Herbstfarben mitten im August. Im Hitzejahr 2018 verfärbten sich die Baumwipfel in den weitläufigen Oberbaselbieter Wäldern vielerorts aussergewöhnlich früh. Bereits Ende Juli sorgte das Amt für Wald beider Basel mit einer Meldung schweizweit für Schlagzeilen.

Die Kantone warnten vor herunterfallenden Ästen im Wald. Normalerweise schützen sich die Bäume, indem sie verfrüht in den Wintermodus schalten. Sie lassen die Blätter vorzeitig fallen und reduzieren so den Wasserbedarf. In diesem Sommer registrierten die Forstwarte im Raum Basel jedoch viele Bäume, die sofort abstarben.

Die Einheimischen kommen noch zurecht

Die einheimischen Bäume kommen besser mit der Trockenheit zurecht als angenommen – das ist das Fazit einer gestern von der Universität Basel publizierten Studie. Einer der Autoren ist Ansgar Kahmen. Nach all den «Horrormeldungen« überrascht die Erkenntnis. Wie aus der Studie hervorgeht, verhindern die wichtigsten einheimischen Baumarten ein Austrocknen, indem sie ihre Blatt-Poren verschliessen und so Schäden an ihren Leitbahnen im Stamm verhindern.

Bei einer ausgewachsenen Buche können täglich bis zu 400 Liter Wasser verdunsten. Der Baum ersetzt das Wasser jeweils, indem er es über die Wurzeln aufnimmt und durch die Leitbahnen im Stamm in die Blätter führt. Transportiert wird das Wasser durch einen Unterdruck, verursacht durch den Wasserverlust in den Blättern. Bei trockenem Boden wird die Saugspannung immer grösser. Der Baum schliesst zu seinem eigenen Schutz die Poren.

Raum Basel ist stark betroffen

Forscher untersuchten die Schutzmechanismen der Bäume in einer dreijährigen Studie, welche den Hitzesommer 2015 einschliesst. Trotz lang anhaltendem Porenschluss und der somit eingeschränkten Fotosynthese, habe sich der Zuckerspeicher im Baum nicht reduziert. Erste Daten aus dem Hitzesommer 2018 würden beweisen, dass die Bäume resistenter als erwartet sind.

«Wenn die Uni Basel zum Schluss kommt, die Bäume würden die Trockenheit besser überleben als angenommen, ist dies ein gutes Zeichen», sagt Andreas Etter vom Amt für Wald beider Basel. In der Region beobachte man weiterhin braune Bäume. «Wir hoffen aber, dass ein Grossteil der Bäume im Frühling wieder austreibt», sagt Andreas Etter.

Ob die Spontanabbrüche von Ästen mit der Trockenheit zusammenhängen, ist unklar. Es seien Spekulationen und vermutlich verschiedene Faktoren beteiligt, so das Amt für Wald. Einen Einfluss könnten womöglich Wurzelschäden durch den Sturm Burglind gehabt haben. Sonstige Umwelteinflüsse wie die Bodenversäuerung oder die Stickstoffeinträge spielen eventuell auch eine Rolle. Sind zudem Mykorrhizapilze geschädigt, können die Baumwurzeln, die mit den Pilzen eine Symbiose eingehen, weniger Wasser aufnehmen.

Lokal grosse Unterschiede

«Jeder Baum ist anders und hat seine eigene genetische Zusammensetzung», erklärt Etter. Der Baumzustand hänge auch damit zusammen, unter welchen Bedingungen der Baum herangewachsen sei. Es stelle sich die Frage, wie lange die Bäume Trockenheit aushalten, wenn sie zur Regel wird.

Auch Sabine Braun vom Institut für angewandte Pflanzenbiologie in Witterswil weist auf die lokalen Unterschiede hin. «Stellenweise sieht der Wald gut aus, stellenweise habe ich Phänomene beobachtet, wie ich sie noch nie gesehen habe», sagt sie. Braun war neulich einen Morgen lang mit Förster Andreas Wyss aus Riehen unterwegs.

Er zeigte ihr viele Buchen mit Herbstverfärbung. «Das Abfallen des Laubs schützt die Bäume zwar vor weiterer Austrocknung. Wie sich dies jedoch langfristig auf die Vitalität der Bäume auswirken wird, werden wir erst im nächsten Frühling sehen», sagt Braun. Im Raum Basel besonders auffallend sind Trockenschäden in der Hard. Braun betreut nebenan eine Beobachtungsfläche. Keine der Buchen dort hat noch grüne Blätter.