Kriminalkommissär Peter Gill hat schon einiges erlebt. Doch diesen Fall bezeichnet auch der Sprecher der Basler Staatsanwaltschaft als «furchtbar, absolut gravierend». Ein siebenjähriger Knabe ist am Donnerstag Mittag auf dem Heimweg unweit vom Schulhaus Gotthelf niedergestochen worden. Er war um etwa 12.30 Uhr alleine auf dem St. Galler-Ring unterwegs und wurde plötzlich von einer unbekannten Person angegriffen und lebensgefährlich verletzt.

«Der Knabe lag schwer verletzt auf dem Trottoir, als seine Klassenlehrerin auf dem Velo vorbeigefahren ist und das Kind entdeckt hat», sagt Gill. Weitere Passanten kamen zur Hilfe. Sofort wurden die Rettungsdienste alarmiert. Doch die Hilfe kam zu spät: Der Notarzt und die Sanität versuchten über einen längeren Zeitraum, das Kind zu reanimieren. Dieses wurde anschliessend in die Notfallstation des Universität-Kinderspitals eingewiesen und notoperiert. Wenig später erlag der Junge aber seinen schweren Verletzungen.

75-Jährige wird einvernommen

Die Basler Polizei leitete sofort eine Fahndung ein. «Passanten hatten eine ältere Frau beobachtet, die sich vom Tatort entfernt hat», sagt Gill. Die Suche nach der mutmasslichen Täterin sei erst richtig angelaufen, als sich wenig später eine 75-jährige Schweizerin an der Porte der Staatsanwaltschaft im Waaghof stellte und dort den Beamten erklärte, dass sie das Kind angegriffen habe. Die Frau wurde sofort festgenommen und wird nun von der Staatsanwaltschaft einvernommen. Sie dürfte anschliessend in Untersuchungshaft genommen werden.

Spezialisten betreuen Schüler

Der Grund des Angriffs und der Tathergang sind noch nicht geklärt. Einiges aber scheint auf das Delikt einer verwirrten Person hinzuweisen. Die Basler Staatsanwaltschaft will sich jedoch nicht auf Spekulationen einlassen. Die Kriminalpolizei sowie das Institut für Rechtsmedizin ermitteln. Die Kriminalpolizei der Staatsanwaltschaft sucht Zeugen.

Die Tat sorgte für grosse Betroffenheit. Auf dem Trottoir wurden Blumen niedergelegt. Die Schule hat Massnahmen eingeleitet, um die Kinder betreuen und die Fragen der Eltern bestmöglich beantworten zu können. «Die Lehrpersonen werden mit Spezialisten vom schulpsychologischen Dienst in die Klassen gehen und die Tat mit den Kindern thematisieren», sagt Simon Thiriet, Sprecher des Erziehungsdepartements. «So traurig es klingt – man muss versuchen, ein stückweit Normalität herzustellen, um den Schülerinnen und Schülern Halt zu geben.» (dba/hys)