Die Idee entstand irgendwann im Frühling 2012: Eine betagte und ziemlich reiche Kundin hob regelmässig Geld von ihren Konten ab, manchmal täglich, und zwischendurch sogar mehrmals täglich. Den Bankmitarbeitern der Basler UBS-Filiale im Gellert fiel bald auf, dass die Frau sich oft nicht mehr an die vergangenen Bezüge erinnern konnte. Die Frau verfügte nebst ihren Privat- und Sparkonti auch noch über fünf weitere Fremdwährungskonten.

Für den heute 36-jährigen, ehemaligen Bankangestellten schien es die grosse Chance zu sein: Ungefähr alle zwei Wochen zahlte er sich selber ab dem Konto der Frau 1000 Franken aus, visierte den Beleg und steckte das Geld in die eigene Tasche. Vom April 2012 bis November 2013 kam so die Summe von knapp 55'000 Franken zusammen. Danach war er wegen einer Ellbogenverletzung für eine Weile arbeitsunfähig, die Bezüge hörten auf.

Geldsorgen trotz gutem Lohn

Trotz seines recht guten Lohnes hatte der Mann Geldsorgen. So hatte er sich für eine Ausbildung verschuldet. Wie die Richter am Mittwoch feststellten, zahlte er mit den Zusatzeinnahmen allerdings nicht seine Schulden ab, sondern behielt seinen Lebensstandard bei. Immerhin entstanden keine neuen Schulden.

«Sie haben genau gewusst, dass die Frau dement ist. Sie war das ideale Opfer. Als Bankmitarbeiter haben Sie mit Ihrer Tat auch eine Bankrotterklärung unterschrieben», kommentierte Gerichtspräsident Dominik Kiener. Die drei Richter verurteilten den Mann am Mittwoch wegen qualifizierter Veruntreuung sowie mehrfacher Urkundenfälschung zu einer bedingten Freiheitsstrafe von 20 Monaten.

Fristlos entlassen

Unklar blieb, wie die Sache aufgeflogen ist. Kiener meinte dazu, die Unterschriften auf den Belegen seien von den echten, von der Frau visierten Auszahlungsbelegen kaum zu unterscheiden. Die Bank konfrontierte den Mann im September 2014 mit den Vorwürfen und entliess ihn fristlos.

Später hat er geheiratet, lebt heute in der Ostschweiz und arbeitet Teilzeit. Die Schulden will er zurückzahlen. Er war vom ersten Moment an geständig und verhielt sich während der Untersuchung äusserst kooperativ, auch deshalb fiel das Strafmass relativ milde aus.

UBS zeigte sich kulant

Verteidiger Philippe Häner hatte allerdings eine deutlich tiefere Strafe von sechs Monaten gefordert, im konkreten Falle reiche eine bedingte Geldstrafe von 180 Tagessätzen.
Die betrogene Frau sowie deren Familie müssen sich immerhin nicht mit den Forderungen herumschlagen: Die Bank hat ihr das Geld erstattet und die Forderung gegen den Ex-Mitarbeiter übernommen. Wie viel er davon tatsächlich zurückbezahlen kann, blieb offen.

Ursprünglich standen Vorwürfe im Raum, der Mann habe über 200'000 Franken veruntreut. Die Staatsanwaltschaft lehnte deshalb ein abgekürztes Verfahren ab, dieses wäre für den Mann deutlich günstiger gewesen und hätte rascher beendet werden können. So bleiben bei ihm auch noch Verfahrenskosten von 10'000 Franken hängen.