Rädäbäm. Der Abend beginnt, unvermittelt und laut. Tambour Ivan Kym und Pfyffer Sebastian Meyer schreiten in den Keller des Theaters Fauteuil hinunter. Im Schlepptau das sechsköpfige Pfyfferli-Ensemble, bekleidet als Troubadours. Die Basler Schauspieler verteilen sich neben und auf der Bühne und fordern sängerisch vom Publikum mit dem Prolog «Loosed zue!» ein, nicht wegzuhören.

Was passierte in Basel, Bundesbern und im Ausland, ein Rundumschlag über das vergangene Jahr. Morin braucht es nicht, Brutschin gibt es nicht, im Theater Basel bäckt neu der Deutsche Beck, kommen sie zum Schluss. Der Blick auf Syrien oder die rechtspopulistische Organisation Pegida hat die «Tagesschau» dominiert. Die Welt ist nicht schön, vermittelt das Ensemble dem Publikum. Und das mit Sprachkunst, mit Pointen, die sitzen, aber immer wieder untermalt mit einer bedrückenden Ernsthaftigkeit.

Die Autoren des diesjährigen Pfyfferli haben sich nämlich kurzfristig dem Weltgeschehen angepasst und ihre Texte wegen des Terroranschlags in Paris vom 13. November umgeschrieben. Dies erzählte Produzentin Caroline Rasser vor einigen Wochen den Medien.

Das Lachen geht nicht verloren

Und so ist es geschehen: «Y bi scho länger do» ist eines der Raamestiggli, das unter die Haut geht. Salomé Jantz, Myriam Wittlin und Charlotte Heinimann sitzen in einem Pariser Bistro. Die drei haben jahrhundertelang die Hauptstadt Frankreichs beobachtet und lassen diese Revue passieren. Ihr Kellner David Bröckelmann ist ein Franzose, ein Migrant, der in einem Pariser Vorort wohnt. Er hasst seinen Bruder, der als einer der Attentäter identifiziert wurde – hat aber keine Freunde mehr. Auch dieses Stiggli zeigt viel Witz und Ironie, immer begleitet von tiefer Trauer.

Doch Schluss mit Trübsalblasen. Denn im Pfyfferli 2016 gibt es für das Publikum viel zu lachen. Ein älterer Herr aus dem Daig, gespielt von Urs Bihler, versucht im Tram einem Rotzbengel die alte Basler Geschichte vom Dalbanees näherzubringen. Von der Familie Sarasin-Bernoulli, vom Grossrat Bolli oder der Jungfer aus der Ochsengasse. Wenn man als Jungfer dort lebe, habe man wohl etwas falsch gemacht, meint Roland Herrmann platt dazu.

Aus dieser Szene heraus entsteht die erste sängerische Solo-Einlage von Charlotte Heinimann. Berührend bezeichnet sie sich als alte Schachtel, die es auf dieser Welt eigentlich nicht mehr braucht. Doch als Fasnächtlerin verkörpere sie charmant die «Alti Dante», die es auch nicht mehr braucht, aber es schön ist, dass es sie gibt.

Natürlich bekommen auch die Basler und Baselbieter Politiker ihr Fett weg. Im Vergleich zu den anderen Jahrgängen aber wenig. Regierungsrat Hans-Peter Wessels, den es am Premierenabend vom Freitag schüttelte vor Lachen, ist jedoch eine ganze Nummer gewidmet. Seine verkehrsfreie Innenstadt mit ihren Mängeln ist das Thema. «Mir maches wie dr Hans-Peter», singen die Einen zu der Melodie von Queens Superhit «Bicycle», oder «Mir maches wie dr Morin Guy und fahre eifach hindedri», die Anderen. Das Lied führt schliesslich zur Pointe: «Wär wählt denn nur dr Hans-Peter?!»

Neues Münster von HDM

Oder dann der junge Velokurier, spritzig gespielt von Herrmann. Er bringt den Baselbietern griechischen Salat vorbei, Anita Fetz das Billett für die nächsten vier Jahre sowie Herzog und de Meuron die Pläne für das neue Münster. Dann jedoch betreten die Schugger die Bühne und unterbrechen kurzum den Solo-Auftritt des Kuriers. Sie freuen sich, Bussen verteilen zu können. Nach der Pause ist derselbe Velokurier ein älterer Herr geworden, der sich nicht mehr alleine aufs Fahrrad schwingen kann. Hauptsache, es steht alles still, ist dessen Fazit.

Brillant sind die Schnitzelbängg «Dr Spitzbueb» und «Dr Heiri», beide Garanten für treffende Pointen. Ersterer steuert schnörkellos auf sein Ziel zu. Zum Beispiel werde der Zirkus Knie ins Baselbiet verbannt – als habe es dort nicht bereits genug Clowns. Sepp Blatter oder auch Christoph Mörgeli müssen dranglauben. Doch auch beim «Spitzbueb» und beim «Heiri» wird den Regierungsräten der Region wenig Beachtung geschenkt.

Die Cliquen schliesslich spielen auf hohem Niveau. Die Pfyffer der «Barfiessler & Bajass» sowie die Tambouren «Chriesibuebe» zeigen, was sie auf dem Kasten haben. Im Epilog dann wird der Prolog beendet mit «Lueged zue!», was an der Fasnacht passiert.

Alles in allem zeigt das Ensemble im Pfyfferli 2016 eine grosse Leistung. Caroline Rassers Ankündigung, dieses Jahr mehr auf Gesang zu setzen, waren keine leeren Worte. Das Publikum kann sich auf die nächsten Vorstellungen freuen.

Bis 14. Februar nur noch vereinzelt Billette im Verkauf.