Basel steht vor dem grössten baulichen Entwicklungsschub seit hundert Jahren. 113 Hektaren Land – was der Fläche des Gundeldinger-Quartiers entspricht – in Form von Transformationsarealen stehen zur Entwicklung bereit. Aus Industriebrachen werden Wohn- und Arbeitsquartiere der Zukunft. «Braucht es für diese Entwicklung ein Gesamtkonzept über den ganzen Stadt- und Kantonsperimeter?», fragte das Beratungsunternehmen Ecos und lud am Montagabend im Schweizerischen Architekturmuseum zur grossen Debatte mit Politikerinnen, Kantons- und Wirtschaftsvertretern.

Für Gastgeber Andreas Ruby ist die Entwicklung dieser Areale «einer der zentralsten Fragen für die Entwicklung von Basel». Für die Stadt und den Kanton seien die 113 Hektaren «ein Geschenk, um das uns viele Städte beneiden». Das Geschenk müsse Basel aber annehmen und gut nutzen. Dies sah auch der Basler Stararchitekt Pierre de Meuron in seinem Input-Referat so: «Für Basel sind diese Areale eine Chance, die man nutzen sollte.» So könnte Basel für die Schweiz und sogar für Europa zum Modellcharakter werden.

Für de Meuron braucht es für die Entwicklung der Transformationsareale kein Gesamtkonzept im Sinn eines Gesamtplans: «Es braucht Maximen und Leitsätze und die Frage, in welche Richtung sich Basel und diese Areale entwickeln sollen.» Jedes Areal habe seine spezifischen Charakteristiken, auf die eingegangen werden müsse. Wenn möglich sollen auf einem Areal immer mehrere Aktivitäten stattfinden können. Wohnen, Arbeiten, Einkaufen und Bildung gehören gemäss Pierre de Meuron dazu. Dabei müsse immer das Dreieck der zentralen Akteure des Soziologen Lucius Burckhardt «Mensch-Politik-Umwelt» beachtet werden. Für de Meuron ist auch klar, dass die Gedankengänge nicht an den Kantonsgrenzen enden dürfen. «Eine metropolitanregionale Betrachtung ist notwendig.»

In der anschliessenden Podiumsdiskussion waren sich auch alle einig, dass die Entwicklung dieser Transformationsareale für die Zukunft Basels von grosser Bedeutung ist. Doch während Stadtentwickler Lukas Ott und Kantonsbaumeister Beat Aeberhard wie Pierre de Meuron die Durchmischung der Areale als Idealzustand betrachten, haben Martin Dätwyler, Direktor der Handelskammer beider Basel, und Nadine Gautschi, Vizepräsidentin der FDP Basel-Stadt, daran Zweifel. «Mischnutzung hat Grenzen», mahnte Gautschi. «Es gibt gewisse Unverträglichkeiten, die man nicht wegdiskutieren kann. Lärm- und dreckintensives Gewerbe ist mit Wohnen nicht vereinbar, auch weil die Bevölkerung immer empfindlicher wird.»

Lukas Ott sieht dafür in der «Nutzungsverdichtung» eine mögliche Lösung. Mehr Arbeitsplätze auf gleichem Raum, so sein Credo. Für den Stadtentwickler macht es auch keinen Sinn, Areale langfristig für gewisses Gewerbe zu fixieren, da sich die Wirtschaft stetig entwickle und verändere. Es war spürbar: Wie bei Grossrätin Barbara Wegmann vom Grünen Bündnis hat der Wohnungsbau auch bei den beiden Kantonsangestellten Priorität. Auch, weil in den vergangenen Jahren vor allem die Wirtschaft gewachsen ist. Nur wie das Wohnen bezahlbarer gemacht werden kann, darüber erhielten die Zuhörer im voll besetzten Saal des Architekturmuseums keine finale Antwort.