Das Tagebuch der Anne Frank ist mindestens schon sechsmal verfilmt worden. Dazu gibt es ein Theaterstück, ein Hörspiel, eine Oper, ein Musical und unzählige Bücher. Unter dem Titel «Das Buch des Lebens» plante der Schweizer Regisseur Martin Rengel zudem seit Jahren einen Dokumentarfilm.

Der Fachausschuss Audiovision und Multimedia der Kantone Baselland und Basel-Stadt sprach im April 2012 aus naheliegenden Gründen einen Zuschuss von 3'000 Franken. Schliesslich ist der Anne Frank-Fonds, der akribisch über alle Anne-Frank-Rechte wacht, in Basel domiziliert.

Und mit Buddy Elias sollte ein Basler Schauspieler und enger Verwandter des Nazi-Opfers eine Hauptrolle übernehmen. Der Lokalbezug war gegeben. Anfang Dezember 2012 sollten die Dreharbeiten in Holland, den USA, England, Israel und Tschechien beginnen, und im Oktober 2013 sollte das Werk den letzten Schnitt erhalten.

Kanton reisst der Geduldsfaden

Im Sommer 2015 fragten die Geldgeber erstmals nach dem Projektstand. Ohne Resultat. Im Oktober 2016 verschärften sie die Tonlage: Werde der Film nicht innerhalb von drei Monaten realisiert, müsse das Geld vertragsgemäss zurückerstattet werden. Die Frist verlief ungenutzt. Im März 2017 forderte die Filmkommission das Geld zurück. Die Überweisung traf nicht ein.

Im April beschloss der Regierungsrat förmlich die Rückzahlung inklusive Verzugszinsen von fünf Prozent rückwirkend auf den 1. Januar. Die Mühlen der Justiz setzten sich in Bewegung.
Nun wurde auch Martin Rengel aktiv. Er legte beim Verwaltungsgericht Beschwerde gegen die Verfügung ein. Seine Argumentation ist vielfältig und klingt zumindest in einem Punkt überzeugend: Im März 2015 verstarb mit Elias sein Hauptprotagonist.

Zu diesem Zeitpunkt spielte Elias im Projekt aber längst nicht mehr die herausragende Rolle. So schob Rengel weitere Gründe vor: Er sei selber mehrfach für längere Zeit erkrankt. Und ausserdem: Im Herbst 2014 sei ein neuer Zeitzeuge aufgetaucht, dessen Existenz eine kleine Sensation darstelle.

Rengel zweifelt nicht an seinem Film. Beim Bundesamt für Kultur, bei der SRG, bei der Zürcher Filmstiftung und andernorts habe er weitere Förderanträge gestellt, sodass bei gelungener Restfinanzierung der Film 2019 fertiggestellt werde.

Verworfener Kompromiss

Rengels Begründungen sind dem publizierten Urteil des Verwaltungsgerichts zu entnehmen. Die Richter verwarfen sie jedoch in Bausch und Bogen: Selbstverschuldet und trotz mehrfacher Mahnung sei das Projekt nicht umgesetzt, und auch die mit der Förderung verbundene Mitwirkungspflicht sei nicht erfüllt worden. Die Rückforderung des Geldes sei damit rechtens.

Recherchen zeigen, dass hinter den Kulissen ernsthaft um einen Kompromiss gerungen wurde. So stand das Angebot, dass der Anne Frank-Fonds die bereits vorhandenen Filmaufnahmen dem Regisseur abkaufen würde, damit dieser zumindest einen Teil der Verpflichtungen decken könnte. Gemäss einer Replik aus dem Gerichtsverfahren geht hervor, dass bereits 30 Stunden Videomaterial gedreht und über 5000 Fotos für den Film gemacht worden sind. Statt zu einer Einigung kommt es jedoch zur weiteren Eskalation. Rengel will auf Anfrage zum Projekt keine Auskunft geben, denn er habe den Entscheid weitergezogen. Die Chance, dass das Bundesgericht mehr Verständnis zeigt, ist jedoch gering.