Der Basler Zolli ist auf den Leitgedanken Erholung, Forschung, Bildung und Naturschutz aufgebaut. Das soll auch beim Ozeanium so bleiben. Deshalb lehnten Verwaltungsrat und Direktion mehrere Angebote von privaten Investoren ab, die sich finanziell am geplanten Grossprojekt an der Heuwaage beteiligen wollten.

Der Zolli, betonte Verwaltungsratspräsident Martin Lenz am Dienstag, wolle beim Ozeanium nicht Amortisationszwängen von Investoren unterliegen, sondern weiterhin nach den Leitgedanken und zum Wohle der Tiere handeln. Dies funktioniere nur mit Geldern, auf die keine Rückzahlung und Renditen nötig sind. Unter anderem bot eine Schweizer Kinokette ihre finanzielle Unterstützung an, um ihr eigenes wirtschaftliche Standbein zu erweitern.

Auch ohne Investoren läuft der Geldfluss für das Ozeanium: 57 von den für den Bau nötigen hundert Millionen Franken hat der Zolli bereits zusammen. 35 Millionen Franken davon sind explizit an das Ozeanium zweckgebunden. Lenz ist überzeugt: Wenn der Zoo Basel das Ozeanium nicht baut, würde es jemand anderes in Mitteleuropa und womöglich sogar im Schweizer Mittelland tun. «Am ehesten eben ein privater Investor, der andere Interessen verfolgt als wir und nicht das Tierwohl im Zentrum stehen hat.» 

Zürcher scherzen über Zolli

Das Ozeanium sei ein notwendiges Mittel, damit der Zolli den Anschluss an die Topliga der europäischen Zoos nicht verliere, unterstrich Martin Lenz dessen Notwendigkeit. Der Basler Zoo habe aufgrund seiner Lage inmitten der Stadt ganz andere Voraussetzungen als andere Zoos. Der Platz ist beschränkt, eine Erweiterung ist nur schwer möglich.

Eine Bespielung der Schutzmatte auf der gegenüberliegenden Seite des Dorenbachviadukts liege in weiter Ferne. Realistischer ist da eine Erweiterung auf dem bestehenden Zooparkplatz, wenn das vom Zolli gewünschte und vom Ozeanium unabhängige unterirdische Parkhaus für 350 Plätze unter dem Erdbeergraben kommt.

Der Zolli wolle nicht wachsen, um mehr Tiere zu halten, sondern um den Bestehenden mehr Platz zu bieten. «Wir verlieren an Attraktivität, weil wir unter anderem durch die grösseren Anlagen immer weniger Tiere haben», warnt Martin Lenz. «Wir werden von links und rechts überholt. Wir brauche das Ozeanium als Vorzeigeobjekt.» So hätten die Verantwortlichen des Zürchers Zoos den Baslern lakonisch mitgeteilt, dass sie nur mit dem Ozeanium wieder in deren Liga spielen würden.

Geringe Sterblichkeit auf Transport

Mit 500'000 bis 700'000 Besuchern rechnet der Zolli fürs Ozeanium pro Jahr. Der geplante Eintritt von rund 18 Franken sei im Vergleich zu ähnlichen Grossaquarien in Europa sehr tief. Die laufenden Betriebskosten kann das Ozeanium selber decken.

Zwei Drittel des Bauvolumens verläuft unterirdisch. Dies spart zusätzlich Energie, weil der Verbrauch im Erdreich tiefer ist als oberirdisch. Einmal im Jahr wird das Wasser der Becken – das grösste beinhaltet 2,5 Millionen Liter – in einem kontinuierlichen Prozess ausgetauscht. Den grössten Wasserverbrauch haben aber nicht die Aquarien, sondern das Restaurant, betont Lukas Stutz, Verwaltungsrat und Leiter Fachgruppe Bau und Gestaltung. Gerade im Bereich Energie werde vieles unternommen, um den Verbrauch möglichst tief zu halten.

Für Zolli-Direktor Olivier Pagan ist das Ozeanium «eine Antwort auf ein Geschehen». Damit meint er die abnehmende Biodiversität in den Weltmeeren. Mit dem Ozeanium würden die Besucher auf die Tiere und deren bedrohten Lebensräume aufmerksam gemacht und für sie begeistert.

Er entgegnete auch «Behauptungen», wonach ein Grossteil der Fische beim Transport sterben würden. «Die immer wieder korrigierten Zahlen der Gegner sind aus der Luft gegriffen. Wir betreiben seit 1970 das Vivarium. 1,5 Prozent der Fische haben auf dem Transport ein Problem.» Als wissenschaftlicher Zoo würde der Zolli laufend von Behörden kontrolliert.

Über den Bebauungsplan für das Ozeanium wird im Mai abgestimmt. Olivier Pagan macht sich keine Sorgen, dass die gleichzeitig stattfindende Abstimmung über den Neubau des Naturhistorischen Museums und des Staatsarchivs das Abstimmungsresultat des Ozeaniums negativ beeinflussen könnte. Bis zur Abstimmung führt der Zolli mehrere Informationsveranstaltungen für die Öffentlichkeit durch. Die erste davon findet am Donnerstag um 18 Uhr statt.