Am Anfang stand eine Katastrophe: der Brand bei Schweizerhalle 1986. Die Feuerwehr musste damals rasch in Erfahrung bringen, wie die möglicherweise giftigen Dämpfe sich ausbreiten würden. Die Windrichtung hätte entschieden, wo und wie rasch die Polizei Bewohner hätte evakuieren müssen, wenn noch gefährlichere Substanzen in Brand geraten wären.

Die Verantwortlichen riefen bei Meteo Schweiz, Meteofrance (am Euro-Airport) und dem Deutschen Wetterdienst (in Freiburg) an: Jeder Wetterdienst sagte eine andere Windrichtung voraus. Eine groteske Situation.

Unglück hatte Folgen

Glücklicherweise blieb Basel von einer noch grösseren Katastrophe verschont. Die Aufarbeitung führte dennoch an der Universität Basel 1987 zur Gründung des Instituts für Meteorologie, Klimatologie und Fernerkundung, das damit begann, zuerst das lokale Wetter zu modellieren. Daraus entstand in mehreren Schritten die Idee für einen Wetterinformationsdienst, erzählt Karl Gutbrod, Leiter von Meteoblue.

Dank dem Einsatz von Hochleistungscomputern der Universität konnten präzisere Wettermodelle entwickelt und berechnet werden, ausserdem gab es die Möglichkeit, die Daten über die Universitäts-Website zugänglich zu machen. Neu war, dass die riesige Datenfülle auch als Karten, Filme und 3-D-Diagramme visualisiert werden konnte. Die Anschaulichkeit bescherte dem Dienst rasch Popularität: Nach einem Jahr waren es schon 2000 bis 3000 Klicks pro Tag, was die Seite zu einer der beliebtesten des Uni-Web-Angebots machte.

Es meldeten sich auch interessierte Kunden – erste Abnahmeverträge entstanden. Im Uni-Betrieb fehlte jedoch die notwendige Zuverlässigkeit: Wenn andere Institute hohe Rechnerleistungen brauchten, waren tagelang keine neuen Wettervorhersagen verfügbar. Daraufhin gründete der Meteorologe Mathias D. Müller mit einigen Kollegen 2006 die Meteoblue GmbH, mithilfe der de-Vigier-Stiftung 2007 eine AG.

Die Firma berechnet heute aus aktuellen Daten Wettervorhersagen für jeden Ort der Welt. Dabei werden in der Vertikalen 50 Luftschichten gescannt und gerechnet. In der Horizontalen ist der Abstand der Berechnungspunkte in Mitteleuropa drei, in Südamerika immer noch 18 Kilometer. Auch spezielle geografische Umstände (Alpen, Seen etc.) werden berücksichtigt. Über einem See entstehen zum Beispiel im Sommer wegen der kühleren Oberfläche weniger Aufwinde als über einem Feld.

Daher werde die Meteoblue-Website vor allem von Bergsteigern, Segel- und Gleitschirmfliegern sowie von Landwirten geschätzt, sagt Gutbrod, der früher für Syngenta einen Wetterdienst für die Kunden des Agrokonzerns betrieb.

Gute Zusammenarbeit

Die internationale Zusammenarbeit ist beim Wetter hervorragend, weiss Gutbrod: «Selbst während des Kalten Krieges teilten sich die USA, Russland und China ihre Wetterdaten gegenseitig mit.» Daraus berechnet auch Meteoblue die hochpräzisen Vorhersagen. Insgesamt entstehen bei Meteoblue täglich etwa 50 Milliarden Einzeldaten, die alle per Website oder Datenschnittsstelle verfügbar sind. Die Berechnungen wurden im Verlauf der Jahre immer ausgefeilter.

Das verursachte auch Probleme. So entwickelten sich in der genaueren Berechnung erstmalig Windgeschwindigkeiten von über 100 Metern pro Sekunde. Das war in den Modellen noch nicht vorgesehen, es folgte ein Absturz. «Dank der ausgezeichneten Zusammenarbeit mit dem US-Wetterdienst konnten wir das Problem binnen Tagen beheben. Jetzt arbeiten wir am ersten globalen Wettermodell eines privaten Wetterdienstes, das hoffentlich noch 2013 online geht.»

In der Firma sind 10 Mitarbeitende tätig, Tendenz steigend. Kundschaft kommt inzwischen aus über 20 Ländern. Die Erwartung ist, mit Basler Präzisionstechnologie nicht nur «besseres Wetter», also Informationen, an die Kunden zu liefern, sondern auch über die Steuerung von regenerativen Energie-Erzeugern und Gebäuden zu einer effizienteren Energie-Gewinnung und -Verwertung beizutragen.