Von aussen deutet fast nichts darauf hin, dass die B-Klasse, welche unseren Test in «Südsee-Blau» absolvierte, keinen Verbrennungsmotor an Bord hat. Einzig der Schriftzug an der Flanke verrät den Stromer. Der Kenner erkennt am Heck den «Batteriekasten», der etwas unter der Heckschürze hervorragt. Sonst ist der Wagen eine typische B-Klasse. Das ist ein Lob. Denn der Innenraum des kompakten Benz ist sehr gelungen, die Ergonomie hervorragend, und auch in Sachen Ausstattung kann man nicht klagen. Auch wenn viele Details zusätzlich Geld kosten – im Testwagen waren Optionen für fast 12 500 Franken verbaut – kann man noch von einer fairen Preisgestaltung sprechen.


Auch wenn der Basispreis von 42'900 Franken deutlich über dem Niveau der Konkurrenz liegt. So gibt es den eGolf von Volkswagen bereits ab 36'700 Franken. Und dies bei ähnlicher Reichweite, ähnlicher Verarbeitungsqualität und ähnlichen Fahrleistungen. Einzig beim Platzangebot liegt die Van-artige B-Klasse etwas vorn. Und für einige wohl auch beim Image. Und eben, der Benz ist deutlich leistungsstärker als der Volkswagen. 132 kW leistet der Elektromotor des Schwaben, zusammen mit dem maximalen Drehmoment von 340 Nm reicht das aus, um locker im Verkehr mitzuschwimmen. Der eGolf bietet dagegen nur 85 kW. Klar ist der Volkswagen das kompaktere und etwas leichtere Auto. Aber auch er wiegt rund 1700 kg, das sind nur rund 80 Kilogramm weniger als die B-Klasse. Doch die Leistungsdaten sind bei Elektroautos in der Regel ja nicht das Haupt-Kaufargument. Es geht darum, lokal emissionsfrei unterwegs sein zu können. Und damit sind wir bei der Reichweite.

Mercedes B-Klasse Electric Drive

Mercedes B-Klasse Electric Drive

Auch in diesem Bereich hat der Mercedes-Benz gegenüber dem elektrisch angetriebenen Golf die Nase leicht vorn. Die Schwaben sprechen von einer realistischen Reichweite von 110 bis 140 Kilometern, das deckt sich mit unseren Erfahrungen während des Tests. Und
er schafft damit die gleiche Reichweite wie der Volkswagen, der wie erwähnt aber bei den Fahrleistungen deutlich unterlegen ist. Um so weit zu fahren, muss man das Auto natürlich erst einmal laden. Das ist heutzutage kein Problem mehr, allerdings dauert es mit einem normalen Hausanschluss (230 Volt) ewig, bis der Daimler wieder die volle Reichweite hat (12 bis 14 Stunden). Es sei also dringend geraten, sich einen 400-Volt-Anschluss montieren zu lassen. Dann ist die B-Klasse am Morgen wieder voll geladen, auch wenn man am Vorabend etwas später nach Hause gekommen ist. Der Anschluss für das Kabel liegt dort, wo ansonsten Benzin eingefüllt wird. Man muss sich also nicht gross umgewöhnen. Im Schnitt verbrauchte der Testwagen rund 19 kWh pro 100 Kilometer, was bei einem Preis von 25 Rappen pro kWh einem Wert von 4,75 Franken an reinen Energiekosten entspricht. Doch das gilt nur, wenn man zu Hause lädt. Wir haben auch einmal «fremdgetankt». Will heissen, wir schlossen den Benz an einer öffentlich zugänglichen Elektroauto-Ladestation bei einem Renault-Händler im Grossraum Zürich an.


Und weil wir für diesen Anbieter kein Abo hatten, mussten wir die Säule mittels Mobiltelefon freischalten. Das klappt ganz einfach, SMS mit der Säulennummer schicken, schon fliesst der Strom. Obwohl wir aber maximal für fünf Franken Strom zapfen konnten, wurden uns pauschal 15 Franken in Rechnung gestellt. Billig ist anders. Es lohnt sich also vor der Anschaffung eines Elektroautos, egal welcher Marke, die Lademöglichkeiten genau zu analysieren und sich auch über die jeweiligen Preise zu informieren. Ansonsten ist die B-Klasse mit Elektroantrieb in unseren Augen voll alltagstauglich. Die bis zu 140 Kilometer Reichweite genügen, um angenehm ins Büro zu kommen und am Abend auch noch einen Abstecher in den Supermarkt zu machen. Und, anders als bei vielen Elektroautos der ersten Stunde, muss man heute kaum noch Abstriche bei Komfort und Ausstattung hinnehmen. Einzig beim Federungskomfort muss man kleine Abstriche in Kauf nehmen. Durch das schwere Batteriepaket im Heck rollt die elektrische B-Klasse nicht so harmonisch ab wie die Modelle mit Verbrennungsmotor.