Egal, ob an der 1.-August-Feier, an der Herbstmesse, am «Bebbi sy Jazz» oder am Weihnachtsmarkt: Überall stellt die Basler Polizei Betonsperren auf. Sie sollen verhindern, dass ein Amokfahrer wie am Berliner Weihnachtsmarkt 2016 mit einem Fahrzeug in die Menschenmenge rast. Den Basler Bürgerlichen aber reicht das nicht: «Wenn schon, denn schon», findet SVP-Grossrat Joël Thüring. «Wenn die Massnahmen nur für die Galerie sind, können wir sie auch gleich sein lassen.»

Betonblöcke nützen kaum

Den Bürgerlichen schweben deutlich stabilere Sperren vor. Die Regierung soll daher prüfen, ob es für künftige Grossveranstaltungen Alternativen zu den mobilen Betonblöcken gibt. Thüring stellt sich etwa Betonpoller vor, die im Boden verankert werden. Denkbar aber seien auch dreizackige Sterne aus Stahl. Solche sogenannten «Nizza-Sterne» verhaken sich im Untergrund und heben das Fahrzeug an. Dadurch werde die nach vorn gerichtete Energie nach oben umgeleitet und ein Lkw schneller gestoppt, führt der SVP-Grossrat aus. Unterstützt wird er in seinem Anliegen von sämtlichen bürgerlichen Parteien.

Betonblöcke, wie sie auch in Basel Besuchermengen schützen sollen, würden nämlich kaum etwas nützen. Sicherheitsexperten bezeichnen sie als «reines Placebo». Gerade, wenn die Elemente nicht im Boden verankert sind. Schwere Fahrzeuge wie Lkw lassen sich davon nicht aufhalten. Das haben internationale Tests untermauert: Ein Probelauf in Deutschland zeigte, dass die Betonelemente schon einen kleinen Lastwagen von zehn Tonnen nicht stoppen können, geschweige denn ein 30-Tonnen-Fahrzeug wie bei der Amokfahrt in Berlin.

Und das ist noch nicht alles: Im schlimmsten Fall werden die Blöcke selbst zur tödlichen Gefahr. Bei einem Versuch flog ein Betonelement 25 Meter durch die Luft. Der Schutz wird zum Geschoss, dass weitere Menschen verletzen oder töten kann.

Um gegen die Terrorgefahr anzugehen, hatten Bürgerliche erst vor Kurzem bereits eine Budgeterhöhung von einer Million Franken für die Basler Polizei gefordert. Auch hier war auf das erhöhte Risiko verwiesen worden. Der Grosse Rat wollte davon allerdings nichts wissen und lehnte das Begehren vergangene Woche aus Kostengründen ab. Auch bei allfällig neuen Anti-Terror-Sperren müssten die Kosten natürlich in einem vernünftigen Verhältnis stehen, betont Thüring. Aber: «Angesichts der verschärften Bedrohungslage in Europa darf man heute auch durchaus mehr Geld für die Sicherheit einsetzen.»

Wert auch auf Ästhetik legen

Das Ganze klinge martialischer, als es sein solle. Heute gebe es Anti-Terror-Massnahmen, die gleichzeitig städteverträglich seien. Neben dem Sicherheitsaspekt legen die Bürgerlichen denn auch durchaus Wert auf Ästhetik: Thüring weist darauf hin, dass die Betonsperren während des letzten Weihnachtsmarkts gegen aussen hin mit Geschenkpapier kaschiert worden sind.

Gegen innen wurde dagegen auf eine Verpackung verzichtet. Angesichts der Wirksamkeit auf das subjektive Sicherheitsempfinden der Besucher sei das sinnvoll. «Diese Verpackung kam sowohl bei Standbetreibern als auch Gästen des Weihnachtsmarktes sehr gut an», weiss Thüring. Deshalb fragen die Bürgerlichen an, ob die Betonblöcke «jeweils themenbezogen und aussenseitig stadtbildverträglich» verpackt werden können. Sicherheit mit Stil.