Die Israelitische Gemeinde (IGB) in Basel kämpft mit sinkenden Mitgliederzahlen. Einer der Gründe: Immer mehr Juden ziehen nach Zürich. So verliess in den letzten fünf Jahren jeder zwanzigste Jude – insgesamt 55 Personen – die Stadt in Richtung Zürich, Tendenz stark steigend.

«Das ist ein Trend, der uns auch aufgefallen ist», sagt Rabbiner Moshe Baumel. Eines seiner Hauptziele ist es deshalb, Basel als Standort attraktiver zu machen. So hat er etwa die Idee eines jüdischen Gymnasiums lanciert.

Während diese Pläne ins Stocken geraten sind, wird ein anderes Projekt der jüdischen Gemeinde konkreter. Geplant ist der schweizweit erste Eruv. Die Idee: Der private Raum wird um ein klar definiertes und abgegrenztes Gebiet erweitert. Dort gelten die gleichen Vorschriften wie in den eigenen vier Wänden. Konkret geht es vor allem darum, dass am Sabbat ausserhalb des Hauses keine Gegenstände bewegt werden dürfen. Juden, welche dieses Gebot befolgen, dürfen auch keine Kinderwagen schieben oder Medikamente auf sich tragen.

1200 Meter Drahtschnur

Weltweit gibt es in vielen Städten mit einer grossen jüdischen Diaspora einen Eruv, der nächste ist in Strassburg. Diese Woche stellten die Verantwortlichen die weit gediehenen Pläne der Gemeinde vor.

Entstehend soll der Eruv in Grossbasel West. Der provisorische Plan führt von der Schwarzwaldbrücke dem Rhein entlang bis zur Dreirosenbrücke, am Novartis Campus und Kannenfeldpark vorbei, verläuft dann über Wasgenring, Morgartenring und Laupenring, am Zolli vorbei, den SBB-Geleisen entlang wieder bis zur Schwarzwaldbrücke. Rund eineinhalb Jahre suchten die Verantwortlichen nach dem geeignetsten Grenzverlauf für den Eruv – sogar ein Experte aus Israel wurde für die Abklärungen eingeflogen. 

Der geplante Verlauf des Basler Eruvs

Der geplante Verlauf des Basler Eruvs

Denn die Umsetzung ist knifflig. Der Eruv muss ohne Unterbruch umschlossen sein. Als Grenze gelten etwa Flüsse, aber auch Bahnstrecken, Häuser, Mauer oder Zäune. Der Rest wird üblicherweise mit einer Drahtschnur abgegrenzt. Eine andere Variante sind symbolische Türen. An zwei Punkten werden Pfähle aufgestellt, zwischen denen man theoretisch eine Absperrung errichtet werden kann.

Nicht-Eingeweihten fällt die symbolische Grenze normalerweise gar nicht auf. Doch schon ein einziger zerschnittener Draht macht den ganzen Eruv kaputt. Deshalb muss der Grenzverlauf wöchentlich kontrolliert werden. Wenn etwa ein Fluss zufriert, gilt er nicht mehr als Grenze. 

1200 Meter Drahtschnur müssen gemäss aktueller Planung gespannt werden. Das Ganze soll so diskret wie möglich realisiert werden. Statt neue Pfosten aufzustellen, wollen die Planer die Eruvgrenze etwa entlang den Tramlinien führen.

Trotzdem muss für jeden einzelnen Faden eine Baubewilligung eingegeben werden. Insgesamt wären für die provisorische Route 49 bauliche Eingriffe notwendig – neun davon brauchen die Einwilligung von Privatpersonen, der Rest könnte vom Kanton oder der SBB abgesegnet werden.

Aus privater Hand bezahlt

Konkret vom Eruv profitieren dürfte unter dem Strich nur eine kleine Gruppe. Der Eruv würde die Gemeinde aufwerten, so Rabbi Baumel. «Ein Eruv alleine bringt niemanden dazu, hierher zu ziehen. Aber wenn eine Familie die Wahl hat zwischen Zürich kann der Eruv einen Unterschied machen.»

Gleichzeitig schaffe der Eruv auch eine stärkere Verbindung innerhalb der Gemeinde. Liberale und orthodoxe Juden würden sich näher kommen, weil für beide die gleichen Vorschriften gelten beziehungsweise eben nicht gelten.

Bezahlt werden soll die Errichtung und der Unterhalt des Eruvs aus privater Hand. Das ist insofern wichtig, als dass das Budget der IGB durch die hohen Sicherheitskosten sowieso schon hoch defizitär ausfällt.