Der Bedenkenträger hat sich zum glühenden Verfechter gewandelt. Andrea Bignasca, Direktor des Basler Antikenmuseums, ist begeistert von der Absicht der Basler Regierung, sein Museum vom St. Alban-Graben in das klassizistische Bauwerk von Melchior Berri an der Augustinergasse zu verlegen.

Bignasca entwirft bereits Konzepte, wie der ursprüngliche Skulpturensaal im zweiten Obergeschoss rekonstruiert oder der neu überdachte Innenhof mit freiem Eintritt belebt werden kann.

Dabei wird am Fuss des Münsterhügels noch mindestens zehn Jahre Wasser den Rhein herunterfliessen, bis der Umzug stattfinden kann. Zuerst muss für das Naturhistorische Museum für über 200 Millionen Franken eine neue Bleibe im St. Johann bewilligt und gebaut werden. Anschliessend muss der weiterhin asbestbefrachtete Prachtbau umfassend saniert, klimafest gemacht und erdbebenertüchtigt werden. Wohl weitere 100 Millionen Franken werden bis dann realistischerweise verbaut sein, bis Bignasca sein neues Museum am alten Ort eröffnen kann.

Denn, als 1849 das Museum an der Augustinergasse eröffnet wurde, waren dort nicht nur die Objekte des Naturhistorischen Museums versammelt. Im Obergeschoss waren ein Antikensaal und die grosse Gemäldesammlung untergebracht. Im Erdgeschoss das Physikalische Institut samt Hörsaal. Dazu die mittelalterliche Sammlung, der Grundstock des Historischen Museums. Zudem die universitäre Bibliothek.

Die Antikensammlung hatte einen schweren Stand. Während andere Städte bereits fleissig Gipsabgüsse klassischer Skulpturen ausstellten, wurde in Basel zuerst der Saal bereitgestellt. Zwei Jahre nach Eröffnung konnte die Baukommission immerhin feststellen, er sei nun «wenigstens einigermassen bevölkert». Die «mit über ein Dutzend der schönsten Gruppen und Statuen» würde sich nun «stattlich ausnehmen».

Das Museumsprojekt, dem das einstige Augustinerkloster zum Opfer fiel, war von Bürgern initiiert, denen ein «Tempel des Apollo» vorschwebte. Architekt Berri widmete ihn in einem politischen Akt eigenmächtig um zum «Tempel der Basilea».

Berri setzte die Basiliea, die allegorische Frauenfigur einer Stadtpatronin, die sich im 17. Jahrhundert ausgebildet hatte, auf das zentrale Fries über dem Haupteingang. Er machte damit das Museum zum Symbol für ein starkes stadtrepublikanisches Selbstbewusstsein. Doch wie die Stadt ihre Basilea allmählich durch die Helvetia verdrängen liess, verabschiedeten sich die einzelnen Abteilungen aus dem Kultur- und Wissenstempel und bezogen eigene Kulturhäuser.

Das Ultimatum der Politik

Nach der Abgrenzung des Museums der Kulturen verblieb einzig das Naturhistorische Museum im Berri-Bau. Nun will auch dieses den Exitus schaffen. Das Parlament hat jedoch unmissverständlich deponiert: Dessen Neubau im Zusammenspiel mit dem Staatsarchiv wird nur bewilligt, wenn definiert ist, wie es mit dem geleerten Museum weitergeht. Die Zeit drängte, da die vorberatende Kommission das Geschäft bereits diskutiert.

Auf den letzten Drücker hat deshalb das federführende Präsidialdepartement eine «Machbarkeitsstudie» erstellt, die für machbar erklärt, was seit rund zehn Jahren erklärtes Ziel ist: der Umzug der klassischen Antike in den klassizistischen Bau. Dies verkündete an einer Medienkonferenz am Donnerstag Regierungspräsidentin Elisabeth Ackermann und setzte damit ein Häkchen auf ihrer Pendenzenliste.

Was die neue «Machbarkeitsstudie» genau besagt, ist nicht bekannt, da sie von der Verwaltung unter Verschluss gehalten wird. Sie belege jedoch, dass auch ein Rück-Umzug des Historischen Museums theoretisch möglich wäre. Der Nutzen, das Antikenmuseum zu dislozieren, sei jedoch deutlich höher, sagt Ackermann und meint damit auch: Während die dannzumals leerwerdenden Gebäude am St. Alban-Graben durchaus anderweitige Verwendungen finden werden, brächte eine vom Historischen Museum erlöste Barfüsserkirche nur neue Probleme.

Den Bausünden sei Dank

Bignasca scheint die erst kürzlich fertiggestellte Studie überzeugt zu haben. Seine wiederholt vorgetragenen Vorbehalte, der Bau könne seiner Museumsware nicht die angemessene Umgebung bieten, hätten sich als unbegründet herausgestellt. Fensteraufdoppelungen könnten die problematischen Klimabedingungen verbessern, zusätzlich Stahlträger die Nutzlast der Böden erhöhen und die befürchteten Schwingungen beseitigen.

Das Glück der Bauherren: Das historische Gebäude wurde in den 20- und 70er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts mit Um-, An- und Zubauten nach denkmalpflegerischen Gesichtspunkten dermassen verunstaltet, dass nun bauliche Eingriffe möglich werden, denen die Ursprungsbewahrer bei originärer Bausubstanz nie zustimmen würden.

Der Denkmalschutz wird sogar von einer wesentlichen Verbesserung sprechen können: So werden im ersten Hauptgeschoss Zwischenböden eliminiert, die den Räumen wieder ihre ursprüngliche Würde als repräsentative und wohlproportionierte Museumssäle zurückgeben werden.

Ob damit das Museum die alte Bedeutung wiedererlangt, ist offen – wenn auch nicht für Museumsdirektor Bignasca: Schliesslich wird er endlich die «weltweit bedeutenden» Gipsexponate, die heute in der Skulpturenhalle versteckt sind, gross zeigen können.