Eigentlich hatte das Gericht extra für den 28-jährigen Mann aus dem Irak eine kurdischsprachige Dolmetscherin bestellt, doch er sprach lieber deutsch und das rasend schnell: Gerichtspräsidentin Kathrin Giovannone musste den Mann mehrmals ermahnen, deutlicher zu sprechen.

Es ging um mysteriöse Telefonanrufe, die er im November 2018 getätigt hatte: Einmal rief er offenbar aus Apulien bei einer Mitarbeiterin des Basler Strafvollzuges an, um sich darüber zu beschweren, wie er von den Behörden behandelt worden war. Wenige Wochen zuvor war er aus der Schweiz nach Italien ausgeschafft und laut seinen Angaben in Como sich selbst überlassen worden.

«Ich wollte wissen, wieso die Behörden mich so misshandelt haben», sagte er gestern Dienstag im Basler Strafgericht. Laut der Mitarbeiterin des Strafvollzuges tönte es allerdings anders: Der Mann habe klare Todesdrohungen gegen diverse Polizisten ausgesprochen. Auch habe er angedeutet, mit einer Waffe in Basel beim Waaghof vorbeizukommen.

Der Mann hingegen meinte, das seien alles Missverständnisse gewesen: So habe er nie gedroht, er werde eine Sauerei anrichten, sondern es sei eine Sauerei, wie er in Italien leben müsse. Auch habe er niemanden erschiessen wollen, sondern er habe sich darüber beschwert, dass er von den Polizisten beschissen worden sei.

Ein weiterer Anruf kam im Februar 2019, diesmal wohl aus Rom: Der Mann drohte einem Mitarbeiter der Staatsanwaltschaft mit Waffengewalt und forderte Geld, das ihm in der Schweiz angeblich weggenommen worden sei.

Als der 28-Jährige im März 2019 mit einem Zug in die Schweiz fuhr, wurde er in Chiasso festgenommen. Gegen ihn bestand aus einem früheren Urteil sowieso eine Einreisesperre, bis März 2020 galt sein Landesverweis.

Zwölf Monate unbedingt

Einzelrichterin Kathrin Giovannone stufte am Dienstag die Erklärungsversuche des Mannes als unglaubwürdig ein, derartige viele Missverständnisse in einem einzigen Telefongespräch seien schon etwas viel. Auch sei der Mann bereits früher wegen ähnlicher Drohungen gegenüber Mitarbeiterinnen auf dem Sozialamt aufgefallen. Damals sei er bloss straffrei ausgegangen, weil ihn die Frauen nicht ernst genommen haben.

Für die letzten Drohungen verurteilte ihn das Gericht allerdings wegen Schreckung der Bevölkerung. Zusammen mit einer Vorstrafe muss er nun zwölf Monate unbedingt absitzen.

Die Vorgeschichte das Mannes blieb diffus: Offenbar wohnte er als Flüchtling in Basel mit einem Mann zusammen, fühlt sich vom Ex-Freund aber inzwischen auch hintergangen. Er hat diverse Vorstrafen, eine stammt von einem Einbruch. Nach seiner Ausschaffung im Herbst 2018 landete er in Como auf der Strasse, inzwischen scheint er auch für Italien keine gültige Aufenthaltserlaubnis mehr zu besitzen. Das Basler Strafgericht beschloss auch einen Landesverweis von acht Jahren. Ob und wohin der Mann ausgeschafft werden kann, ist unklar.