«Es läuft gut», meint Louis van der Haegen, der Gründer und langjährige Präsident der Blues Festival Basel. «Die beiden ersten Konzertabende waren gut besucht, wir sind sehr zufrieden», ergänzt der 82-Jährige, den seine Freunde «Mr. Blues» nennen.

Tatsächlich gab es schon am ersten Konzertabend eine Überraschung, als in der Promotion Night fünf von einer Jury nominierte Schweizer Nachwuchsbands ihr Können unter Beweis stellten. Das musikalische Niveau der Newcomer war wesentlich höher als in den vergangenen Jahren. Die Ausscheidung gewonnen hat die Luzerner Band «Estella Benedetti & Michael G. Band» und darf als Belohnung nächstes Jahr am Blues Festival Basel 2018 im Hauptprogramm bei den grossen Bands mitspielen.

Blues Award geht ins Tessin

Eingefleischte Bluesfans, die zum zweiten Konzertabend kamen, machten sich möglicherweise Sorgen wegen der britischen Pedal Steel Guitar-Spielerin, Gitarristin und Country-Sängerin Sarah Jory. Würde sie mit ihrer Country-Musik ins Programm des Blues Festival passen? Die Überraschung: Jory stellte ihre Setliste um, sodass überwiegend Bluesstücke auf der Liste standen. Beeindruckend, wenn die Musikerin auf ihrer Pedal Steel Guitar eine Ballade anstimmte und ihr ausdrucksstarkes Instrument zum Singen brachte. Da gab es feuchte Augen.

Ein Höhepunkt des Abends war die Übergabe des «Swiss Blues Award» durch Regierungsrat Baschi Dürr. Den Preis entgegennehmen durften Hannes Anrig und Fabio Lafranchi, die seit 2002 kompetent das Vallemaggia Magic Blues Festival im Tessin organisieren.

Den Abschluss machten die beiden Boogie-Woogie-Pianisten Axel Zwingenberger und Ben Waters mit seiner Band. Boogie Woogie, Jump Blues und Rhythm’n’Blues eines Jerry Roll Morton oder Louis Jordan standen auf dem Programm. Nichts Überraschendes, könnte man meinen. Aber immerhin: Ben Waters hatte seinen 17-jährigen Sohn Tom mitgebracht, der auf seinem Altsaxofon in diesen Musikstilen auf erstaunlich hohem Niveau zu improvisieren verstand.

Noch zwei Tage bis zum Finale

Auf der Bühne des Volkshauses Basel stehen noch zwei Konzertabende auf dem Programm. Heute Freitag um 20 Uhr eröffnet der kanadische Bluesrockgitarrist und Sänger Philip Sayce den Abend.

«Ich wurde in Wales geboren, meine Eltern emigrierten dann aber nach Toronto, Kanada, wo ich aufwuchs», meint Sayce. «Schon in England waren meine Eltern grosse Musikfans, sodass ich mit der Musik von Eric Clapton, Buddy Guy und Marc Knopfler aufwuchs. Neben Clapton aber hat vor allem Stevie Ray Vaughan mein Gitarrenspiel beeinflusst.» Das hört man. Wie die meisten Bluesrockgitarristen seiner Generation lässt Philip Sayce die Finger gerne mit irrwitzigem Tempo über die Saiten seines Instruments gleiten.

Der Zweite Act heute Freitag, die amerikanische Sängerin Dana Fuchs, wird oft mit der legendären Blues-Sängerin Janis Joplin verglichen. Was Dana Fuchs’ rauchige Stimme betrifft, mag der Vergleich angehen, was allerdings die emotionale Tiefe der grossen Joplin angeht, sind doch ein paar Zweifel angebracht.

Der ewige Sam Burckhardt

Bleibt noch der Samstagabend, der «alle Jahre wieder» angesagt ist. Wie schon seit einer gefühlten Ewigkeit wird auch dieses Jahr der ewige Dauergast und Saxofonist Sam Burckhardt aus Chicago mit einer Crew professioneller Musiker aus der «Windy City» auf der Bühne stehen.

Es ist müssig, jedes Jahr dieselbe Geschichte vom Basler Saxofonisten zu erzählen, der nach Chicago ausgewandert ist und dort als Profimusiker in der lokalen Bluesszene Karriere gemacht hat. Es wird gute Musik zu hören sein, aber Überraschendes ist da mit Gewissheit nicht zu erwarten.