«Das war schlimmer als jede Englisch-Prüfung in der Schule», erinnert sich Walter Frey an die nervenaufreibenden Stunden, in denen er als Gymnasiast mit seinem Vater nach England reiste, um dort als Übersetzer auszuhelfen. Sein Vater, Emil Frey, pflegte nämlich seit 1926 Geschäftsbeziehungen in England. Und das ohne die englische Sprache zu beherrschen.

Es war im Oktober 1926, als sich William Lyons und Emil Frey in London zum ersten Mal begegneten. Obwohl weder Lyons Deutsch, noch Frey Englisch beherrschten, wurde man schnell handelseinig. Motorrad-Mechaniker Frey hatte seinen ersten Importvertrag und durfte fortan Lyons «Swallow Sidecars», stromlinienförmige Seitenwagen aus Aluminium, in der Schweiz vertreiben. Auch für den Engländer war dies der erste Handelsvertrag. Dieser gemeinsame Schritt schien die beiden Geschäftspartner zusammenzuschweissen. Denn aus der Swallow Sidecar Company wurde ab 1931 «SS», ab 1935 schliesslich Jaguar. Aus der kleinen Motorradwerkstatt von Emil Frey wurde mit den Jahren ein grosser Name in der Schweizer Automobilbranche; doch die Zusammenarbeit hatte immer Bestand.

Auch als 1966 Walter Frey die Geschicke der Firma übernahm und nun, nach 92 Jahren Firmengeschichte, noch immer als Verwaltungsratspräsident in der Firma tätig ist. Natürlich gab es in der 90-jährigen Zusammenarbeit mit Jaguar Höhen und Tiefen. Repression, Weltkrieg, Ölkrise: Frey hielt an der britischen Marke fest. «In einem Familienunternehmen lässt sich ein schlechtes Jahr eher verkraften als in einem börsenkotierten Konzern», erklärt Frey. Doch so stellt er auch gleich klar: «Natürlich basiert die Zusammenarbeit nicht nur auf Begeisterung und Enthusiasmus, sondern auch auf kommerziellen Interessen.» So hat man immer einen Weg gefunden, die eleganten Wagen aus England auch für die Schweiz interessant zu machen. Beispielsweise als in den 1970er-Jahren die Qualität zu wünschen übrig liess. Die Mechaniker in Safenwil haben die Autos vor der Auslieferung an die Kunden genauestens geprüft, repariert und eingefahren, sodass der Kunde keine Pannen zu befürchten hatte.

Es ist also nicht zuletzt der Emil Frey AG zu verdanken, dass die Jaguar-Dichte nirgendwo höher ist als in der Schweiz, was man bei der seit Ende September eröffneten Ausstellung im Classic Center Schweiz in Safenwil eindrücklich erleben kann: 76 Exponate zeigen die 90-jährige Geschichte von Jaguar in der Schweiz auf.

Vom Seitenwagen bis hin zum neuen Jaguar F-Pace, dem ersten SUV der Marke. Lediglich zwei der Fahrzeuge wurden für die Ausstellung aus England geholt. Ein gutes Dutzend stammt aus der Sammlung der Emil Frey AG; der Rest wurde von privaten Schweizer Sammlern zur Verfügung gestellt, was zu einer beeindruckenden und einmaligen Zusammenstellung führt: Vom legendären E-Type über die äusserst seltenen D-Type-Rennwagen des schottischen Teams «Ecurie Ecosse» samt passendem Renntransporter bis hin zum XJ220, dem in Kleinserie gefertigten Supersportwagen, der in den 1990ern sogar als schnellster Sportwagen der Welt galt. Kaum ein Meilenstein der Markengeschichte ist in der Ausstellung auf drei Etagen nicht vertreten.

Noch bis zum 23. November kann die Ausstellung im Classic Center Schweiz am Bahnhofplatz 2 in Safenwil besichtigt werden.

Details unter: www.emilfreyclassics.ch