Fast eine Stunde vor der ersten Hochrechnung des Schweizer Fernsehens wurden bei Telebasel die ersten Gläser mit Weisswein und Prosecco gefüllt. Denn nach Auszählung der ersten Aargauer und Baselbieter Gemeinden war schon klar: Die "No Billlag"-Initiative hat keine Chance. Das Basler Lokal-TV hatte am Sonntag Vertreter von Radio X und der SRG Region Basel - die Partner im Kampf gegen das Volksbegehren - sowie einige Mitglieder des annähernd 250-köpfigen regionalen Abstimmungskomitees zum Umtrunk geladen.

Als dann Punkt 13 Uhr klar war, dass die Initiative, die für diese regionalen Medien fatale Folgen gehabt hätte, überaus deutlich abgelehnt wird, brachen die Besucherinnen und Besucher nicht etwa in laute Jubelschreie aus. Die Freude war eher verhalten, die Erleichterung aber mit Händen greifbar. 

Persönliche Betroffenheit zählte

Niggi Ullrich, Präsident der SRG Region Basel, sprach von einem "Aufstand der Zivilgesellschaft". Es habe weniger eine Rolle gespielt, was in Bern genau beschlossen worden sei, als die persönliche Betroffenheit. Auch die Jungen, gemäss Ullrich auch beruflich stark an den Medien interessiert, hätten gemerkt, dass ein Ja ihnen geschadet hätte. Und viele jener Menschen, die am Anfang Sympathien für die Initiative gehegt hätten, "haben mit der Zeit gemerkt, um was es wirklich geht". 

Dazu beigetragen hat sicher der grosse Effort, den die - nichtredaktionellen - Verantwortlichen der betroffenen Medien geleistet haben. Flyeraktionen früh am Morgen, viele Veranstaltungen und noch mehr Gespräche mit Bürgerinnen und Bürgern. "Wir sind zusammen in den Kampf gezogen", sagte Tele-Basel-Stiftungsratspräsident Roger Thiriet in seiner kurzen Ansprache. Der "Service public régional" sei nun gerettet. Die so deutlich nicht erwartete Ablehnung der Initiative sei auch eine "deutliche Zustimmung zu unserer Arbeit". Heute beginne ein "neues Zeitalter".

Doch Grenzen für die SRG

Dieses wird allerdings noch stärker als zuvor vom Wettbewerb unter den eben noch gemeinsam kämpfenden Anbietern geprägt werden. Für Thiriet ist klar, dass der SRG nun Grenzen gesetzt werden müssen. Zum Beispiel mit Werbebeschränkungen. Denn: "Eigentlich stehen wir in Opposition zur SRG." Diese müsse sich nun sehr gut überlegen, wie sie künftig vorgehen wolle. Klar ist gemäss Thiriet nur, dass die SRG "nicht mehr dieselbe sein wird, die sie war".

Davon geht auch Ullrich aus. Er ist überzeugt, dass die neue Generation von Führungskräften unter anderem die Annäherung an die privaten Verleger gelinge. Zudem werde das Budget auf 1,2 Milliarden plafoniert, was zusammen mit den sinkenden Werbeeinnahmen Einsparungen von bis zu 120 Millionen Franken nach sich ziehe. Vor allem aber ist Ullrich über die klare Ablehnung der "No Billag"-Initiative in den beiden Basel froh. Alles andere wäre für Basel als neuer Standort der SRF-Kulturabteilung ein schlechtes Zeichen gewesen. 

Thomas Jenny, Geschäftsleiter von Radio X, ist ganz einfach glücklich, dass der Betrieb des Senders, der auch Integrationsprojekt ist, weitergeführt werden kann. Jenny geht sogar davon aus, künftig mehr Geld aus dem Billag-Topf zu erhalten, da der Anteil für die Privaten nun steigen werde. Ansonsten ist er bereits in der Transformation von der "Kampf- zur Feststimmung". Radio X wird in ein paar Monaten 20 Jahre alt.