«Das ist furchtbar», sagt Christoph Wydler, ÖV-Politiker, alt Grossrat und Präsident des Neutralen Quartiervereins Neubad. Die Pläne für die Tramzukunft, die diese Zeitung publik gemacht hat, sorgen auch bei ihm für Ärger und Unverständnis.

Obwohl die Pläne vom März 2018 laut BVD «bereits wieder überholt» sind: Sie geben viel zu diskutieren. Gerade im Neubadquartier, wo man sich nicht damit abfinden will, dass das 8er-Tram nicht mehr via Barfüsserplatz und Mittlere Brücke verkehren soll, sondern via Wettsteinplatz und Claragraben.

Auch Basta-Grossrat Beat Leuthardt macht sich Sorgen um die Linie, allerdings wegen des anderen Endpunktes. «Die Leute in Kleinhüningen und im Klybeck werden vom Stadtzentrum abgehängt», sagt er. Dies könne auch den Weilern nicht gelegen kommen. Ihnen habe man ja versprochen, sie könnten direkt in die Innenstadt fahren.

In der Tat: 2014, zur Eröffnung der grenzüberschreitenden Linie, hatten sich die Politiker aus beiden Ländern dahingehend geäussert, dass die Basler Innenstadt mit dem 8er für Weiler attraktiver werde. Ob das so bleibt, wenn das Tram nicht mehr über die Mittlere Brücke fährt? Leuthardt bezweifelt es. Wydler kritisiert derweil: «Es kann nicht sein, dass jeder aus dem Leimental direkt in die Innenstadt fahren kann – und wir aus dem Neubad nicht.»

Leuthardt ist Urheber einer Motion zum Tramnetz, die von Angehörigen aller Parteien unterschrieben wurde. Er sieht einige gute Ansätze im Vorhaben der Verwaltung, aber deutlich mehr Probleme: «Wir Motionäre wollen zum Beispiel eine Ringlinie 15/16, die allen etwas bringt. Etwa einen direkten Anschluss für die Bruderhölzler und Gundelianer via Petersgraben an die Schifflände. Die Verwaltung will das einkürzen und so das Gundeli/Bruderholz von allen Lebensadern der Innenstadt abschneiden», poltert der Teilzeit-Drämmliführer.

Lieber nach rechts

Die Petersgrabenlinie sei ein gutes Projekt, eines, für das auch er sich einsetze, sagt Leuthardt. Aber: «Man muss es auch gut nutzen.» Er will den 16er hier entlang durchführen und unten am Berg nach rechts zur Schifflände abbiegen lassen. Bereits beim Bau brauche es Weitsicht, moniert Leuthardt: Zum Beispiel eine Geleiselage, die im oberen Teil rechts der Strasse verlaufe und erst im unteren entlang Strassenmitte. Dies sei im Interesse der Herbstmesse und anderer Veranstaltungen, aber auch der Fahrradfahrer.

Leuthardt wie auch Wydler gehen in einem Punkt mit der Regierung einig: Sie wollen weniger Tramlinien in der Innenstadt, also im Nadelöhr in der Talsohle zwischen Barfi und Rhein. «Aber nicht so», sagt Leuthardt. «Es soll für alle ein Gewinn sein, beispielsweise indem die Doppelhaltestellen wegkommen.» Davon würden Fussgänger, Velofahrer und Gehbehinderte profitieren. Das gehe aber nicht, wenn, wie vom Kanton geplant, der 11er im 3,5 Minuten-Takt durch die Innenstadt fahre.

«Die Planer in ihrer unermesslichen Weisheit wollen diese Lücke gleich wieder stopfen und drücken eine nächste Tramlinie rein», so Leuthardt. Er will nun erreichen, dass seine Motion auch als solche an die Regierung geht, als verbindlicher Auftrag. Und nicht, wie es zuletzt oft der Fall war, «zum Anzug abgewürgt wird». Denn die Verwaltung halte sich nicht an die Vorgaben des Parlaments. Das hatte auch der Präsident der grossrätlichen Verkehrskommission, Michael Wüthrich, bereits in der bz vom Montag bemängelt.