«Die Gebäude sind denkmalgeschützt, die Kirche aber selbst ist es nicht», sagte Pfarrer und Moderator Frank Lorenz am Dienstagabend zu Beginn der jüngsten Ausgabe von «Basel im Gespräch», das von der bz mitorganisiert wird. Rund hundert Interessierte wollten in der Offenen Kirche Elisabethen wissen, was die Runde zum Thema «Stadt ohne Kirche?» zu sagen hat. Zukunftsforscher Andreas Walker bekräftigte, dass christliche Werte wie partnerschaftliche Beziehungen und Harmonie noch immer die vordersten Ränge im jährlichen «Hoffnungsbarometer» belegen. Sein Institut Swissfuture befragt dazu jeweils 5000 Menschen. Andererseits landeten «die institutionellen kirchlichen Hoffnungsträger auf den letzten Plätzen».

Lukas Kundert, Kirchenratspräsident der Evangelisch-reformierten Kirche Basel-Stadt, kritisierte das oft kolportierte Bild der leeren Kirchenbänke: «Das Christentum wird vor allem in der Stadt überleben. Die aktuelle Entwicklung widerspricht der generellen Säkularisierungsthese.» Und Arnd Bünker, Leiter des Pastoralsoziologischen Instituts St. Gallen, fügte an: «Wir hatten noch nie so viele Katholiken in der Schweiz. Wie orientieren uns statistisch nur an bestimmten Formen der kirchlichen Teilhabe, sind aber blind für neue Formen.» Beispiele hierfür seien die Migrationskirchen. «Einer Stadt ohne Kirche würden Orte der Stille und des Gebets fehlen», erklärte Monika Hungerbühler, Co-Dekanatsleiterin der römisch-katholischen Kirche Basel-Stadt.

Projekte als Chance

Probleme sahen alle vier Eingeladenen bei der Organisation der Mitgliedschaft und Finanzierung des Angebots. Kundert wies auf die jüngst erfolgte Mitgliederbefragung unter den Reformierten hin: «Ich glaube, Menschen wollen sich nicht mehr für das ganze Leben binden.»

Aber sie würden auf Projekte ansprechen. Wichtig sei nicht die absolute Zahl der Kirchenmitglieder, sondern wie engagiert diese seien. Hungerbühler wünschte sich statt der Kirchensteuer eine Mandatssteuer wie in Italien, wo man ankreuzen könne, wem man Gutes tun wolle. Bünker wandte ein: «Wir brauchen in der Diakonie professionelle Mitarbeiter und das kostet.» Ein Publikumsvotant schliesslich fragte, ob Kirche nicht sogar ein «Service public» sei. Sicher ist gemäss Zukunftsforscher jedenfalls, dass sich die Kirche «hin zu globalen Werten und in eine digitale Welt verschieben wird.»