In Riehen sorgt die Schliessung der beliebten Coop-Filiale an der Lörracherstrasse für viel Aufregung und Unverständnis. Die Anwohner können hier nur noch bis Ende Dezember einkaufen. Der Grund: Die bestehende eingeschossige Liegenschaft wird abgerissen. An ihrer Stelle entsteht ein Mehrfamilienhaus.

Mit dem Richtplan für die Quartierentwicklung von 2011 setzte sich der Gemeinderat das Ziel, die Attraktivität der Lörracherstrasse zu erhöhen. Laut Christian Heim, Vorstandsmitglied des Neutralen Quartiervereins Riehen Nord, wird aber genau dieses Ziel nun vernachlässigt: «Es ist absurd, dass von Aufwertung gesprochen wird, dann aber der beliebteste Laden im Quartier schliessen muss.»

Heim erzählt von dem Treffen zwischen dem Gemeinderat und dem Quartierverein, an dem das Neubauprojekt an der Lörracherstrasse geplant wurde: «Damals sprachen wir über ein Provisorium der Filiale während der Bauzeit. Niemals war die Rede davon, dass Coop die Filiale schliesst», sagt er.

Ursprünglich haben die Eigentümer die neue Liegenschaft im April 2017 mit einer Verkaufsfläche im Erdgeschoss geplant. Anfang November nun die Überraschung: Auf die Verkaufsfläche im Erdgeschoss wird verzichtet. Eigentümerin der Liegenschaft ist die Firma Fiducasa AG mit Sitz in Vaduz, Liechtenstein. Die Firma beschäftigt sich mit dem Handel und der Verwaltung von Immobilien.

Aufwertung wurde versprochen

Der Gemeinderat hat laut Heim damals versprochen, mit dem Eigentümer und Coop Kontakt aufzunehmen. «Scheinbar ist das nicht passiert.» Im Einwohnerrat wird Heim deshalb in den nächsten Tagen eine Interpellation einreichen. Gemeinsam mit dem Quartierverein fordert er den Gemeinderat dazu auf, Massnahmen zu ergreifen, um einen Ersatz für die Filiale zu finden.

Das allerdings scheint schwierig zu werden. Coop zumindest gibt an, weder in dem geplanten Neubau noch in einer anderen Liegenschaft in Riehen eine neue Filiale eröffnen zu wollen. Als ausschlaggebenden Grund nennt Sprecher Markus Eugster die Sonntagsöffnung. Mit dem Abriss und Neubau der Liegenschaft entfällt die entsprechende Bewilligung. Für die wirtschaftliche Rentabilität der Filiale sei der Betrieb an den Sonn- und Feiertagen aber notwendig. Um eine Bewilligung für den Neubau zu erhalten, müsste ein Gesuch eingereicht werden. Laut Eugster sei eine Bewilligung aber ohnehin nicht möglich: «Die Sonntagsöffnung wäre nicht bewilligungsfähig», sagt er. Deshalb wird Coop die Filiale an der Lörracherstrasse ersatzlos schliessen.

Widersprüchliche Aussagen

Laut dem Eigentümer der Liegenschaft habe Coop gemeinsam mit dem Gemeinderat vor eineinhalb Jahren ein entsprechendes Gesuch beim Kanton eingereicht. Michael Mauerhofer, Mitglied der Geschäftsleitung beim Amt für Wirtschaft und Arbeit (AWA), kann das nicht bestätigen. «Bisher ist mir nicht bekannt, dass Coop für die Filiale in Riehen ein Gesuch für Sonntagsöffnungszeiten beantragt hätte.»

Grundsätzlich würde das AWA Familienbetrieben ein solches aber bewilligen, ihre Läden an Sonn- und Feiertagen zu öffnen. Mit den Coop-Pronto-Filialen, die Familienunternehmen im Franchise-System für Coop führen, betreibt das Unternehmen schon seit einigen Jahren Läden, die an Sonn- und Feiertagen geöffnet haben. «Man kann also nicht pauschal sagen, dass eine Bewilligung der Sonntagsöffnungszeiten in diesem Fall nicht möglich wäre», sagt Mauerhofer.