Fast 40 Museen umfasst das Label «Basler Museen». Fünf davon haben besonderen Stellenwert: Sie sind staatlich. Und in vieren dieser fünf stehen zukunftsweisende Entscheidungen an. Im Historischen Museum ist die Nachfolge der geschassten Direktorin Marie-Paule Jungblut pendent. Im Kunstmuseum muss der kaufmännische Leiter ersetzt werden. Auch das Naturhistorische hat noch keinen neuen Direktor; Christian Meyer wird sich Mitte 2017 frühpensionieren lassen – die Stelle wurde schon im vergangenen Januar ausgeschrieben. Dazu steht zwei Museen ein Grossereignis ins Haus: Das Naturhistorische soll im St. Johann ein neues Heim finden, das Antikenmuseum soll dessen jetzigen Standort am Münsterhügel erben. Gerade jetzt wäre es gut, gäbe die Museumsstrategie die Richtung vor. Doch die fehlt schon lange.

Forderung sieben Jahre alt

Im Jahr 2009 hat der Grosse Rat ein entsprechendes Papier von der Regierung gefordert, das die zentrale Frage beantwortet, was der Kanton von seinen Museen will – also nur ein Jahr, nachdem Morin das Präsidialdepartement übernommen hatte. Die Publikation hat sich immer wieder verzögert. Im Frühling versprachen Regierungspräsident Guy Morin (Grüne) und sein Chefbeamter, Philippe Bischof in einem «BaZ»-Interview, «noch in diesem Herbst» das lang ersehnte Konzept dem Parlament vorzulegen.

Inzwischen ist November – und es gibt wenig Anzeichen, dass die Regierung bald handeln will. Will Morin dieses heisse Eisen in den letzten Wochen seiner Regentschaft nicht mehr anfassen? Was hat zur Verzögerung geführt? Wie beurteilt das Präsidialdepartement den Umstand, dass gerade jetzt dieses Dokument hilfreich wäre? Morin will der bz diese Fragen nicht beantworten. Über seine Pressestelle lässt er einzig ausrichten: «Da müssten sie sich noch gedulden mit den Antworten, bis der Regierungsrat zum Geschäft kommuniziert.» Wortmeldungen gibt es dafür aus dem Grossen Rat, beispielsweise aus der Kultur- und Bildungskommission. Diese behandelt aktuell das Budget für die Museen 2017. Über 45 Millionen gibt der Kanton jährlich für seine Museen aus. «Da wäre es sinnvoll, wir hätten die Strategie des Kantons vorliegen», sagt etwa Ernst Mutschler (FDP). Es sei «unangenehm, wie wir immer vertröstet werden». «Wenn Morin das Geschäft ernst nähme, würde er die Veröffentlichung nicht immer wieder verschieben», pflichtet ihm FDP-Präsident und Kommissionskollege Luca Urgese bei.

Inzwischen wird gar Kritik aus den eigenen Reihen laut. SP-Grossrat Martin Lüchinger sagt: «Es ist schade, dass es so lange dauert.» Noch Anfang Oktober habe die BKK beim Präsidialdepartement um das Dokument gebeten. Gemäss Lüchinger hat Bischof damals zu Protokoll gegeben, die Museumsstrategie werde «in den nächsten Wochen» ausgehändigt». Auch GPK-Präsident Tobit Schäfer (SP) nennt die Situation «unbefriedigend»: «Es stehen konkrete Entscheidungen an, die der Grosse Rat ohne Gesamtsicht der Situation fällen muss», sagt er und nimmt die Gesamtregierung in die Mangel: «Die Regierung tut sich generell schwer mit dem Veröffentlichen von Strategien, weil sie im Nachhinein daran gemessen wird.» Als Beispiel nennt er das Festivalkonzept, das schon 2010 im Kulturleitbild angekündigt worden ist und ebenfalls noch aussteht.

Ackermann schweigt

Lüchinger fügt einen Gedanken an: «Es ist möglich, dass die Regierung noch zuwarten will, weil das Amt von Guy Morin bald neu besetzt wird.»

Designierte Nachfolgerin ist seit dem Rückzug von Baschi Dürr die Grüne Elisabeth Ackermann. Sie will allerdings die Verzögerung ihres Parteikollegen nicht kommentieren.