Bereits stehen die Wohnwagen samt WC-und Duschcontainern auf dem ersten offiziellen Standplatz für Fahrende in Basels Geschichte. Noch werden auf dem Areal neben dem Bahnhof St. Johann zwar Leitungen verlegt und auch mit dem Strom klappt es noch nicht so richtig, doch Andreas Geringer vom Verband der Sinti & Roma Schweiz lässt sich die Freude nicht nehmen. Auch die Tatsache, dass der zusammen mit dem Präsidialdepartement geplante «temporäre Durchgangsplatz für Fahrende» – so die offizielle Wortwahl, von 750 Quadratmetern um rund 100 Quadratmeter verkleinert wurde, vermag seinen Enthusiasmus nicht zu schmälern.

Grund für die Verkleinerung der Standfläche ist ein Grünstreifen zwischen einer asphaltierten Industriebrache und der Entenweidstrasse. Dieser von Eisenbahnschotter durchzogene Streifen beherbergt laut dem kantonalen Inventar der schützenswerten Naturobjekte seltene Insekten, Reptilien, Flechten und Gräser. Die Intervention zur Verkleinerung sei von der Stadtgärtnerei aus erfolgt. Wie Marc Keller, Sprecher des Bau- und Verkehrsdepartements (BVD) schon vergangene Woche gegenüber der bz erwähnte, sei die Stadtgärtnerei von dritter Seite informiert worden, dass auf dem Areal schützenswerte Tiere und Pflanzen lebten. Diese dritte Seite habe auch mit der Einsprache gedroht. Die Stadtgärtnerei habe «nur vermittelt».

Pro Natura: Keine Einsprache

Bei wem es sich nun bei dieser ominösen «dritten Seite»? Beim BVD schweigt man sich darüber aus. Eigentlich liegt die Vermutung nahe, dass es sich dabei um die Pro Natura handelt. Schliesslich hatte eine Intervention der Naturschützer im vergangenen Jahr dazu geführt, dass Fahrende einen inoffiziellen Standplatz auf dem Gelände des alten Rangierbahnhofs der Deutschen Bahn verlassen mussten. Genau wie der Grünstreifen im St. Johann ist auch dieses Gelände im Naturschutz-Inventar des Kantons verzeichnet.

Pro-Natura-Geschäftsleiter Thomas Schwarze stellt allerdings klar, dass seine Organisation wegen des Standplatzes im St. Johann keine Einsprache erhoben habe. «Wir haben zwar gesagt, wir würden eine Einsprache prüfen, weil die Kiesfläche im kantonalen Inventar der schützenswerten Naturobjekte verzeichnet ist. Nach einem Augenschein vor Ort haben wir aber darauf verzichtet. Der schmale Grünstreifen ist am Rande des Areals gelegen, von Asphalt umgeben und wird sowieso bald überbaut», sagt Schwarze.

Zwischennutzung bis Mitte 2017

Ob aber ebendiese Intervention zum raschen Einlenken der Stadtgärtnerei geführt hatte, ist nach wie vor nicht klar. Denn das BVD lässt dem verhinderten Einsprecher den gleichen Persönlichkeitsschutz angedeihen, als ob die Einsprache tatsächlich erfolgt wäre. In der Tat handelt es sich beim provisorischen Durchgangsplatz für Fahrende nur um eine Zwischennutzung bis Sommer 2017. Danach sollen hier der Neubau des Naturhistorischen Museums Basel und des Staatsarchivs hinkommen. Diese grossen Projekte wären durch eine strikte Auslegung des Naturschutzes gefährdet. Eine Überbauung sei grundsätzlich möglich, wenn für das geschützte Stück Natur Ersatz geschaffen werde. Dem stimmt auch Jost Müller Vernier zu, der Geschäftsführer des WWF der Region Basel. Auch der WWF habe darum auf eine Einsprache gegen den Standplatz der Fahrenden verzichtet. Auch bei der Ökostadt Basel weiss man nichts von einer Einsprache.

Jetzt laufe ein Verfahren, das die verfassungsmässig verbrieften Rechte der Fahrenden mit den Anforderungen des Naturschutzes vereinbaren soll, sagt BVD-Sprecher Marc Keller. Erst danach werde eine Baubewilligung erteilt. Auch ohne Bewilligung sei aber der am 1. April eröffnete provisorische Durchgangsplatz legal. Bis zu einem halben Jahr dürfe der Platz auch ohne Baugenehmigung funktionieren. Man sei zuversichtlich, dass bis dann die Angelegenheit zur beidseitigen Zufriedenheit geregelt sei, heisst es seitens des BVD. Und im Sommer 2017 soll dann der definitive Standplatz an der Friedrich-Miescher-Strasse fertig sein.