War das die letzte grosse Generalversammlung (GV) der Syngenta? Möglich ists. Ein milliardenschweres Angebot aus China liegt auf dem Tisch, der Syngenta-Verwaltungsrat heisst dieses ausdrücklich gut. Es seien alle Optionen und Risiken gründlich geprüft worden, sagte Präsident Michel Demaré an der gestrigen GV vor über 1300 Aktionären in der St. Jakobshalle. Okay, sagte Demaré, er habe Briefe von enttäuschten Aktionären bekommen, dass diese Basler Firma verschwinde. Doch Syngenta werde Syngenta bleiben, gelobte er. Das sei mit den Verantwortlichen von Chem China abgemacht.

Die Syngenta-Aktionäre konnten an der GV zwar nicht direkt abstimmen. Aber sie tun es faktisch, in dem sie ihre Aktien der Chem China zum Preis von 465 Dollar plus einer Dividende von fünf Franken andienen. Es gibt eine Angebotsfrist bis Ende Mai, bis dann müssen 67 Prozent aller Aktien angedient sein.

Die Übernahme ist noch nicht besiegelt, weil die US-Sicherheitsbehörde CFIUS den Deal unter die Lupe nimmt. «Solche Unsicherheiten geben an der Börse einen Abschlag», so Demaré. Die GV genehmigte alle Traktanden mit sehr grossem Mehr, alle Verwaltungsräte wurden wiedergewählt.

China? Kein Aufschrei!

Der grosse Aufschrei, dass Syngenta an einen chinesischen Staatskonzern geht, blieb in der vorangehenden Diskussion allerdings aus. Eine Aktionärin bedauerte, dass Syngenta «verstaatlicht» würde. Hingegen nutzten zahlreiche Umwelt- und Entwicklungsorganisationen als Kleinaktionäre die (letzte?) Chance, Syngenta beispielsweise wegen der Pestizidherstellung zu tadeln. So sagte Silva Lieberherr von der Multiwatch-Organisation, dass es in China Gruppen gäbe, die der Übernahme kritisch gegenüber stünden. Der Absatz des hochgiftigen Paraquats werde gesteigert.

Swissaid-Sprecher Fabio Leippert meinte, der «Good Growth Plan», eine seit zwei Jahren bestehende Verpflichtung von Syngenta für verantwortungsvolles Wachstum, sei zwar ein löbliches Vorhaben. Swissaid wolle aber Tatbeweise. Und er fragte sich, was unter dem neuen Aktionär wohl passieren werde. Syngenta könne als geopolitisches Machtinstrument eingesetzt werden, um die Position Chinas beispielsweise in Afrika und Asien auszubauen.

Gegner? Verbündete!

Demaré konterte geschickt und versuchte, aus den Gegnern Verbündete zu machen. «Wenn wir diesen Organisationen zuhören, komme ich immer wieder zur Feststellung, wir wollen eigentlich alle dasselbe: Nahrungssicherheit erreichen, und dies auf einem nachhaltigen Weg. Wir haben diese Organisationen an den Tisch geladen, aber nicht viele sind gekommen. Aber die Einladung gilt, wir wollen diesen Dialog.» China habe verseuchte Böden, und 90 Prozent des Wasserverbrauchs gehe auf das Konto der Landwirtschaft. Hier gäbe es riesige Probleme, und Syngenta könne Technologien und Wissenstransfer anbieten.

Ein Mitglied der «Vereinigung kritischer Aktionäre» beklagte die dürftige Informationspolitik. Demaré erwiderte: «Wenn eine Firma in der Bewilligungsphase steckt, schweigt man lieber.» Es sei alles «on Track», beschwichtigte er.

Ja, und dann gab es auch Lob, zumindest ansatzweise. Aktionär Moser stellte fest, dass Syngenta keinen Ankeraktionär habe; das heisst, einer der sich der Firma langfristig verpflichtet fühlt. «Die angelsächsischen Aktionäre sind aufs schnelle Geld aus. Man kann die Marktwirtschaft auch kaputtreiten.»