Sabine Freuler verlangt volle Konzentration. «In zwei Reihen, zackzack, böödälä», ruft sie durch den Raum mit der verspiegelten Wand. 16 junge Stepptänzer – 14 Mädchen, zwei Knaben, eben noch aufgeregt schnatternd – stellen sich in zwei Reihen auf. Trainerin Freuler klatscht den Rhythmus für den zu übenden Abschnitt vor: Da-ba-da-da-ba-di-pi-da. Ein Mädchen in der vordersten Reihe starrt etwas abwesend in den Raum. Freuler winkt ihr ins Gesicht. Sie verlangt volle Konzentration.

Eine Choreographie der Tanzwerk-Stepper

Eine Choreographie der Tanzwerk-Stepper

Vergangenen Mittwochabend im Übungskeller der Stepptanzschule Tanzwerk im Dreispitz: Freulers Formation tanzt die Hauptprobe für die Stepptanz-Weltmeisterschaft, die von Dienstag bis Freitag im ostdeutschen Riesa stattfindet. Freuler fährt seit vielen Jahren mit Nachwuchsstepperinnen und -steppern an die WM. Dieses Jahr präsentieren sie ein ganz spezielles Programm, zusammengestellt von Freuler: In urchigen Klamotten steppen sie zu den traditionell-modernen Volksmusikklängen der Gruppe Pflanzplätz. Acht Mädchen in Tracht und acht Jungen im Schwingertenue, die stepptänzerisch miteinander flirten, ausgehen und tanzen – wobei einige der Mädchen in die Zwilchhosen steigen müssen, weil zu wenig Jungs dabei sind.

Anstrengende Eleganz

Mal sachte und elegant, mal kräftig und schnell lassen die jungen Tänzerinnen und Tänzer ihre Eisen an den Schuhen auf den Boden hinabsausen. Das Klackern im Übungskeller ist ohrenbetäubend. Zweierreihe, Diagonale, Kanon – drei Minuten und 41 Sekunden steppen im Rhythmus. Der Zuschauer mit dem Rhythmusgefühl einer Topfpflanze staunt. Freuler ist derweil mit dem Schluss noch nicht ganz zufrieden, lässt die Formation nochmals antreten. Ihren Schützlingen wird heiss unter den Kostümen. «Die Bewegung beim Steppen kommt aus den Beinen, nicht nur aus den Fussgelenken», erklärt Simona. So elegant der Tanz ist, so anstrengend ist er auch.

Solo Stepptänzerin

Eine junge Stepptänzerin tanzt ihr Solo

Freuler blickt zuversichtlich Richtung WM: «Ich habe ein total gutes Gefühl.» Die Mädchen und Jungen – darunter viele Schweizermeister und mit Noë Zimmermann sogar ein Vize-Weltmeister – seien zu einer tollen Gruppe geworden, seien hochmotiviert. Seit Juni haben sie hart trainiert: ein- bis zweimal unter der Woche, dazu an vielen Wochenenden und jeden Tag zuhause. Viele steppen auch im Nationalteam, pendelten zwischen Trainings in Basel, Lausanne und Winterthur. Dass ihre Juniorinnen und Junioren das urchig-schweizerische Programm mit grosser Freude tanzen, hat Freuler anfangs erstaunt: «Ich dachte, sie würden die Krise kriegen, wenn ich mit Schweizer Folklore komme.»

Das Ziel von Freuler und ihrer Formation ist der Halbfinaleinzug. Das Zückerchen wäre der Final, der jeweils ein paar hundert Zuschauer anzieht. In Sachen Bühnenerfahrung sind die Tanzwerk-Stepper, obwohl erst zwischen neun und 15 Jahren alt, bereits routiniert. Vor kurzem hatten sie einen Gastauftritt bei der Swiss Junior Drum Show im Musical Theater Basel vor fast 1000 Zuschauern. Die Zeit des Trainings ist bald vorbei. Die Formation hat ihren Auftritt am Donnerstag, ebenso die beiden Quartette. Federica Barbieri tritt heute ausserdem im Solo auf. Bis dahin gilt: volle Konzentration.