Leistung satt und eine grosse Reichweite in einem Elektroauto zu vereinen, schaffen derzeit nur die Amerikaner. Dabei kann man mit dem Model S nicht nur schnell und einigermassen weit fahren, man kann auch bis zu vier Personen samt Gepäck transportieren. Trotzdem wird der Tesla (noch) nicht die grosse Revolution zugunsten des Elektroantriebs auslösen. Ein Grund dafür ist – der Preis. Einen Teil der Faszination des Model S macht sicher seine Underdog-Rolle aus. Keiner traut es dem Wagen auf den ersten Blick zu, dass er derart die Wurst vom Brot zieht. In 4,4 Sekunden gehts aus dem Stand auf Tempo auf 100 km/h – da braucht es schon einen anständigen Sportwagen, um dem US-Auto folgen zu können. Einen Teil der Faszination macht sicher auch die nicht vorhandene Geräuschkulisse aus. So viel Schub – aber keine akustische Untermalung – das verwirrt den normalen Autofahrer doch ziemlich. Und es verwirrt auch die Fussgänger, die den Tesla nicht kommen hören. Hier ist grosse Umsicht des Fahrers gefordert.

Kehren wir zurück zu den Fakten. Wie lange fährt denn so ein Tesla? Ganz einfach, solange Strom in den Akkus ist. Und das kann sehr lange sein. Im Durchschnitt reichte die Energie im Stromspeicher aus, um 380 Kilometer zurückzulegen. Dabei haben wir keinerlei reichweitenverlängernde Massnahmen wie Ausschalten der Klimaanlage oder der Heizung vorgenommen. Der Tesla musste genau dasselbe leisten wie konventionell angetriebene Autos. Deshalb haben wir mit ihm auch eine Pässetour gemacht und ihn ausgiebig über die Schweizer Berge gescheucht. Das Resultat: 280 Kilometer sind immer drin, ganz egal, wie hart man das Fahrpedal tritt. Wir finden, dass die Reichweite des Tesla ausreichend ist, egal, wie man ihn bewegt. Voraussetzung ist allerdings, dass man das Modell mit einer Akku-Speicherkapazität von 85 kWh besitzt, und das ist natürlich – nicht das Einsteigerfahrzeug. Man muss schon etwas tiefer in die Tasche greifen. Wobei, wenn man sich die Ausstattung ansieht, sind die 82’200 Franken gar nicht so viel. Allerdings gibts für diesen Preis «nur» 431 PS. Den stärksten Tesla (P85 Performance Plus) gibts ab 112’800 Franken, dafür kann man sich manches Aufpreis-Häkchen gegenüber den anderen Modellen sparen.

Innen geht es sehr nüchtern zu und her. Denn der komplette Verzicht auf Knöpfe und Schalter ist gewöhnungsbedürftig. Alles, wirklich alles wird über den zentralen Touchscreen gesteuert – einzig für das Öffnen des Handschuhfachs hats einen separaten Schalter. Freunde von Smartphones werden sich freuen, wenn sie den Tesla zum ersten Mal von innen sehen – und sie werden sich auch zu helfen wissen, wenn die grosse Anzeige schwarz bleibt, wenn man fahren möchte. Mit dem Druck auf die beiden Scroll-Rädchen am Lenkrad startet das System neu auf. Wir mussten diese Funktion in einer Woche drei Mal nutzen. Wie gesagt, es funktioniert – wenn es läuft – wirklich nahezu perfekt. Schon fast beängstigend gut.

Noch ein Wort zum Laden. Das dauert mit einem konventionellen Hausanschluss – gefühlte drei Wochen. Eine Wallbox – mit den entsprechenden Installationskosten – ist also Pflicht. Bei uns hat es selbst mit dem grossen Kabel fast zehn Stunden gedauert, bis die komplett leeren Zellen wieder gefüllt waren. Und es gibt ja auch zwei Schnellladestationen in der Schweiz. Und der Tesla-Fahrer wird sich freuen, dass der Strom dort für sie kostenlos ist. Eine halbe Stunde soll es dauern, bis die Ladeanzeige wieder 80% anzeigt. Tesla ist der Spagat zwischen Faszination, Alltagstauglichkeit und Elektromobilität eindrücklich gelungen.