Die Nachricht kam abrupt: Mit sofortiger Wirkung hat die Rock & Roll-Bar «Red Rocks» am Freitag ihren Betrieb eingestellt. Bis vor wenigen Tagen spielten hier Abend für Abend Rock-, Country-, Folk- und Metal-Bands live auf der Bühne. Jeweils am Freitag und Samstag veranstaltete das Team Partys mit DJs aus der Region. Erst im vergangenen Frühling hat der heutige Geschäftsführer Raphael Bonato das Lokal übernommen. Innerhalb von wenigen Monaten entwickelte sich der Betrieb in der Szene zu einem beliebten Eventlokal. Den Umsatz hat Bonato laut eigener Aussage verdreifacht. Trotzdem sind die Türen nun geschlossen.

Wirtepatent fehlt

An den Scheiben hängen weisse Zettel mit einem QR-Code. Dieser führt zur Facebook-Seite von Red Rocks. «Liebe Leute, sehr schlechte News!» ist dort zu lesen. In einem ausführlichen Beitrag erklärt Geschäftsführer Bonato die Gründe für die Schliessung. Offenbar haben «administrative und buchhalterische Ereignisse aus der Vergangenheit» das Red Rocks in den Ruin getrieben. «Mein Team und ich haben all unsere Zeit und Kraft in das Red Rocks investiert, aber schliesslich haben uns die Schulden aus der Vergangenheit eingeholt», sagt Bonato gegenüber der bz.

Bevor er im Februar die Geschäftsleitung des Lokals übernommen hatte, war Raphael Bonato dort bereits einige Jahre als Mitarbeiter angestellt. Er kannte also auch die schwierige finanzielle Lage des Betriebs: «Mir ist durchaus bewusst gewesen, dass es einen grossen Berg abzubezahlen gibt. Den kompletten Durchblick hatte ich allerdings nicht.» Das wurde ihm nun zum Verhängnis. Vor der Übernahme durch Bonato hat Inhaber Richard Plüss den Betrieb geführt. «Damals hatte das Lokal nicht den besten Ruf. Es war eher eine Location für Partys.

Wir haben das Konzept dann komplett geändert und vermehrt auf Live-Musik gesetzt», erklärt Bonato. Die Strategie war erfolgreich. Der Umsatz hat sich gesteigert. Um die kompletten Schulden aus der Vergangenheit abzubezahlen, hat es aber nicht gereicht.

Im Herbst kam dann noch ein zweites Problem dazu: Dem Geschäftsführer fehlt das Wirtepatent. Vergangene Woche ist die Gnadenfrist abgelaufen und Bonato die Betriebsbewilligung entzogen worden. «Bis ich die Prüfung abgeschlossen habe und eine neue Bewilligung bekomme, dauert es mindestens vier Wochen», schätzt Bonato. Ohne Umsatz könne er so lange aber keine Löhne bezahlen. Deshalb hat er beschlossen, gleich ganz zu schliessen. Komplett aufgegeben hat er das Red Rocks allerdings noch nicht.

Hoffnung bleibt

Bereits zwei Stunden, nachdem Bonato die Schliessung bekannt gemacht hatte, erstellte einer seiner treusten Kunden eine Facebook-Gruppe, in der er zum Spenden aufruft – mit Erfolg. Mittlerweile sind der Gruppe fast 500 Mitglieder beigetreten. Raphael Bonato plant nun, die Idee aufzunehmen und mit Crowdfunding Geld zu sammeln. «Wenn wir 50'000 Franken zusammenbekommen, könnten wir all unsere Pläne umsetzten und das Red Rocks weiterführen wie bisher», sagt der Geschäftsführer.