Basler Kulturschaffende müssen von nun an selber ran, wenn’s ums Beschaffen von Geld für ihre Projekte geht. Die staatliche Beratung für Crowdfunding-Abenteuer auf www.wemakeit.ch wurde nach fünf Jahren ersatzlos gestrichen – weil sich das Konzept in der Kulturszene etabliert und seine eigene Dynamik entwickelt habe, schreibt das Präsidialdepartement in der offiziellen Begründung. «Die Ziele des Pilotprojekts, nämlich die Kulturszene auf das damals noch sehr neuartige Finanzierungsmodell aufmerksam zu machen und zu begleiten, wurden erreicht», sagt Christoph Gaiser von der Abteilung Kultur.

Dabei war die Begleitung eine Erfolgsgeschichte: 2,4 Millionen Franken wurden seit 2012 für Basler Kultur-Projekte gespendet und nur jedes vierte Projekt verpasste die Finanzierung, weil nicht genügend Spenden geflossen sind. Das ist schweizweit ein Top-Ergebnis, im Durchschnitt sind nur 63 Prozent der Crowdfundings erfolgreich. Demgegenüber standen totale Kosten im tiefen sechsstelligen Bereich, die aus Datenschutzgründen nicht genauer beziffert werden, weil sie auf den Lohn der einzigen Teilzeit-Angestellten schliessen liessen; und die Frage: Ist es Aufgabe des Kantons, eine solche Plattform zu unterstützen?

Diese Sinn-Frage stellte SP-Grossrätin Kerstin Wenk bereits im Mai 2013 in einer schriftlichen Anfrage. Und erhielt zur Antwort, «Ja», und dass das Pilotprojekt bis Ende 2013 festgelegt sei. Danach wurde Jahr für Jahr verlängert und jeweils im Budgetbericht mit einem einzigen Satz erwähnt: «Das erfolgreiche Crowdfunding-Projekt basel.wemakeit.ch wird auch im nächsten Jahr weitergeführt.»

Anbieter wollte Geld

Dass das Projekt nun zu Ende geht, hat nicht nur, wie in der offiziellen Mitteilung begründet, mit der Erfüllung der ursprünglichen Ziele zu tun, sondern auch mit einem Strategiewechsel der Plattform. Diese sucht nun Partner, die Crowdfunding-Projekte nicht nur beratend, sondern auf finanziell unterstützen, meistens im schwierigen, mittleren Teil, dem sogenannten «Tal der Tränen». Mit diesem Angebot ist die Firma auch in Basel vorstellig geworden, wie Geschäftsleiterin Melina Roshard auf Anfrage sagt.

«Anders als in den anschubfinanzierten Anfangsjahren sind wir heute eine selbstständige Firma und auf Erlöse angewiesen. Auf dieser Basis führen wir beispielsweise mit der Stadt Chur eine Zusammenarbeit, Basel haben wir dies auch angeboten, was allerdings aus budgettechnischen Gründen abgelehnt wurde», sagt Roshard. Geiser sagt, dass ihnen diese Umstellung gezeigt habe, dass es nun «ein guter Moment sei, das Pilotprojekt auslaufen zu lassen».

Neu an Bord bei wemakeit ist dafür die Basellandschaftliche Kantonalbank. Diese hat die 2014 lancierte eigene Crowdfunding-Lösung nach zweijährigem Betrieb beerdigt und durch eine Partnerschaft mit wemakeit.ch ersetzt. «Die BLKB unterstützt Projekte auf dem eigenen Channel jeweils mit einem Drittel der Finanzierungssumme, maximal mit 2000 Franken pro Projekt», sagt Produktmanagerin Deborah Schwalm. Mit der Vergabe dieser Gelder sei ein Teil des BLKB-Sponsorings in das digitale Zeitalter transferiert worden. Allerdings wird derzeit für kein einziges Projekt gesammelt – und auch in Basel scheint das Crowdfunding-Fieber nachzulassen. Sechs Projekte sind derzeit am Laufen, allesamt suchen sie Kleinstbeträge und erhalten kaum Zuspruch; so eine Privatperson, die für ihre eigene Pilotenlizenz sammelt – um damit später Kindern Gratisflüge offerieren zu können.

Welchen Einfluss die Beratungen auf den Erfolg der Basler Projekte hatten, lässt sich gemäss Gaiser sowieso nur begrenzt messen. «Dass Crowdfunding-Projekte in Basel erfolgreicher waren als im Schweizer Durchschnitt, hat bestimmt auch mit dem grundsätzlich kulturaffinen Umfeld und der langen Tradition von freiwilligen Kulturbeiträgen zu tun», sagt er. Als die erfolgreichsten Projekte nennt er die Albumproduktion der Band «The bianca Story», die mit 91'662 Euro von 625 Unterstützern den Beitragsrekord hält. Und das Projekt «Port Land», das sein Sammelziel von 4000 Franken für einen Skatepark im Hafenareal am schnellsten – nämlich innert 30 Stunden – zusammen hatte – und sein Ziel mit 259 Prozent der angestrebten Summe auch am stärksten übertraf.