Eigentlich ist noch Pause, die meisten Redaktionsmitglieder sind aber schon wieder eifrig bei der Arbeit. Schliesslich gibt es noch viel zu tun. Der Terminkalender ist voll und die Zeit knapp. Die jungen Journalistinnen und Journalisten im Kinderbüro Basel sind zwischen acht und elf Jahre alt und arbeiten zurzeit an der neusten Ausgabe der Kinderzeitung «Bebbi Kids».

Vor einem Bildschirm diskutiert die Projektleiterin Marina Peter mit zwei Nachwuchsjournalistinnen über die richtige Wortwahl. «Wollen wir dieses Verb noch reinnehmen?», fragt sie. Die Kinder schütteln den Kopf. Sie sind sichtlich keine Fans von zusätzlichen Verben. Einen Computer weiter sitzt die elfjährige Reyhan. Sie schreibt gerade an einem Erfahrungsbericht über die Zeit auf der Kinderredaktion. Danach wird sie das Interview mit FCB-Spielerin Yasmin Bunter abtippen. «Das Interview war cool. Ich wollte es unbedingt machen, weil mich der Unterschied zwischen Frauen- und Männerfussball interessiert», sagt Reyhan.

Auf der anderen Seite des Raumes wird ununterbrochen gekichert und gelacht. Der neunjährige Emanuel und der zwölfjährige Gökdeniz schauen sich auf Youtube «Pranks» an. In den kurzen Videos spielen Youtuber ihren Freunden oder fremden Menschen auf der Strasse Streiche und filmen deren Reaktionen. Solche Pranks wollen die beiden auch in die Zeitung bringen. In welcher Form genau wird später diskutiert. Erst einmal muss Inspiration gesammelt werden.

Recht auf Information

Die Kinderzeitung ist ursprünglich eine Idee des Kinderbüros «KinderMitWirkung». Mittlerweile ist es ein Kooperationsprojekt zwischen bz und Kinderbüro Basel. Dieses Projekt geht davon aus, dass Kinder meistens selbst sehr gut wissen, was sie brauchen, und bietet ihnen deshalb die Möglichkeit, ihre Wünsche und Bedürfnisse über das gemeinsame Leben in der Stadt zu äussern. «Die Kinder lernen demokratische Werte und Prozesse kennen und erleben sich als Menschen, die etwas bewirken können», beschreibt das Projekt seine Intention.

Kritisch hinterfragen

Wer etwas bewirken will, muss auch lernen, kritisch zu hinterfragen und vor allem Zugang zu Informationen haben. Gerade in Zeiten von Informationsüberflutung, Fake News und populistischen Kräften scheint sich die kritische Auseinandersetzung mit Medien zu einer entscheidenden Kompetenz zu entwickeln.

Die Kinderzeitung bezieht sich unter anderem auf den Artikel 17 der UN-Konvention über die Rechte des Kindes, der festhält, dass Kindern der Zugang zu angemessenen Informationen zusteht. Die Kinderzeitung soll deshalb eine Zeitung von Kindern für Kinder werden, die unterhaltsame und auch tiefgründige Themen so wiedergibt, dass sie für Kinder verständlich sind.

Wie eine Zeitung für Kinder am besten gestaltet wird, diskutierten die Mitglieder der Kinderredaktion nach der Pause. Professionelle Unterstützung erhalten sie dabei von Salome Vogt, die bei der bz im Bereich Marketing und Produktion arbeitet. Sie stellt ihre Layout-Vorschläge vor, danach wird in der grossen Runde darüber diskutiert. Bei Gökdeniz kommt die Idee der Fotostory nicht so gut an: «Ich finde mehr geschriebenen Text besser als so viele Bilder. Weil mit Bildern kann man ja dann doch nicht so viel sagen». Die achtjährige Léanne sieht das anders: «Wir müssen auch an die jüngeren Kinder denken, die noch nicht so gut lesen können. Für die wäre eine Fotostory besser». Für das grosse Sportinterview ist ein ganzseitiges Bild geplant. Die Kinder wünschen sich aber lieber mehrere kleine Fotos.

Schliesslich durften sie das Interview mit ihrem Fussballidol führen und sind unglaublich stolz auf die vielen tollen Fotos, die dabei entstanden sind. Wen sie interviewt haben, soll bis zur Veröffentlichung der Zeitung Mitte November noch ein Geheimnis bleiben.

Eine der engagiertesten Nachwuchsjournalistinnen ist Greta. Sie ist neun Jahre alt und mittlerweile schon zum dritten Mal dabei. Greta mag es viel lieber Reportagen zu schreiben als klassische Interviews zu führen: «Bei den Reportagen kann ich viel mehr erzählen, als wenn ich nur die Fragen und Antworten aufschreibe.»