Kinderbetreuung mit Bibelgeschichte: Diese Zeiten sind vorbei. Der Religionsunterricht von heute soll modern sein, angepasst an den Standard der anderen Schulfächer. «Das Bild hat sich gewandelt», bestätigt Richard Atwood, Rektor des Religionsunterrichts in Basel-Stadt: «Unser Religionsunterricht ist schlicht und einfach ein gutes Produkt und unsere Lehrpersonen sind hervorragend ausgebildet». Ein paar hartnäckige Kritiker gäbe es zwar noch immer. Doch der Religionsunterricht sei heute vollständig ins schulische Angebot integriert und auf eine heterogene Schülerschaft zugeschnitten.

Das positive Urteil, das Atwood dem Basler RU ausstellt, wurde in einer Mitgliederbefragung, die die Evangelisch-reformierte Kirche Basel-Stadt (ERK) 2017 vornehmen liess, bestätigt. Im Jahresbericht der ERK BS heisst es: «Mit 51% und mit grossem Abstand zu anderen Optionen am wenigsten sparen soll die Kirche beim Religionsunterricht». Dieser sei zentral, wenn es um die öffentliche Wahrnehmung kirchlicher Leistungen geht.

Spürbare Einsparungen

Trotz dem Wunsch, den die ERK-Mitglieder in der Befragung äusserten, konnte der RU den aktuellen Sparmassnahmen der Kirche nicht gänzlich entgehen. Rund eine Million, knapp ein Drittel der aktuell zur Verfügung stehenden Mittel, soll in den nächsten Jahren gekürzt werden. Obwohl ein Grossteil dieser Sparziele erst bis 2025 erreicht werden müssen, sind die finanziellen Einschnitte auch hier spürbar. Ab dem Schuljahr 18/19 wird in der 3. Klassenstufe und ein Jahr später auch in der 4. Klassenstufe nur noch eine, statt zwei Lektionen pro Woche erteilt.

Dies ist bisher bereits in den ersten und zweiten Primarschulklassen der Fall. Diese Kürzung der Lektionen sei durchaus ein schmerzlicher Verlust, so Atwood: «Das bereitet den Lehrpersonen natürlich Bauchschmerzen. Allerdings ist es positiv zu werten, dass wir den Abteilungsunterricht, also Unterricht mit jeweils einer halben Klasse, beibehalten können». Dies sei bereits in vielen anderen Kantonen nicht mehr der Fall, denn Abteilungsunterricht ist für die Kirchen teurer, als Ganzklassenunterricht. Für die Schulen sei er dennoch ein Gewinn: «Im Abteilungsmodell sind wir kompatibler mit der gesamten Unterrichtsstruktur», erklärt Atwood.

Revision war notwendig

Die Kompatibilität des Religionsunterrichts mit dem Unterrichtsplan der restlichen Fächern soll nun ein neuer ökumenischer Lehrplan weiter fördern. Diesen hat in den vergangenen zwei Jahren eine Arbeitsgruppe, bestehend aus den jeweiligen Rektoren und Konrektoren der ERK und der römisch-katholischen Kirche Basel-Stadt, sowie jeweils zwei Lehrpersonen, ausgearbeitet.

Höchste Zeit, meint Atwood: «Der alte Stoffplan ist nun bereits seit 20 Jahren kaum verändert intakt. Dass eine Revision notwendig ist, war uns schon lange bewusst». Absichtlich habe man jedoch die Anlaufphase des «Lehrplan 21» abgewartet, an welchem sich der neue Religionslehrplan zu einem grossen Teil orientiert. «Uns war jedoch von Anfang an klar, dass wir uns nicht nur auf Kompetenzvermittlung konzentrieren können, sondern es immer auch um den Inhalt gehen sollte», präzisiert Atwood. Auch wenn die Regelung des Religionsunterrichts von Kanton zu Kanton anders aussehe, sei diese Haltung im Schweizerischen Kontext durchaus Standard.

Der neue Lehrplan ist zwar noch nicht publiziert, jedoch fast fertig ausgearbeitet. Bis August 2019 soll er an den Basler Schulen implementiert werden. Das wird Richard Atwood zumindest in seinem Amt als Rektor des reformierten Religionsunterrichts in Basel nicht mehr erleben. Anfang Juni wurde bekannt, dass Atwood im April des nächsten Jahres pensioniert wird. Seine Nachfolgerin wird die Pfarrerin Ursula Schubert-Süsstrunk, die seit zehn Jahren als Fachstellenleiterin Religionspädagogik in Chur tätig ist.