Nach langem Ringen bietet das Bundesamt für Strassen (Astra) Hand, gemeinsam mit dem Basler Bau- und Verkehrsdepartement (BVD) Varianten zu prüfen, also auch eine Tunnellösung (die bz berichtete).

Allerdings ist die Freude darüber in Basel getrübt. Im gemeinsamen Communiqué von Astra und BVD von letzter Woche wird nämlich ein Thema nicht erwähnt: der Lärmschutz.

Lärm dringt durch Lücken

«Diese Frage ist noch nicht geklärt», sagt Bruno Keller, Präsident des Vereins «Ausbau Osttangente –- so nicht». Für den Anwohner, der gegen den oberirdischen Ausbau kämpft, ist klar: «Wir wollen nicht mehr 15 Jahre auf den Lärmschutz warten.» Problematisch seien etwa die Lücken in der Lärmschutzwand auf der Schwarzwaldbrücke. «Die Autobahn dröhnt in die Grenzacherstrasse», sagt der Vereinspräsident. Zwar sei die angekündigte Suche nach Alternativen für den oberirdischen Ausbau eine gute Entwicklung. Aber: «Der Lärmschutz bleibt ein Wermutstropfen», sagt Keller.

«Ich habe dem Astra deswegen bereits geschrieben», sagt FDP-Nationalrat Peter Malama auf Anfrage der bz. Es sei klar, dass man noch am Anfang stehe und deswegen noch keine Aussagen zu den Zufahrtswegen sowie Prognosen über zusätzlichen Verkehr in den Quartieren gemacht werden könnten. Aber: «Der Lärm ist untragbar, das weiss das Astra», sagt Malama.

Auch die Basler CVP fordert, dass die Lärmschutzmassnahmen bereits jetzt angegangen werden müssen und nicht erst im Zuge des eigentlichen Nationalstrassen-Ausbaus. Und auch die SVP findet, dass auf dem Weg zu neuen Varianten die Bedürfnisse der Bevölkerung beim Lärmschutz berücksichtigt werden müssen – abhängig von den Kosten.

Chance zum Prüfen

Die Basler Grünen befürchten, dass die Lärmschutzmassnahmen bis zum Bau der Variante, die nun erst erarbeitet wird, aufgeschoben werden. «Es kann 20 Jahre dauern, bis so ein Projekt umgesetzt wird», sagt Alt-Nationalrätin Anita Lachenmeier.

Kritisch stehen die Grünen auch einem Kapazitätsausbau der Osttangente gegenüber. «Es ist vielleicht ein wenig unrealistisch, keine Erweiterung der Kapazität zu fordern», sagt Lachenmeier. Allerdings sei dies nun die Chance, eine Variante mit Tunnel und oberirdischem Rückbau zu prüfen, die dafür einen Ausbau des öffentlichen Verkehrs fördere. «Nur ein Ausbau würde mehr Verkehr bringen», ist Lachenmeier überzeugt.

Kein konkreter Zeithorizont

Die Lärmschutzmassnahmen seien weiterhin ein wichtiges Thema, heisst es beim Astra: «Sobald wir wissen, wie es weiter geht, wird der Lärmschutz angegangen», sagt Mediensprecherin Esther Widmer. «Je nach Variante kann der Lärmschutz aus dem Projekt herausgelöst werden.» Eine Zeitangabe wollte sie nicht machen.

Fest steht: Bis spätestens Frühjahr 2013 soll entschieden sein, welche Variante einem oberirdischen Ausbau der Osttangente gegenübergestellt wird. Dann muss die Finanzierung zwischen Bund und Kanton geklärt werden. Die Wahrscheinlichkeit, dass es in den nächsten drei bis vier Jahren in Sachen Lärmschutz voran geht, ist darum gering.

Beim BVD ist man sich dieser unbefriedigenden Situation bewusst. «Wir wissen, dass der Lärmschutz ein grosses Thema ist», sagt BVD-Sprecher Marc Keller. Aber es sei ein mehrschichtiges Thema und je nach Variante nicht sinnvoll, Geld in Sofortmassnahmen zu investieren.