TGV Lyria will sein Angebot für Fahrten zwischen der Schweiz und Paris erheblich ausweiten. «Im Zuge der Modernisierung Lyrias ist vorgesehen, die Flotte komplett zu erneuern. Ziel ist, im Jahre 2020 exklusiv Euroduplex-Züge zu betreiben», teilt CEO Andreas Bergmann mit. Die modernen Doppelstöcker von Bombardier haben 510 Sitzplätze statt deren 360 wie im normalen TGV. Sie können also 150 Fahrgäste mehr befördern.

Von Basel gibt es derzeit täglich sechs TGV-Verbindungen nach Paris. Zwei davon werden schon heute mit Euroduplex gefahren. Kommen ab 2020 vier hinzu, bedeutet das eine Zunahme von 600 Sitzplätzen pro Richtung. Eingesetzt werden die TGV Lyria bereits ab Zürich. TGV Lyria ist eine gemeinsame Gesellschaft von SBB und SNCF. Die Hochgeschwindigkeitszüge fahren bis zu 320 Stundenkilometer schnell und erreichen Paris von Basel aus in rund drei Stunden.

Schwierige Jahre sind vorbei

Von jährlich zwei Millionen Fahrgästen aus der Schweiz nach Frankreich kommen eine Million von Zürich oder Basel. In Dijon, wo der TGV auch hält, steigen nur drei Prozent der Fahrgäste aus. Die Jahre 2015 und 2016 waren schwierig für TGV Lyria. «Nach den Anschlägen in Paris verzeichneten wir rund 15 Prozent Einbussen, was der durchschnittlichen Entwicklung im Tourismussektor entspricht», berichtet Bergmann. Bereits Anfang 2017 sei es aber wieder bergauf gegangen. «Die Verkaufszahlen steigen rapid im zweistelligen Bereich und die Auslastung liegt im Schnitt über 80 Prozent», so Bergmann weiter. Auch in Hinblick auf die Pünktlichkeit, die bei 92 Prozent liege, zeigt er sich zufrieden.

Seit dem Fahrplanwechsel im Dezember 2017 hat TGV Lyria mit Business 1ère ein neues Angebot im Programm. Es ist mit dem festen Verkaufspreis von 229 Franken für die Fahrt von Basel nach Paris erheblich teurer als die anderen Billette, bietet aber volle Flexibilität bei Umtausch und Erstattung und den Zugang zu allen Zügen eines bestimmten Tages. Für die Kunden von Business 1ère ist der erste Wagen des Zuges reserviert, sie erhalten eine warme Mahlzeit, die von einem Gastronomie-Familienbetrieb aus dem Burgund täglich frisch zubereitet wird, und es gibt Getränke nach Belieben. Für die Ankunft in Paris kann man einen Privatchauffeur reservieren, der allerdings nicht im Fahrpreis enthalten ist.

Bergmann zeigt sich zufrieden mit der Entwicklung von Business 1ère. «Wir liegen klar über allen Prognosen und über unseren eigenen Schätzungen vor der Lancierung des neuen Angebots», freut sich der CEO. Seit Verkaufsbeginn wurden rund 10 000 Billette verkauft; die Tendenz sei zunehmend. Generell seien rund ein Drittel der Reisenden Geschäftskunden, schätzt TGV Lyria. Es gibt also noch Potenzial für Business 1ère.

Die normalen Preise beginnen in der zweiten Klasse ab 34 Franken für die einfache Fahrt, in der ersten Klasse ist es ab 57 Franken gerade mal 23 Franken teurer, wenn man denn ein günstiges Ticket ergattert. Das Angebot soll in ähnlicher Form beibehalten werden.
Auch die Begleitung mit französischem und schweizerischem Zugpersonal bleibt bestehen. «Das gehört zu unserem Dienstleistungsangebot. Wir sind schliesslich eine französisch-schweizerische Gesellschaft», betont Bergmann.

Frühverbindung wird geprüft

Der erste TGV Lyria fährt derzeit um 8.34 Uhr in Basel ab und ist laut Fahrplan um 11.37 Uhr im Bahnhof Paris-Gare de Lyon. Schon seit Jahren ist die Rede davon, gegen 6.30 Uhr eine Frühverbindung einzurichten. Insbesondere für Geschäftskunden wäre es interessant, schon gegen 9.30 Uhr in Paris zu sein. Wirklich weitergekommen ist man damit allerdings nicht. «Wir prüfen, ob es allenfalls möglich wäre, unser bestehendes Angebot zu ergänzen», sagt CEO Andreas Bergmann lediglich dazu.

Die Bestrebungen der SNCF, die erfolgreich eingeführte Marke TGV mit den neuen Bezeichnungen Oui oder Inoui kaputtzumachen, dürften am TGV Lyria vorbeigehen. So versichert Andreas Bergmann: «Es besteht zurzeit kein Grund und auch keine Absicht, den erfolgreichen Namen TGV Lyria abzuändern.»