Vor vier Jahren unterlag Christine Kaufmann Hansjörg Wilde (parteilos) im Rennen ums Gemeindepräsidium knapp. Am 4. Februar will sie es erneut wissen und greift Amtsinhaber Wilde an. Kaufmann gab sich heute an der EVP-Medienkonferenz angriffig. «Es zeigte sich, dass es nicht so einfach ist, als Parteiloser als Gemeindepräsident am Steuer des Schiffs zu sein.» Gerade Wildes kürzlich erlittene Niederlage im Einwohnerrat, als sein Globalkredit für den Leistungsbereich «Publikums- und Behördendienste» gegen seinen Willen um fünf Prozent gekürzt wurde, werfe Fragen auf.

Dieses Gefühl hat auch Annemarie Pfeifer, die nach acht Jahren im Amt für die EVP erneut zur Wahl in den Gemeinderat antritt. «Ohne Partei fehlen Netzwerk, Experten im Rücken und auch kritische Rückmeldungen innerhalb der Fraktion, die eine solche Niederlage womöglich verhindern könnten.» Zudem habe man bei Wilde die fehlende Parlamentserfahrung gespürt, findet Pfeifer. Parlamentserfahrung bringt Kaufmann als ehemalige Grossrätin und Einwohnerrätin viel mit. «Ich habe als Gemeinderätin in einem nicht ausgabefreudigen Einwohnerrat unter anderem den Projektierungskredit zur Neukonzeption des Spielzeugmuseums sowie einen neuen Kunstrasen durchgebracht», betont die 49-jährige Tierärztin. Das zeuge von gut aufgegleisten Vorlagen und breiter Abstützung in der Riehener Politik.

Während Kaufmann in ihrem Ressort ein Jugendleitbild aufgleiste, setzt sich Pfeifer seit Jahren für die Anliegen der älteren Bevölkerungsgruppen ein und machte mit dem Leitbild 60plus Riehen zur «Mustergemeinde in Altersfragen», lobt EVP-Co-Präsidentin Rebecca Stankowski.

Ein Drittel der Riehener Bevölkerung ist über 60 Jahre alt. Vom Alter her sei sie die einzige, die diese Altersgruppe vertritt, sagt Pfeifer. «Mir ist wichtig, dass ältere Menschen nicht nur als Kostenfaktor wahrgenommen werden.» Dank verbesserter Fallsteuerung und dem Arbeitsintegrationsprogramm habe sie in der Sozialhilfe die Kosten im Griff.

SP, Grüne und EVP steigen mit einer gemeinsamen Liste ins Rennen. Trotz inhaltlicher Ähnlichkeit mit der SP positioniere sich die Riehener EVP in der Mitte, betonte Pfeifer mehrfach. «Wir widmen uns klar der Sache und sind weder Gewerkschaften noch Gewerbeverband Rechenschaft schuldig.» Gespräche wurden auch mit GLP-Gemeinderatskandidatin Katja Christ geführt. Diese entschied sich aber für einen Alleingang, heisst es von Seiten der EVP.

Mit der Kandidatur von Christine Kaufmann ist das Rennen um das Gemeindepräsidium lanciert. Martin Leschhorn, der für die SP antritt, hätte als einziger Gegenkandidat wohl keine Chance gegen den von der bürgerlichen Allianz getragenen Hansjörg Wilde. Durch den Dreikampf kommt es wohl zu einem zweiten Wahlgang. Dann würden SP, Grüne und EVP die Kräfte bündeln, um die Mehrheitsverhältnisse im Gemeinderat zu kippen.