Am Klybeckfest war die Ablehnung gegen ein «Rheinhattan» förmlich zu spüren: An einem Ort konnten Besucher mit Bällen Hochhäuser fällen, bei der «Aktion Autark Klybeck» Solarvögel löten. Der nächste Stand informierte über nachhaltige Stadtentwicklung und eine Gruppe verkaufte T-Shirts mit dem Aufdruck «Rheinhattan versenken». Ein gleichnamiger Blog ging erst kürzlich online und lädt zur Quartierversammlung gegen die Hochhausinsel.

Aktiv zum richtigen Zeitpunkt

Hinter den Aktionen steckten einzelne Anwohnergruppen. Doch aus den einzelnen Gruppen wird bald organisierter Widerstand: «Wir werden eine Interessengruppe gründen, um die Stadtentwicklung kritisch und kreativ zu begleiten», sagt Daniel Reichmuth auf Anfrage. Der Künstler lebt und arbeitet an der Klybeckstrasse und steht mit Anderen hinter der «Aktion Autark Klybeck».

Der Aufbau der IG habe erst begonnen, sagt Reichmuth. An der ersten Sitzung der noch namenlosen Gruppierung nahmen etwa 25 Personen teil. «Wir sind sehr breit im Quartier abgestützt», sagt Reichmuth. Wer «wir» ist, wollte er noch nicht im Detail sagen, dafür sei es noch zu früh. Sicher ist, dass sich eine Interessengemeinschaft aus der Wohngenossenschaft Klybeck beteiligen wird.

«Wir sind Quartierbewohner, die sehr stark von den anstehenden Veränderungen betroffen sind», sagt Reichmuth. Darum sei es wichtig, dass die Quartierbevölkerung in die Planung einbezogen werde: «Wir wollen ein faires Konzept und nicht nur Geldmaschinen.» Es gehe nicht darum, verdichtetes Bauen und Hochhäuser zu verhindern: «Es braucht Wohnraum, aber es braucht auch Freiraum.» Vorstellbar sei, ein eigenes Projekt parallel mit den Architekten in der Gruppe zu erarbeiten. Geplant sei, eine Internetplattform und allenfalls ein Koordinationsbüro mit Angestellten aufzubauen, um den ganzen Prozess kritisch zu begleiten. Finanzieren wollen sich die Quartierbewohner über Stiftungen und Spenden. Noch ist es für den Widerstand nicht zu spät, denn es ist längst nicht definitiv entschieden, wie das ehemalige Hafenareal künftig aussehen wird: Der Grosse Rat wird erst 2014 über den Bebauungsplan entscheiden.

Neue IG wird begrüsst

Der Neutrale Quartierverein Unteres Kleinbasel, der in das Mitwirkungsverfahren für die Hafen- und Stadtentwicklung eingebunden ist, begrüsst das Engagement aus der Bevölkerung: «Es ist wichtig, dass auch Szenarien ausserhalb dieses Verfahrens eingebracht werden», sagt Präsident Christian Vontobel. Das Thema werde dringlich und es sei wichtig, zwischen der politischen Debatte und dem bereits laufenden Mitwirkungsverfahren zu unterscheiden. Eine solche IG könne die grundsätzliche Frage aufwerfen, ob es ein «Rheinhattan» brauche, in einer Mitwirkung sei dies nicht möglich.