Beat Jans, welches Lösli haben Sie erwischt?

Da steht «Hitze»...?

Keine Sorge, wir reden nicht nur übers Wetter. Aber zunächst: Mögen Sie es heiss?

Ja. Der Sommer ist meine liebste Jahreszeit, ich fühle mich wohl bei Hitze. Wobei, zu heiss ist dann auch nicht angenehm – wir wohnen unterm Dach.

Bald stehen die Sommerferien an. Wo zieht es Sie hin?

Wir haben mit Verwandten ein Haus in der Provence gemietet. Ich freue mich riesig, für meine beiden Töchter wird das auch ein grosses Fest, sie sind gern mit ihren Cousins und Cousinen zusammen.

Wie reisen Sie da hin? Auto oder Flugzeug?

Weder noch. Wir nehmen den Zug. Ein Auto besitzen wir gar nicht.

Sie müssen mit gutem Beispiel vorangehen, sind Sie doch Mitglied der nationalrätlichen Umweltkommission und setzen sich für den Klimaschutz ein. Verreisen Sie nie mit dem Flugzeug?

Doch. Das ist der grosse Kompromiss, den ich mit meiner Ehe eingehen musste. Meine Frau ist Amerikanerin; die Verwandtenbesuche sind stets mit Flugreisen verbunden. Damit hat sich mein ökologischer Fussabdruck ziemlich verschlechtert. Nichtsdestotrotz fordere ich, dass das Fliegen besteuert wird. Fliegen ist viel zu billig. Und Airlines müssen Anreize erhalten, um in saubere Energie zu investieren.

Tun sie doch bereits. Easyjet arbeitet an der Entwicklung eines elektrischen Passagierflugzeugs.

Es geht was, ja. Damit sich die alternativen Energien durchsetzen, muss allerdings der Preis von Kerosin rauf. Das wird zurzeit in der Umweltkommission diskutiert.

Kommende Woche beginnt die Sommersession. Gibt es Kollegen, auf die Sie sich besonders freuen?

Ich bin jetzt acht Jahre in Bern unterwegs, spiele Fussball im FC Nationalrat. Da entwickeln sich schon Freundschaften! Mit den Parteigenossen Eric Nussbaumer und Matthias Aebischer etwa, aber auch über die Parteigrenzen hinweg. So verstehe ich mich mit meinem Lieblingsgegner Christian Wasserfallen von der FDP erstaunlich gut, oder mit Pierre-André Page, Bauer aus der Westschweiz und Mitglied der SVP.

Gibt es diesen Stadt-Land-Graben im Parlament also nicht mehr?

Doch! Der Nationalrat ist von der Sitzverteilung her viel zu ländlich aufgestellt. Die Städte haben zu wenig Einfluss, wenn man die Bevölkerungszahlen und ihre Rolle als Wirtschaftsmotoren berücksichtigt. Es gab schon etliche Vorstösse dazu. Dass zum Beispiel alle grossen Städte einen Sitz beanspruchen können. Aber die Idee ist nicht mehrheitsfähig. Das ärgert mich.

Gab es schon Situationen, in denen Sie die Contenance verloren haben? In der Hitze des Gefechts?

Nein. Ich bin ein geduldiger Mensch, und Andersdenkende interessieren mich, ich will das Gespräch mit ihnen. Deshalb flippe ich in einer Debatte nicht aus.

Da war doch dieses Streitgespräch mit der Basler Finanzdirektorin Eva Herzog in der «Tageswoche», zur Unternehmenssteuerreform III. Da mussten sie sich schon zusammenreissen...

(lacht).... Wenn man unterschiedlicher Meinung ist, kann es durchaus mal hitzig werden. Das ist doch normal. Wichtig ist, dass man nicht verletzend wird.

Wie ist Ihr Verhältnis heute? Sie wollen als Nachfolger von Anita Fetz für den Ständerat kandidieren. Herzog galt schon lange als gesetzt.

Ich habe überhaupt keine negativen Gefühle ihr gegenüber. Natürlich, jetzt ist eine Konkurrenzsituation entstanden, die vorher nicht da war. Es wäre gelogen, wenn ich sagen würde, dass das die Beziehung zu ihr nicht belastet.

Könnte ein solcher interner Machtkampf nicht der Partei schaden?

Es ist doch als Vorteil für die SP anzusehen, dass sie eine Wahl hat! Ich empfinde meine Kandidatur als Angebot, nicht als Machtanspruch.

Gibt es Stimmen, die sagen, Sie nehmen einer Frau den Platz weg?

Das habe ich schon gehört. Aber man muss es doch so sehen: Wenn ich in den Ständerat gewählt werde, wird ein Platz für eine Frau im Nationalrat frei.

Warum haben Sie sich zu diesem Schritt entschieden?

Ganz einfach: Weil ich es gerne machen würde. Und das gut. Weil ich acht Jahre Erfahrung im Nationalrat mitbringe.

Keine Gewissensbisse Eva Herzog gegenüber?

Anfänglich gabs solche Gedanken. Dann habe ich mich gefragt: Warum ist sie eigentlich gesetzt? Ich denke, meine Parlamentserfahrung ist wertvoller als ihre Regierungserfahrung; die einflussreichsten Leute im Ständerat heute haben alle ihre Erfahrungen im Nationalrat gesammelt.

Dann räumen Sie sich die grösseren Chancen für die Nomination ein?

Das kann ich nicht beurteilen.

Wie bringen Sie sich in Position?

Ich ändere nichts an meiner Arbeit. Engagiere mich in meinen Themenbereichen. Das ist der beste Leistungsausweis. Ich verbiege mich nicht, um jemandem zu gefallen. Als Vizepräsident der SP Schweiz denke ich vielmehr an die Wahlen im Herbst 2019, daran, wie die SP zulegen kann.

Sie gelten als Arbeitstier, das sich voll für seine Partei einsetzt. Das Nationalratsmandat ist auch nicht ohne; dazu haben Sie sich im Bereich Kommunikation und Nachhaltigkeit selbstständig gemacht. Wie bekommen Sie alles unter einen Hut?

Ich habe mein berufliches Engagement auf ein Minimum runtergeschraubt. Das gibt mir mehr Zeit für Politik, auch für die Familie. Das ist nur möglich, weil meine Frau berufstätig ist.

Ihre Frau ist Amerikanerin – wie haben Sie sie eigentlich kennengelernt?

In der Hitze (lacht). Im Jahr 2000 nahm ich ein Time-out und reiste nach Hawaii, um das Wellenreiten zu lernen. Dabei ist mir das Surfbrett auf den Kopf geknallt, und ich musste pausieren. Diese Zeit habe ich für eine Wanderung genutzt. Meine Frau war in einer Gruppe unterwegs, immer etwa auf gleicher Höhe wie ich. So sind wir ins Gespräch gekommen.

Zum Glück, Pardon, haben Sie sich an diesem Surfbrett verletzt.

Ja! Es steht in unserer Wohnung an einem ganz prominenten Ort. Diesem Brett habe ich viel zu verdanken.