. Es ging bei der Überarbeitung nicht darum, die Verkaufszahlen zu verbessern. Wir haben auf die Kundenwünsche gehört.» Eine Strategie, die zu funktionieren scheint. Wer dennoch mehr Platz braucht, kann sich ja nun einen Tipo, idealerweise als Kombi kaufen. Der kommt ausschliesslich mit sparsamen Diesel- und Benzinmotoren. «Natürlich haben wir die alternativen Antriebe im Blick. Doch sie sind für unsere Kunden noch zu teuer», erklärt Napolitano.

Fiat Europa-Chef Luca Napolitano

Luca Napolitano

Fiat Europa-Chef Luca Napolitano

Zu teuer wäre auch ein neues SUV, ein Nachfolger für den Fiat Freemont. Kompakte Autos passen laut Napolitano einfach besser zu Fiat. Mit dem 500X bietet Fiat ein kompaktes SUV an, «und wir haben den Panda 4×4. Ein besseres Winterauto gibt es nicht!», schmunzelt der Italiener. Er hat auch gut lachen, schliesslich treffen die kompakten, günstigen Autos durchaus den Nerv der Zeit. Und der 124 Spider als reines Spassauto? «Ein Spassauto, das man sich leisten kann, es ist nahbar», meint der Italiener. Zudem bringt der sportliche Zweisitzer nicht nur Absatzzahlen, sondern auch ein frisches Image. Das ist wichtig, um die Emotionen zu erhalten. Ein pures Auto, das man noch selbst fährt. Eines der letzten, weil eh bald alle Autos autonom fahren? «Ich glaube nicht, dass unsere Kunden das wollen. Natürlich bleiben wir am Ball. So schnell werden wir aber unsere Strategie nicht ändern wollen und müssen.»