Wer dieser Tage das Büro des Basler Clubs Nordstern betritt, trifft eine Nachteule mehr an als noch zu Jahresbeginn. Keine, die tanzt. Sondern eine, die rumsteht. Eine goldene Trophäe. Zum sechsten Mal bereits hat der Nordstern bei der Vergabe der Swiss Nightlife Awards gewonnen. Die Preisträger werden jeweils durch eine Jury und mittels Publikumsvoting ermittelt. Eine Zürcher Erfindung, diese Swiss Nightlife Awards. Dass sich der Basler Club so stark behaupten kann, spricht nicht nur für die Kontinuität, sondern auch für die Qualität, die der Nordstern bietet. Eine Anerkennung für Agron Isaku, der die Nordstern GmbH führt. «In der Kategorie Bester Club haben wir bereits zum vierten Mal gewonnen», sagt er stolz, «einmal zudem erhielten wir eine Eule für die beste neue Location.»

Neue Location? Stimmt ja. Der Technoclub hat 2016 den Standort gewechselt, weiterhin mit dem Anspruch, Weltklasse-DJs zu buchen, von Sven Väth bis Carl Craig. Letzterer, ein Techno-Pionier aus Detroit, lobte den Nordstern als bestklingenden Club des Planeten. Das Soundsystem wird weltweit geschätzt, ebenso die unkonventionelle Ambiance.

Schwieriger Standort

Wo Licht ist, ist aber auch Schatten. Gerade im Nachtleben. Ein Schatten, der über dem Nordstern liegt, ist mit der neuen Location verbunden: dem Schiff. Vor knapp zwei Jahren musste der Club unfreiwillig ins Kleinbasel dislozieren. Die IWB setzte der Zwischennutzung am Voltaplatz nach 15 Jahren ein Ende, weil sie diese Räume selber nutzen wollte. Was allerdings kaum der Fall ist (Schweiz am Wochenende vom 21. Januar).

An den alten Standort führten die drei Tramlinien 1, 8 und 11. Seit Sommer 2016 liegt der Nordstern im Bauch des Schiffs Expostar, fast beim Dreiländereck. Vom Bahnhof SBB an den Westquai dauert die Reise deutlich länger. «Der Hafen ist nicht wirklich eine attraktive Gegend», sagt Agron Isaku. «Keine Frau läuft nachts gerne von der Tramhaltestelle zum Schiff.» Der Nordstern-Besitzer hatte sich den Standort-Wechsel einfacher vorgestellt. Zwar ist der Hafen im Sommer belebt, jetzt aber, im Winter, ist die Gegend unwirtlich. Kommt hinzu: Der Nordstern liegt in einer Sackgasse, was den Besucherstrom angeht. Und tagsüber läuft nichts.

Da hilft auch das Entgegenkommen der Stadt nicht, die dem Club eine 24-Stunden-Bewilligung gegeben hat, oder die Tatsache, dass die Hälfte der Besucher aus der ganzen Welt anreist. Er sei wohl zu euphorisch gewesen, als er sich für den Standortwechsel entschied, sagt Isaku. Und das ursprüngliche Konzept habe sich nicht erfüllt.

Der Nordstern-Betreiber blickt von seinen Büros über den Voltaplatz, auf die alte Wirkungsstätte. Tempi passati, ebenso, was am Eingang klein angeschrieben steht: Luis AG. Diese Aktiengesellschaft hatte Isaku mit Simon Lutz zusammen gegründet.

Isaku ist aus Luis AG ausgestiegen

Gemeinsam, so ihr Plan, wollten sie das Schiff pachten und betreiben. Der Nordstern würde sich um den Clubbetrieb kümmern, Simon Lutz um die Gastronomie.

Dass die gemeinsame Website bis heute «under construction» ist: vielsagend. Die Partnerschaft kam nie richtig zum Laufen. Simon Lutz setzte seinen Plan eines «Acqua im Exil» nicht um, er blieb mit seinem Ristorante im Nachtigallenwäldeli. Der Club war mit seinen Partynächten, die sich aufs Wochenende konzentrieren, die einzige verlässliche Einnahmequelle. Und das nach hohen Umbaukosten.

Am 22. Dezember 2017 erklärte Isaku seinen sofortigen Rücktritt als Verwaltungsrat der Luis AG. Trotzdem sei er noch immer zu 50 Prozent an der gemeinsamen Aktiengesellschaft beteiligt, sagt er. Und die Luis AG vermietet der Nordstern Enterprise GmbH das Schiff.

Und wie geht es weiter auf der Expostar? Mit Partys, wie heute Samstag. Und mit einer Ausstellung, die am 1. März Vernissage feiert. Die Keiyo Art Gallery zeigt auf dem Mitteldeck Naturfotografien. Derweil arbeitet Simon Lutz unweit des Nordsterns: Im Frühjahr will er einen alten Hafenkran beleben. Mit einem Gastrokonzept, das an jenes erinnert, das einst auf dem Nordstern-Schiff versprochen war.