Die Idee entstand auf der Arbeit. Als Marie-Claude Del Grosso von einer Kollegin gefragt wurde, ob sie einen Single für sie wüsste, musste sie passen. «Ich habe sie ganz naiv gefragt, ob sie beim Shoppen oder im Ausgang nicht angesprochen wird», erzählte die Laborantin, die in Basel arbeitet, der Zeitung «l'Alsace». «Sie hat dann gesagt: Woher sollen die Leute denn wissen, dass ich Single bin? Das steht nicht auf meiner Stirn.»

Ein kleiner grüner Anstecker, der Pin «meet me», soll das ändern. Wer ihn trägt, signalisiert: Ich bin noch zu haben und offen für einen Flirt. Die Idee stammt von Marie-Claude, um die Umsetzung hat sich ihr Mann Alexandre gekümmert. Das Paar lebt im Dorf Schlierbach, 10 Kilometer südlich von Mulhouse. Das Logo wurde in Saint-Louis entwickelt. «Ich möchte mit dem Pin die Kontakte erleichtern und Singles ein bisschen unter die Arme greifen», erklärt Marie-Claude der bz.

Seit am Freitag der Artikel erschien, geht bei dem Paar die Post ab. Etliche Radios sowie regionale und nationale französische TV-Sender interessieren sich für das Thema. Die Verwirklichung der Idee dauerte ein Jahr. Alexandre ist von Beruf Heizungsinstallateur. Für Logo und Marke hat das Paar ein Patent angemeldet.

Analoge Alternative zu den Dating Portalen

Der Internetauftritt mit Video und auf vier Sprachen ist professionell gestaltet. «Seit zwei Wochen sind wir auch auf Facebook, Instagram und Youtube vertreten.» Noch nicht ganz fertig sind die Auftritte auf Englisch und Italienisch. Auf Französisch und Deutsch sind sie abgeschlossen.

Marie-Claude möchte mit dem Pin die analoge Alternative zu den Dating Portalen schaffen, auf denen nicht immer alle Aussagen stimmen. Gerne wird beim Alter der Bilder, der Grösse und dem Gewicht geschummelt, und manchmal gibt es auch Betrüger. Ziel ist es, dass die Begegnungen wieder in der realen Welt stattfinden. Im Unterschied zu den Ampelpartys, auf denen in Diskotheken je nach Flirtlaune rote, gelbe oder grüne Armbänder angelegt werden, ist der Pin auch beim Fitness, dem Hundespaziergang, auf der Arbeit oder eben im Ausgang tragbar.

Pin und Design sind denkbar einfach. Die Anstecker haben einen Durchmesser von 25 Millimetern. Die Herstellung, für die Ehemann Alexandre verantwortlich zeichnet, erfolgt mit einer Handmaschine. In den Weihnachtsferien entstanden so 2000 Exemplare, weitere 3000 sind in Arbeit. Auf einer Internetseite kann man die Pins für zwei Euro das Stück und 1,30 Euro Versandgebühr, gesichert durch Pay Pal, bestellen. In die Schweiz dürfte der Versand teurer werden. Der Preis ist noch nicht geklärt.

Schneeballeffekt soll helfen

Am liebsten möchte Marie-Claude in Basel einen direkten Vertriebspartner finden. Auf der Liste potenzieller Interessenten, mit denen sie Kontakt aufnehmen möchte, stehen die Bar Rouge, das Atlantis oder der Nordstern. Stellt sich auch die Frage, ob die Schweizer beim Flirten nicht zurückhaltender sind als die Franzosen.

Marie-Claude ist da optimistisch: «Es kommt auf die Leute an. In Frankreich ist das auch so. Wenn viele Leute einen Pin tragen, könnte das einen Schneeballeffekt hervorrufen und es wird dann einfacher, sich einen anzustecken.» Selber dürfte die lebendige und aufgestellte Frau um die 40 keine Kontaktprobleme haben – und einen Mann hat sie ja schon.

Lawrence Pawelzik vom Atlantis und vom Parterre One findet: «Ausprobiert werden sollte es auf jeden Fall. Man sieht schnell, ob es funktioniert.» Die Basler seien zwar zurückhaltend, die Jüngeren aber sehr offen. Im Atlantis sieht er die Pins weniger. «Aber mit dem Parterre könnte ich mir vorstellen, eine Vorreiterrolle zu spielen.» Er ist selber Single. «Ich bin oft im Ausgang und traue mich nicht immer, jemanden anzusprechen. Ich würde mir so einen Pin anstecken.»

Am 2. Februar werden 1000 Pins verschenkt


Weniger offen tönt es bei Nordstern und Bar Rouge. Im Messeturm heisst es: «Wir haben uns noch keine Meinung dazu gebildet.» Der Nordstern will nicht Stellung nehmen, ehe das Thema offiziell auf einer Sitzung besprochen wurde.

Für das Elsass haben die Del Grossos mit dem Supermarkt Super-U in Sierentz, knapp 20 Kilometer nördlich von Basel, bereits eine Verkaufsstelle. Lanciert wird sie am 2. Februar ab 14 Uhr. «Dann verschenken wir dort 1000 Pins.» Da der Supermarkt auch von Schweizern frequentiert wird, kommt danach der Schneeball in der Region Basel vielleicht ins Rollen.