Inlandarbeiten schreiben sie sich gross auf die Fahne. Deswegen organisiert die Regionalstelle des Hilfswerks der Evangelischen Kirchen Schweiz (Heks) in Basel und Baselland verschiedene Projekte. «Wir sind nicht bloss eine Aussenstation, wie viele meinen, sondern kümmern uns um die operative Arbeit in der Schweiz», sagt Christian Plüss, Leiter der Regionalstelle beider Basel. Gegründet wurde diese am 1. Juli 1982. Der Hauptsitz in Zürich hingegen überwacht die Entwicklungszusammenarbeit, die humanitäre Hilfe und die Gesamtführung des Hilfswerks.

Überwiegend Migrationsarbeit

Seit 33 Jahren arbeitet Plüss für das Heks, seit 1989 ist er der Leiter der Regionalstelle. Damit ist er das beste Beispiel für eine Basler Besonderheit: «Wir haben viele langjährige und sehr loyale Mitarbeiter», sagt Plüss lachend. An Basel seien auch die Projekte besonders: Nur eines richtet sich an sozial schwache Schweizer - das betreute Wohnen für Suchtkranke. Die restlichen Dienstleistungen des Heks in der Region sind ausschliesslich für Migranten. «Speziell an unseren Projekten in Basel ist, dass sie auf lange Zeiträume konzipiert sind.» Ganz einfach ist die Situation zum Jubiläum nicht, wie Plüss sagt. «Die Anforderungen an uns sind weiter gewachsen.»

Unterstützungen sinken

Zwar sei die finanzielle Situation stabil, da das Heks über die Hälfte seiner Einnahmen durch Dienstleistung selbst verdient. Dazu gehören zum Beispiel Übersetzungsdienste und die Wohnbegleitungen. Doch die Stiftungsbeiträge gingen zurück, verständlich wegen der Finanzkrise, findet Plüss. «Viele Stiftungen zahlen ihre Beiträge aus Anlagezinsen - wenn diese wegfallen, wird der Betrag kleiner. Ebenso wie die Zahlungen der evangelischen Kirche. «Die Kirche leidet unter dem Mitgliederschwund, die Austritte wirken sich auf die Kirchensteuer aus.» Dies wiederum merke das Heks ihrerseits bei den Zuwendungen. «Doch obwohl unsere finanzielle Lage nur gering schwankt, ist es bei steigenden Ansprüchen schwierig, allen gerecht zu werden», sagt Plüss. «Wir versuchen, diesen Umständen mit viel Engagement beizukommen.» Er schätzt dank seiner Erfahrung die Situation heute realistisch als Herausforderung, aber nicht als dramatisch ein.

Aufgaben verschieben sich

«Wir hatten natürlich auch schwierige Phasen», meint er. Besonders schwer gefallen sei ihm, als 1994 der Kanton Basel Stadt die Wohnhilfe für Asylsuchende übernahm. Damals mussten 17 Mitarbeitende entlassen werden. «Natürlich erleben wir immer wieder, dass sich unsere Aufgaben verschieben.» Allerdings: Bisher konnte in Basel noch kein Projekt aufgelöst werden, weil es keinen Bedarf mehr danach gab. «Gerade kürzlich hat die Anlaufstelle für Sans-Papiers eine Stelle von uns übernommen», sagt Plüss. Dabei handelt es sich um die Gesundheitsberatung für Sans-Papiers, die dank eines grosszügigen Beitrages durch eine Stiftung an die Anlaufstelle übertragen werden konnte.

Eine grosse Herausforderung sieht Plüss heute im Asylverfahren und in der Angst der Schweizer vor Migranten. «Natürlich verstehe ich die Angst vor Konkurrenz, vor allem bei sozial benachteiligten Menschen.» Allerdings müssten die Schweizer lernen, dass sie ihre Heimat nicht an Migranten verlieren. «Unsere Wurzeln sind in der Schweiz. Wir müssen jetzt lernen, das Land zu teilen.» Für die Zukunft der Regionalstelle beider Basel wünscht er sich, dass diese ihre Aufgabe möglichst gut weiter bewältige. «Wir werden einen wachen Blick behalten für die Entwicklungen, regional und global.»

Eine gewisse Dringlichkeit sieht er im demografischen Wandel. «Viele Migranten, die um 1980 in das Land kamen, sind jetzt in einem Alter, in dem Altersheime Thema werden.» Hier wird in Zukunft eine vermehrte Zusammenarbeit nötig sein zwischen den Fachkräften im Bereich Alterspflege und den Migrationsorganisationen, sagt Plüss. So können die Erfahrungen, die das Heks hat, genutzt werden.